Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Baustoff der Zukunft

29.02.2016

Uni Siegen veranstaltet das Symposium „Beton – 3 Blickwinkel auf einen Baustoff“ und zeigt die Bedeutung des Betons für Forschung, Kultur und Architektur auf.

Wer Wasser, Kies und Sand mit Zement vermischt, erhält Beton. Doch dass dieser Baustoff deutlich mehr zu bieten hat als ein simples Rezept, zeigte das Symposium „Beton – 3 Blickwinkel auf einen Baustoff“ der Universität Siegen im Februar 2016.


Das Symposium „Beton – 3 Blickwinkel auf einen Baustoff“ fand an der Uni Siegen statt.

Universität Siegen

Neben den zehn Rednern und den zahlreichen Helfern fanden 90 Architekten, Ingenieure, Stadtplaner, Fachwissenschaftler und Studierende den Weg zum Artur-Woll-Haus in Siegen. Interne und externe Experten aus Wissenschaft und Praxis sorgten für den Wissensaustausch, erweiterten das Netzwerk und den Erfahrungsschatz. Das Symposium war gleichzeitig das diesjährige Eröffnungssymposium des Masterstudienganges „Planen und Bauen im Bestand“ im Department Architektur der Universität Siegen.

Das Lehrgebiet Baukonstruktion und Entwerfen richtete das Symposium unter der Leitung von Prof. Dipl.-Ing. Sibille Wirtz und der Mitarbeit von Katrin Hanses aus. Der traditionelle und gleichzeitig hoch entwickelte Baustoff Beton lieferte mit der Bandbreite seiner Facetten den Inhalt für drei spannende Blickwinkel – auf Beton als Baustoff der Zukunft.

Nach der Begrüßung durch Dekanin Prof. Dr. Hilde Schröteler-von Brandt leitete Prof.in Wirtz in den inhaltlichen Teil des Symposiums ein. Sich selbst und ihre Mitarbeiter bezeichnete Prof.in Wirtz als „leidenschaftliche Betonbauer“, sodass die Thematik des Symposiums schnell gefunden war. Um die Leidenschaft zu einem solchen Baustoff zu definieren, beschrieb Prof.in Wirtz die Vielfältigkeit des Betons, einen „Baustoff, der fließt, eins wird mit seiner Form, dessen Oberfläche eine Kohärenz mit der Schalung eingeht“.

Als erstes behandelte der wissenschaftliche Blickwinkel die neuesten Ergebnisse und den Stand der Forschung rund um Beton. Prof.in Wirtz verwies auf die aktuellen Entwicklungen, in denen „die Bauwerke, entgegen dem alt bekannten Image, immer filigraner, immer leichter“ werden. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Frank Schladitz (TU Dresden) und Jeldrik Mainka (TU Braunschweig) berichteten über technische Innovationen im Bereich der Bewehrungstechnik mit Carbon und im Non-Waste-Schalungsbau mit Wachsformen und ließen so detaillierte Einblicke in die aktuelle Ingenieurswelt zu.

Ganz anders der zweite Blickwinkel. Betrachtet wurde der Beton im Stadtbild und sein gesellschaftliches Image. Die ehemalige Dombaumeisterin zu Köln, Prof. Dr. Barbara Schock-Werner und Architekturhistoriker Nikolaus Bernau stellten die kulturelle Bedeutung des Baustoffs unter denkmalpflegerischen und metaphorischen Gesichtspunkten dar. So schilderte Prof.in Schock-Werner die häufigen Diskrepanzen der Verwendung von Beton in der Denkmalpflege, die oftmals zu uneindeutigen Ergebnissen führen. Kann Beton als Ergänzung zu historischen Gebäuden verwendet werden oder widerspricht dies den ursprünglichen Konzepten?

Der Position des Denkmalsamtes stand sie hier kritisch gegenüber. Nicht immer sei es eindeutig, wie mit dem Bestand zu verfahren sei. Prof.in Schock-Werner beschrieb unter anderem scherzhaft die „kölsche Lösung“ dieses Problems: „Das Gebäude wird unter Denkmalschutz gestellt und dann zum Abriss freigeben.“ Nikolaus Bernau betonte anschließend den Zusammenhang zwischen Beton und sakralen Gebäuden und den inhaltlichen Wert des Baustoffs. Eine seiner zentralen Thesen lautete, die Bedeutung der Verwendung des Betons im sichtbaren Bereich eines Bauwerkes sei in der Historie und bis heute wenig betrachtet und gewürdigt.

Prof. Dr. Günter Pfeifer (TU Darmstadt) setzte mit seinem Vortrag über Kybernetik und die Rolle von Mensch und Klima in der heutigen Architektur einen neuen Akzent. Mit der „Verdämmung“ der Gesellschaft beschrieb er eindrucksvoll den Zwiespalt zwischen den Anforderungen aus der Normierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) von heute, der stetig steigenden Technisierung und der eigentlich logischen und gesunden Konstruktion eines Gebäudes. Für seine Ideen zur Low-Tech-Architektur und klimagerechten Entwürfen erhielt er reichlich Beifall. Seine Ansätze boten viel Potenzial zum eigenen Denken. Auf die Frage von Prof.in Wirtz, ob die heutige Lehre an Hochschulen dementsprechend falsch sei, antwortete Pfeifer mit einem klaren „ja“. Ziel der heutigen Architekturlehre sollte sein, die Fähigkeiten von Baustoffen zu vermitteln und deren Einsatz in einer klimagerecht entworfenen Architektur zu positionieren.

Der Blickwinkel aus architektonischer Sicht beinhaltete Werkvorträge aus der architektonischen Praxis. Thorsten Klooster (Uni Kassel) gab einen Einblick in die Arbeit der Forschungsplattform „Bau Kunst Erfinden“. Touch-, Bling- oder auch Dyscrete heißen die interaktiven Betone, die dort in enger Zusammenarbeit mit den Studierenden experimentell entwickelt werden. Abschließend rundeten die Vorträge von Markus Flemming und dem Büro Molestina Architekten (Prof. Dr. Pablo Molestina und Barbara Schaeffer) den Tag mit dem Sprung in die bauliche Praxis ab. Es zeigte sich das gesamte Spektrum des Betons: von der Berechnung leistungsstarker UHPC-Rezepturen bis hin zum ästhetischen Einsatz.

André Zeppenfeld | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-siegen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht
05.12.2016 | Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

nachricht Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel
02.12.2016 | Münchner Kreis

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften