Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Steuertricks bald ausgestorben

04.06.2002


Vereinfachtes Steuerrecht lässt Bürger und Beamte aufatmen

Damit Finanzbeamte und Steuerzahler gleichermaßen aufatmen können, muss das deutsche Steuerrecht grundlegend reformiert werden, fordert Prof. Dr. Roman Seer (Juristische Fakultät), und hat auch gleich Ideen, wie das machbar wäre. Statt Steuererklärung und Aktenflut schlägt er eine Selbstveranlagung nach amerikanischem Vorbild vor: Die meisten Bürger zahlen pauschal, die anderen lassen sich professionell beraten. Steuerberater werden zu Rechtspflegern, Finanzbeamte überwachen und prüfen.

Der innere Schweinehund wird arbeitslos

Die meisten Deutschen fechten alle Jahre wieder einen harten Kampf mit ihrem inneren Schweinehund aus: Die Steuererklärung ist fällig. Wo sind meine Belege? Was kann ich von der Steuer absetzen? Mit welchen Tricks komme ich vielleicht besser weg? Und auch die Finanzbeamten haben ihre Not mit der Aktenflut, die vor allem schnell abgearbeitet werden will. Wollten sie jede Erklärung tatsächlich prüfen, würden sie nie fertig. So werden nur Stichproben gemacht, fast nur unter den Steuerpflichtigen, die mehr als 150.000 DM jährlich angeben. Wobei das womöglich die ehrlichen Leute sind - wer weiß, wie viele mehr verdienen, sich aber "arm rechnen" und ungestraft davon kommen?

Online statt Akten

Reformen sind überfällig, stellt Prof. Seer fest. Eine gute Alternative wäre die Selbstveranlagung. Viele Bürger bräuchten überhaupt keine Steueranmeldung mehr, weil sie pauschale Beträge zu festen Terminen zahlen. Diejenigen, deren Einkommensverhältnisse sich nicht in eine Pauschalkategorie einordnen lassen, würden verpflichtet, sich professionelle Hilfe zu holen. Der Staat würde diese Beratung finanziell unterstützen. Der Beruf des Steuerberaters würde sich in Richtung eines Rechtspflegers entwickeln. Finanzbeamte müssten nicht mehr nur abhaken, sondern könnten gezielt dort recherchieren, wo sie Steuerbetrug vermuten. Dabei könnte man die Steuerzahler in Risikoklassen einteilen. Wer immer termingerecht und ehrlich seine Steuer überwiesen hat, würde selten überprüft, wer schon durch Steuerbetrug aufgefallen ist, würde besser überwacht. Die meisten Bürger könnten ihre Daten online übermitteln, was eine weitere Arbeitsersparnis gegenüber dem heutigen Aktenberg mit sich brächte. Sinnvoll findet Seer eine sog. "Compliance-Strategie": Mit Werbung, z.B. TV-Spots, sollte der Staat den Bürgern die Besteuerung plausibel machen. Seer hält eine Reform des deutschen Steuerrechts noch in diesem Jahrzehnt für machbar. Ausführlich stellt er das Modell in seinem Buch "Das Besteuerungsverfahren in den USA und der Bundesrepublik - ein Rechtsvergleich" vor, das jetzt im Verlag Recht und Wirtschaft erscheint.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Roman Seer, Juristische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28269, Fax: 0234/32-14614, E-Mail: LS.seer@jura.ruhr-uni-bochum.de

Titelaufnahme

Roman Seer, Das Besteuerungsverfahren in den USA und der Bundesrepublik - ein Rechtsvergleich. Verlag Recht und Wirtschaft, Heidelberg 2002

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin1_02/

Weitere Berichte zu: Besteuerungsverfahren Steuerrecht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Rezessionsgefahr nahe null - IMK-Indikator: Deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur
16.01.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Mit Schwung ins neue Jahr
28.12.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie