Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Wohnen im Alter

08.09.2005


Fachtagung von Bertelsmann-Stiftung und Institut Arbeit und Technik diskutiert Herausforderungen des demografischen Wandels: Selbstbestimmte Lebensformen auch bei Hilfe- und Pflegebedarf ermöglichen



In den nächsten Jahren wird der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen enorm zunehmen: Im Jahr 2050 werden fast 30 Prozent der Deutschen über 65 Jahre alt sein - gegenüber erst 17 Prozent im Jahr 2000. Die Gruppe der Hochbetagten wird überproportional wachsen und damit der Bedarf an Unterstützung und Hilfe bei körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen oder im Pflegefall. Bereits bis 2020 wird die Zahl der älteren Pflegebedürftigen mit Leistungsanspruch um die Hälfte steigen. Für sie würden zwischen 225.000 und 250.000 zusätzliche Heimplätze benötigt - falls keine alternativen Wohnformen bereitgestellt und präventive Maßnahmen ergriffen werden können. Sonst wird der Bedarf bis zum Jahr 2050 eine Größenordnung von 700.000 zusätzlichen Heimplätzen erreichen.



Der demografische Wandel unserer Gesellschaft und die daraus erwachsende Nachfrage nach selbstbestimmten Wohn- und Lebensformen auch bei Hilfe- und Pflegebedarf sind Thema einer Fachtagung von Bertelsmann-Stiftung, Landesinitiative Seniorenwirtschaft und Institut Arbeit und Technik (IAT) heute und Freitag (8. und 9. September) in Gelsenkirchen. "Wir brauchen Alternativen und Ergänzungen zur - von vielen Senioren abgelehnten - Unterbringung im Heim. Diese können durchaus kostengünstiger sein, schaffen aber auf jeden Fall durch die Nachfrage nach bedarfsgerechter Technik und Dienstleistungen gleichzeitig Arbeit in neuen Beschäftigungsfeldern", so PD Dr. Josef Hilbert, Forschungsdirektor des Schwerpunkts Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität am IAT. Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik suchen auf der Tagung Konzepte, die den Wohnbedürfnissen älterer Menschen entsprechen und gleichzeitig den zukünftigen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen. Auf der Grundlage von Beispielen aus den Bereichen bedarfsgerecht angepasster Wohnraum, aktivierende und unterstützende Dienstleistungen, der Anwendung intelligenter haustechnischer Möglichkeiten und der Wohnumfeld- und Quartiersgestaltung wurden zukunftsorientierte Gestaltungsoptionen für das Wohnen im Alter vorgestellt und
diskutiert.


Heute leben etwa 70 % der knapp 1,6 Mio. Pflegebedürftigen zu Hause und erhalten Unterstützung durch Familie, Nachbarn und Freunde. Die rd. 2,3 Mio. "Hilfebedürftigen", die regelmäßig z.B. hauswirtschaftliche Unterstützung benötigen, werden zu fast 90 % informell versorgt. In den nächsten Jahren werden jedoch die Unterstützungsnetze durch die Familien zurückgehen, da die Kinder berufsbedingt oft nicht mehr in der Nachbarschaft oder in erreichbarer Entfernung wohnen. Auch die Quote der älteren Menschen ohne Kinder nimmt ständig zu. Gegenwärtig ist etwa nur jede 30. ältere Frau kinderlos. In den nächsten zehn Jahren steigt diese Zahl an. Dann wird schon etwa jede 8. und im Jahre 2030 etwa jede 4. über 60-Jährige kinderlos und damit schon deshalb auf alternative Unterstützungsleistungen angewiesen sein.

Die Mehrheit des Wohnraumbestandes ist nicht auf die gesteigerten Bedürfnisse älterer Menschen nach Sicherheit, Komfort und weitgehender Barrierefreiheit ausgerichtet. Renovierung und Umbauten steigern aber nicht nur die Lebensqualität von Senioren, sondern schaffen gleichzeitig attraktiven Wohnraum für alle Generationen. Ziel muss dabei sein, mit möglichst wenig Aufwand eine möglichst große Steigerung der Wohnqualität zu erreichen. Neben einer barrierearmen und mit Angeboten von gesundheitsbezogenen, sozialen, haushaltsnahen, Sicherheits- und Kommunikationsdiensten ausgestatteten Wohnlandschaft kann der Einsatz intelligenter Haus- und Kommunikationstechnik zu einem Mehr an Sicherheit und Komfort im Alter beitragen.

Die bestehenden Altenhilfestrukturen müssen engagiert weiterentwickelt und ausgebaut werden, um dem wachsenden Hilfe- und Betreuungsbedarf in Zukunft gerecht zu werden und ihn finanzieren zu können. Michael Cirkel von der Geschäftsstelle Seniorenwirtschaft am IAT: "Eine wesentliche Anforderung besteht darin, die Potenziale für Eigeninitiative, Eigenverantwortung und gegenseitige Hilfe zu stärken".

Die Bertelsmann Stiftung hat die Aktion Demographischer Wandel zu einem Leitprojekt gemacht, das Kommunen und Regionen Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft aufzeigen soll. U.a. werden auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme und Bewertung bedarfsgerechte Wohnformen für die Zukunft weiterentwickelt. Das Institut Arbeit und Technik hat mit seinen Forschungen zur Gesundheits- und Seniorenwirtschaft bereits vor Jahren die Problematik des demografischen Wandels aufgegriffen und gezeigt, dass das Altern der Gesellschaft nicht nur Probleme bringt, sondern vielmehr eine Chance für mehr Arbeit und Beschäftigung ist. Mehr Lebensqualität im Alter schafft Arbeitsplätze. In diesem Sinne engagiert sich die Landesinitiative Seniorenwirtschaft, die vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales sowie dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration getragen wird. Die Entwicklung der Seniorenwirtschaft in NRW, begleitet und moderiert von Wissenschaft und Politik, gilt inzwischen als wegweisend auch für andere Bundesländer.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

PD Dr. Josef Hilbert
Durchwahl: 0209/1707-120
Michael Cirkel
Durchwahl: 0209/1707-344

Pressereferentin
Claudia Braczko

Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen

Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de
info@iatge.de

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de
http://www.seniorenwirt.de/
http://www.aktion2050.de

Weitere Berichte zu: IAT Lebensqualität Seniorenwirtschaft Wohnform

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

nachricht Deutschland altert unterschiedlich
22.05.2017 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die turbulente Atmosphäre der Venus

25.07.2017 | Physik Astronomie

SEEDs – Intelligente Batterien mit zellinterner Sensorik

25.07.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

25.07.2017 | Physik Astronomie