Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mut zum kalkulierten Risiko: Mittelständler investieren in China

03.06.2005


Präsenz in China stärkt deutschen Standort Beumer Maschinenfabrik expandiert im Wachstumsmarkt China / Engpässe beim Markteintritt sind die häufig noch unterentwickelte Infrastruktur und ein zu geringes Angebot an Logistikdienstleistungen bei um 30 Prozent wachsender Nachfrage


Nach den multinationalen Konzernen entdecken auch mittelständische Unternehmer zunehmend China als Absatzmarkt. Ein typisches Beispiel für solch ein wohlüberlegtes Investment ist die Beumer Maschinenfabrik aus Beckum. "Unsere Aufgabe ist es, das Unternehmen in dem Bewusstsein weiter zu entwickeln, dass in jedem Unbekannten auch eine große Chance liegt", so Dr. Christoph Beumer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Beumer Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, einem der führenden Hersteller in den Bereichen Fördern, Verladen, Palettieren, Verpacken, Sortieren und Verteilen - vorrangig also Anlagen für den Bereich Logistik. Dr. Christoph Beumer ist zugleich Mitglied des Vorstands der BVL. Gegenwärtig beläuft sich der Beumer-Umsatz auf rund 100 Millionen Euro mit stark wachsender Tendenz. Das Auslandsgeschäft ist daran mit einem Anteil von 90 Prozent beteiligt. Das Beckumer Unternehmen mit Niederlassungen in Australien, Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Indien, Polen, USA und Thailand wird noch im Herbst dieses Jahres im Industriepark Quingpu in Shanghai mit zunächst 50 Mitarbeitern die Produktion aufnehmen.

Der Investitionsentscheidung liegt eine detaillierte Machbarkeitsstudie zugrunde. Wesentlich für die Standortwahl war neben der Kundennähe die Präsenz der wichtigen, bereits in Europa bewährten Zulieferanten in der Region und schließlich auch die Verfügbarkeit von Logistik und Transportwegen. Für die chinesische Seite wird bei dem Projekt besonders die Tatsache begrüßt, dass Beumer die gesamte Wertschöpfungskette des Stammhauses auch am neuen Standort darstellen wird.


Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Arbeitsplätze nach China zu verlagern, sondern durch Präsenz vor Ort in einem zunehmend wichtigen Markt Wachstum für die Unternehmensgruppe zu erzielen. "Das stärkt unsere Position im internationalen Wettbewerb und damit auch das Stammhaus." Anders gesagt, will Beumer als global agierendes Unternehmen Wertschöpfung möglichst nah am Kunden generieren. "Wir setzen dabei auf Kompatibilität der Prozesse quer durch alle Unternehmen der Beumer-Gruppe und die Vollintegration in die eigene IT-Struktur." Gesichert wird damit die Übertragung des weltweit einheitlichen Qualitätsstandards auch auf das neue chinesische Tochterunternehmen.

Die Produkte des Hauses treffen in China auf einen Markt, in dem der Stellenwert der Logistik deutlich angestiegen ist. Hielten Logistik und Logistikdienstleistungen lange Zeit nicht mit der rasanten industriellen Entwicklung Schritt, hat man inzwischen auch hier die in Transport, Umschlag und Versorgung schlummernden Potenziale erkannt. Profitieren können davon nicht nur die großen internationalen Unternehmen, auch mittelständische Anbieter haben bei entsprechender Vorbereitung die Chance zum Erfolg versprechenden Einstieg.

China nach wie vor die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft

Die Volksrepublik China gilt seit geraumer Zeit als die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Sie ist inzwischen fast doppelt so groß wie die Indiens oder Russlands und übersteigt nach Kaufkraft-Parität auch die Japans. Seit Beginn der Öffnungspolitik im Jahr 1978 ist das Bruttoinlandsprodukt nach offiziellen chinesischen Angaben von gut 147 Milliarden auf 1.650 Milliarden US-Dollar gewachsen. Und das Import-Export-Volumen explodiert.

Trotz mancher Probleme, wie etwa die extremen Stadt-Land-Gegensätze oder die ständige Gefahr der Konjunkturüberhitzung, wächst die Wettbewerbsfähigkeit Chinas. Diese rangiert inzwischen auf einer vergleichbaren Ebene zu Japan, Großbritannien oder Deutschland. Und durch den Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO wird dieser Markt noch attraktiver. Kein Wunder also, wenn die ausländischen Direktinvestitionen in China ebenfalls steigen und bereits 2003 die 50 Milliarden-Dollar-Marke überschritten.

So hat denn auch für den deutschen Mittelstand der Aufbau von Niederlassungen, Tochterunternehmen oder Kooperationen vielfach eine hohe Priorität. Eine Studie von Deloitte & Touche aus 2004 kommt zu dem Ergebnis, dass sich hiesige mittelständische Unternehmen in China deutlich höhere Wachstumschancen ausrechnen als in Osteuropa, Brasilien oder Indien. Mehr als 70 Prozent der 165 befragten Unternehmen hatten danach bereits eine China-Strategie definiert.

Knappes Angebot an Logistikdienstleistungen hemmt den Markteinstieg

Ein Hemmnis für Neueinsteiger sind allerdings nach wie vor die nicht ausrechende Infrastruktur und das derzeit knappe Angebot an Logistikdienstleistungen. "Die in der Folge daraus hohen Kostenanteile der Logistik an der Wertschöpfung erweisen sich immer mehr als Bremse für die weitere Entwicklung der Wirtschaft in China", erklärt Dr. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Logistik (BVL). "Liegt der Anteil der Logistikkosten am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland bei etwa 7,2 Prozent, erreicht er in China dagegen etwa 17 Prozent." Nach einschlägigen Schätzungen verursachen Transport- und Lagerkosten an die 30 bis 40 Prozent der Gesamtkosten bei Produktionsgütern - und dies bei extrem niedrigen Transportpreisen. Für 2005 muss nach Einschätzung Wimmers auch weiter mit zweistelligen Preissteigerungen bei Logistikdienstleistungen gerechnet werden.

Inzwischen haben die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft Chinas die Weichen gestellt, um Engpässe zu überwinden und sich zum Ziel gesetzt, auch das Management von Logistikprozessen zu optimieren. Im Zuge dieser Entwicklung wird die Nachfrage nach entsprechenden Anlagen und Dienstleistungen schnell ansteigen. Schon heute sind international operierende Logistikdienstleister wie DHL, TNT, FedEx und UPS mit eigenen Basen vor Ort. Beispielsweise ist FedEx mittlerweile in 190 Städten vertreten. UPS hat seit 2002 die Möglichkeit, direkt nach China zu fliegen. Die China Post, gegenwärtig eines der sechs größten Logistikunternehmen der Welt, hat ihrerseits Verträge über Warenauslieferung mit wichtigen ausländischen Unternehmen abgeschlossen. Ziel ist es, gemeinsam mit den Partnern eine Dominanz auf dem Inlandsmarkt einzunehmen, statt diese aus dem Markt zu verdrängen.

Bei den Eintrittsstrategien stehen die Wahl des Marktes bzw. Standortes, des Eintrittszeitpunktes und der Ansiedlungsform im Vordergrund. Besonders der Letzteren ist hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Bislang waren im Bereich Transport und Logistik nur Joint Ventures mit einem chinesischen Mehrheitsanteil möglich. Künftig sollen auch reine Auslandsunternehmen zugelassen werden. Der Vorteil dieser Variante besteht in der vollständigen Kontrolle durch den Investor, der Nachteil im Fehlen des Beziehungsnetzwerkes und in den Barrieren bei der Kommunikation mit Behörden und Mitarbeitern.

"Fällt die Entscheidung zugunsten einer Kooperation oder eines Joint Ventures, sind neben den üblichen Kriterien wie Kapitalausstattung und Mitarbeiterauswahl insbesondere kulturelle Faktoren von Bedeutung", so Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Christian Pfohl, Leiter des Fachgebietes Unternehmensführung & Logistik der TU Darmstadt und Mitglied des Vorstands der BVL. Insbesondere der Aufbau von Netzwerken (Guanxi) ist von hohem Stellenwert. Das bedeutet, dass bei der Wahl von chinesischen Partnern auf deren gute und zahlreiche Kontakte zu achten ist. Unter dem Strich bietet der chinesische Logistikmarkt im Sog des anhaltenden Wirtschaftswachstums künftig nicht zuletzt mittelständischen Einsteigern beste Chancen. "Ganz grundsätzlich gilt", so Dr. Wimmer, "dass hier wie in anderen Märkten auch, ein früher Markteintritt große Möglichkeiten eröffnet - vorausgesetzt man akzeptiert dabei die lokalen Besonderheiten und berücksichtigt sie offensiv."

Dr. Christoph Beumer ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Beumer Maschinenfabrik GmbH & Co. KG, Beckum, die über ein eigenes Werk in Shanghai und strategische Partnerschaften den chinesischen Markt erschlossen hat. Dr. Christoph Beumer ist Mitglied des Vorstands der BVL

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Christian Pfohl ist Leiter des Fachgebietes Unternehmensführung & Logistik der TU Darmstadt, Professor am Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg (CDHK) der Tongji-Universität Shanghai, Mitglied des Vorstands der Bundesvereinigung Logistik (BVL) und Leiter des Ausschusses für Forschung und Entwicklung der European Logistics Association (ELA).

Dr. Thomas Wimmer ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Logistik (BVL).

Ulrike Dautzenberg | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.bvl.de

Weitere Berichte zu: Logistikdienstleistung Maschinenfabrik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt bleibt im Aufwind
27.04.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Digitalisierung bringt Produktion zurück an den Standort Deutschland
25.04.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie