Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Inlandsnachfrage trägt deutschen Aufschwung

16.03.2007
Das RWI Essen erhöht seine Prognose für das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2007 im Vergleich zu seiner Dezember-Prognose um 0,4 %-Punkte auf 2,3%. Der Aufschwung wird inzwischen vorwiegend von der Inlandsnachfrage getragen, insbesondere den Investitionen. Aufgrund des kräftigen Anstiegs der Beschäftigung steigen aber auch die Konsumausgaben beschleunigt.

Für 2008 prognostizieren wir ein BIP-Wachstum von 2,6%. Dabei wird sich der Beschäftigungsaufbau voraussichtlich fortsetzen und die Arbeitslosenquote weiter sinken. Im Jahr 2007 dürfte sie etwa 8,8%, im Jahr 2008 etwa 8,2% betragen. Auch das staatliche Budgetdefizit geht voraussichtlich weiter zurück, die Defizitquote dürfte 2007 bei 0,7% und 2008 bei 0,1% liegen.

Diese Prognose basiert unter anderem auf der Einschätzung, dass das weltwirtschaftliche Klima günstig bleibt. Das Weltsozialprodukt dürfte 2007 um 3% und 2008 um 3,2% zunehmen. Daraus errechnet sich ein Wachstum von 7,5% beziehungsweise 8% für den Welthandel. Ein Risiko für den weltweiten Aufschwung sind nach wie vor die massiven Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen.

Der kräftige Aufschwung in Deutschland setzte sich in der zweiten Hälfte des Jahres 2006 fort. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) erhöhte sich im Jahresdurchschnitt um 2,7% - die größte Steigerung seit 2000. Getragen wurde die Expansion von den Ausfuhren und den Ausrüstungsinvestitionen. Die Bauinvestitionen stiegen nach zehn Jahren Rückgang kräftig an, und der private Konsum belebte sich mit anziehender Beschäftigung. Beide Größen dürften aber auch durch Vorzieheffekte aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung stimuliert worden sein.

Der Aufschwung steht inzwischen auf einer breiten Basis, und es spricht vieles dafür, dass er anhält. Allerdings dürfte er zunächst etwas an Tempo verlieren, da die Weltwirtschaft verhaltener wächst, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sich wegen der Aufwertung des Euro seit Januar 2006 verschlechtert hat, insbesondere aber weil die Finanzpolitik dämpfend wirkt. Vor diesem Hintergrund erwarten wir für 2007 ein BIP-Wachstum von 2,3%. Es wird vor allem von der Inlandsnachfrage getragen, insbesondere den Investitionen. Mit weiter steigender Beschäftigung ist ein beschleunigter Anstieg der Konsumausgaben zu erwarten. Die Außenwirtschaft wird wohl 2007 einen deutlich geringeren Wachstumsbeitrag leisten als bisher, da mit anziehender Inlandsnachfrage auch die Importe rasch steigen. Für das Jahr 2008 prognostizieren wir ein BIP-Wachstum von 2,6%. Die Teuerungsrate dürfte wegen der Mehrwertsteuererhöhung in diesem Jahr mit 1,8% etwas über der des vergangenen Jahres liegen, 2008 jedoch wieder auf 1,5% sinken.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird sich voraussichtlich weiter verbessern und die Arbeitslosenquote von 10,3% im vergangenen Jahr auf 8,8% in diesem Jahr zurückgehen. Der Beschäftigungsaufbau wird sich voraussichtlich auch im nächsten Jahr fortsetzen und die Arbeitslosenquote weiter auf 8,2% sinken.

Die Lage der öffentlichen Haushalte wird sich im Prognosezeitraum voraussichtlich spürbar verbessern. Wir gehen davon aus, dass die Defizitquote 2007 aufgrund der restriktiven Finanzpolitik und konjunktureller Verbesserungen auf 0,7% sinkt. Im nächsten Jahr ist - vorwiegend aus konjunkturellen Gründen - eine weitere Reduktion auf 0,1% wahrscheinlich, womit das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts annähernd erreicht wäre.

Binnenwirtschaftliche Risiken resultieren vor allem daraus, dass es mit der besseren Konjunktur zu einem kräftigen Lohnanstieg kommt. Dieser könnte eine Lohn-Preis-Spirale auslösen, auf welche die Europäische Zentralbank reagieren müsste.

Weltwirtschaftlicher Aufschwung setzt sich mit verringertem Tempo fort

Die weltwirtschaftliche Expansion war in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres nicht mehr so kräftig wie zuvor. Allerdings hat sie sich weniger verlangsamt als häufig befürchtet. In den USA nahm das BIP zwar langsamer zu als das Produktionspotenzial, in Japan und im Euro-Raum war jedoch der Zuwachs im Schlussquartal 2006 deutlich höher als im Sommerhalbjahr.

Die Voraussetzungen sind günstig, dass sich der Aufschwung der Weltwirtschaft fortsetzt. Dabei dürften die Differenzen zwischen den großen Wirtschaftsräumen weiter abnehmen. Für die USA erwarten wir zunächst eine Expansion unterhalb des Potenzialpfads, da der Rückgang der Immobilienpreise vorerst noch dämpft. Im Euro-Raum dürfte die Produktion ebenso wie in Japan rascher als das Produktionspotenzial zulegen. Für die Schwellenländer ist von einer etwas schwächeren, aber immer noch recht kräftigen Expansion auszugehen. Das Weltsozialprodukt dürfte unter diesen Voraussetzungen 2007 um 3,0% und 2008 um 3,2% zunehmen. Für den Welthandel errechnet sich daraus ein Anstieg um 7,5% beziehungsweise 8,0%. Ein Risiko für den weltweiten Aufschwung sind nach wie vor die massiven Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen.

(veröffentlicht in "RWI : Konjunkturberichte", Heft 1/2007)

Ihre Ansprechpartner dazu:
Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 81 49-262
Sabine Weiler (Pressestelle), Tel.: (0201) 81 49-213

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse

Weitere Berichte zu: Arbeitslosenquote BIP BIP-Wachstum Expansion Inlandsnachfrage

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften