Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verleihung des DPZ-Förderpreises 2009

30.11.2009
Der diesjährige Förderpreis des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) wird am Donnerstag, dem 3. Dezember 2009 um 18.00 c.t. im Hörsaal der Tierernährungsphysiologie Kellnerweg 6 verliehen. Der Preisträger ist Herr Dr. Christian Puller.

Christian Puller (geb. 1979) studierte Biologie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, schloss dort 2005 sein Studium mit dem Diplom ab und promovierte mit "magna cum Laude" 2009 an der Goethe Universität Frankfurt/Main. Seine experimentellen Studien führte er am Max-Planck-Institut für Hirnforschung unter der Betreuung von PD Dr. Silke Haverkamp und Prof. Dr. Heinz Wässle durch.

Die Forschungen von Christian Puller widmen sich den Grundlagen der Farbwahrnehmung. Unter den Säugetieren haben nur die Primaten (Altweltaffen und Menschen) ein trichromatisches Farbensehen, d.h. ihre Farbwahrnehmung beruht auf drei spektral unterschiedlichen Zapfen (Rot-, Grün- und Blau-Zapfen). Alle anderen Säuger sind Dichromaten und besitzen nur zwei Arten von Zapfen in der Netzhaut, nämlich Blau-Zapfen und Grün-Zapfen. Das trichromatische System der Primaten entstand vor ca. 35 Millionen Jahren durch eine Mutation des Zapfenpigments der Grün-Zapfen, von denen sich die Rot-Zapfen abspalteten.

Es ist eine bisher ungeklärte Frage, wie die Schaltkreise und Synapsen der Säugernetzhaut (Retina) die Lichtantworten dieses neuen Rot-Zapfens aufgenommen, verarbeitet und ans Gehirn weitergeleitet haben.

Mittels immunzytochemischer Färbetechniken und der Licht- sowie der Elektronenmikroskopie untersuchte Christian Puller, ob an der ersten Synapse der Retina, dem Zapfen-Endfüßchen, Unterschiede zwischen Primaten und anderen Säugern bestehen, die auf eine farbspezifische Verschaltung hinweisen. Das Zapfen-Endfüßchen ist mit ca. 15 postsynaptischen Partnern in Kontakt und bildet mit ihnen insgesamt mehr als 500 einzelne Kontaktstellen aus. Dadurch stellt das Zapfen-Endfüßchen die wohl komplexeste Synapse im gesamten Nervensystem dar. An den Kontaktstellen werden unterschiedliche Glutamatrezeptoren ausgebildet, die auf ganz spezifische Weise auf den Zapfentransmitter Glutamat ansprechen. Zusätzlich sind die einzelnen Elemente am Zapfen-Endfüßchen über elektrische Synapsen (gap junctions) miteinander verbunden.

Christian Puller untersuchte im Rahmen dieser Studie erstmals die Anatomie bestimmter gap junctions in der Primatenretina. Außerdem gelang es ihm, die Verschaltungswege am Zapfen-Endfüßchen der Primaten, des Kaninchens und der Maus weitgehend zu entschlüsseln. Als Ergebnis der Arbeiten steht nun fest, dass sich das Zapfen-Endfüßchen der Blau-Zapfen bei allen Säugern vom Zapfen-Endfüßchen der Grün-Zapfen unterscheidet. Zusätzlich gibt es, allerdings nur bei den Primaten, eine spezielle Art von Bipolarzelle, die "Zwergbipolarzelle", die jeweils mit nur einem Zapfen in Kontakt steht. Dieser Zelltyp übernimmt das Farbsignal des jeweiligen Rot- bzw. Grün- Zapfens und leitet es über "Zwergganglienzellen" ans Gehirn weiter.

Dort werden dann die Signale der Rot-, Grün- und Blau-Zapfen zur Farbwahrnehmung verrechnet. Auf den Zwergbipolarzellen wurde im Verlauf der Untersuchungen ein bestimmter Glutamatrezeptor nachgewiesen, wodurch ein Einblick in die zeitliche Signalverarbeitung dieser Zellen gewonnen werden konnte.

Derartige Erkenntnisse über den Aufbau retinaler Schaltkreise und die Funktionsweise synaptischer Signalübertragung bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung von Neuroprothesen oder gentherapeutischer Maßnahmen zur Behandlung degenerativer Erkrankungen des Sehsystems.

Der Förderkreis des Deutschen Primatenzentrums e.V. (DPZ) verleiht jährlich einen Förderpreis für besondere wissenschaftliche Leistungen im Rahmen einer Promotion. Der Förderpreis besteht aus einem Geldpreis und ist verbunden mit einem sechsmonatigen Stipendium an einer Forschungseinrichtung nach Wahl des Preisträgers. Der Preis ist damit einer der höchst dotierten Promotionspreise in Deutschland.

Dr. Dr. Michael Schwibbe | idw
Weitere Informationen:
http://dpz.eu/
http://dpz.eu/index.php?id=108
http://www.mpih-frankfurt.mpg.de/global/Na/staff/staff_d.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie