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Magdeburger Wissenschaftler erhielt internationalen Forschungspreis

25.11.2008
Der Magdeburger Wissenschaftler Walter Schubert erhielt den renommierten "Best Paper Award 2007" der amerikanischen Gesellschaft "International Society for Advancement of Cytometry (ISAC)".

Der Preis wurde ihm aufgrund einer Befragung von mehr als 2000 Wissenschaftlern für seine Publikation verliehen, in der er eine neue Technologie (MELK) und einen Drei Symbol Code für die Analyse von Protein Netzwerken im Immunsystem beschreibt (W. Schubert. A three symbol code for organized proteomes based on cyclical imaging of protein locations", Cytometry A, 71, 352-360, 2007).

In der Arbeit wird dargelegt, dass man mit diesem Code eine quasi beliebige Anzahl von Proteinen in einem einzigen Gewebeschnitt erfassen kann, so dass bisher nicht sichtbare funktionelle Bereiche in Immunorganen und anderen Organsystemen aufgedeckt und quantitativ beschrieben werden können. Damit eröffnen sich völlig neue Perspektiven, um z. B. die Funktionsweise bzw. Fehlfunktionen des Immunsystems bei Krankheiten direkt im Gewebe zu entschlüsseln. Das Verfahren wurde inzwischen auch von renommierten Institutionen in den USA, wie z.B. den National Institutes of Health (NIH) aufgegriffen und ist bereits Teil eines internationalen Projektes zur Entschlüsselung des Funktionsplans menschlicher Zellen (Cottingham K. Human Toponome Project, J.Proteom Res., Vol. 7, S. 1806, 2008).

Lebenslauf
Hochschuldozent Dr. med. Walter Schubert entwickelte im Rahmen seiner universitären Forschungsprojekte das sog. Multiepitop-Ligand-Kartierungs Verfahren (MELK oder engl MELC), mit dem man eine quasi beliebige Zahl von Proteinen auf Einzelzellniveau gleichzeitig erfassen kann (s. Pressemitteilung http://idw-online.de/pages/de/news226662). Die Bedeutung dieses mikroskopischen Verfahrens und der daraus bereits erzielten Ergebnisse wird international sehr hoch eingestuft (Abbott, A. Mapping togetherness, Researchb Highlight, Nature 443, 609, 2006). Schubert studierte Medizin an den Universitäten Aachen und Bonn, sowie Musik in Salzburg. Als Leiter des neuromuskulären Labors der neurologischen Universitätsklinik Bonn erhielt er 1986 im Rahmen einer Ausschreibung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Projekt zur mikroskopischen Erforschung von Protein Konstellationen in Zellen mit Hilfe mehrerer Laserlinien. Theoretische Arbeiten zur kontinuierlichen Lokalisierung von Proteinen in situ und deren Anwendung in der Medizinischen Forschung führten ihn von 1988 bis 1992 als Research Associate und Thyssen Stipendiat an das Zentrum für Molekulare Biologie Heidelberg (ZMBH), wo er die entsprechenden Protokolle für zahlreiche Gewebetypen erarbeiten konnte. 1993 wurde er zum C2 Hochschuldozenten für das Fach Medizinische Neurobiologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ernannt, wo hervorragende Möglichkeiten für die Etablierung der Proteinkolokalisation als Roboterverfahren (MELK) bestanden. Hier war er von 1994-1997 Sprecher des Innovationskollegs "Bildinformation" (INK15), gründete die Arbeitsgruppe "Molekulare Mustererkennung" am Institut für Medizinische Neurobiologie und beteiligte sich am Aufbau des Studiengangs Computervisualistik. Im Jahr 1999 gründete er die Biotech Firma Meltec GmbH aus. Als Geschäftsführer und CSO der Firma erhielt er im Jahr 2000 den Biochance und 2003 einen Proteomics Award des BMBF und etablierte Kooperationen mit Industriepartnern. Diese Projekte bildeten die Grundlage für ein nationales Kooperationsnetzwerk auf dem Gebiet der Protein Systemforschung. Im Jahr 2004 wurde er zusammen mit Vertretern des Wellcome Trusts in einen wissenschaftlichen Aufsichtsrat der Universität Warwick (England) berufen. Seit 2004 ist er mit Projekten zum "Human Brain Proteome" und "Neuroblastoma Toponome" Mitlied des Nationalen Genom Forschungsnetzwerkes des BMBF und seit 2007 Mitglied der Human Proteome Organization (HUPO).

Schubert gründete mit seinen Forschungsarbeiten das neue Wissenschaftsgebiet der "TOPONOMIK", der Wissenschaft von den Protein Netzwerken (dem Funktionsplan) der Zellen. Durch seine hochrangigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Kooperationsaktivitäten ist es ihm gelungen, ein internationales Netzwerk ins Leben zu rufen, das zum Ziel hat, das Toponom des Menschen in Krankheit und Gesundheit vollständig zu entschlüsseln und die Ergebnisse in neue Diagnose- und Behandlungsverfahren zu übersetzen. Große Anerkennung erhielt seine wissenschaftliche Leistung kürzlich, indem ihn die "International Faculty" des Max-Planck-CAS Partner Institute for Computational Biology (PICB) in Shanghai zum Gastprofessor für Toponomics ernannte (s. Pressemitteilung http://idw-online.de/pages/de/news274282 ). Es handelt sich um die weltweit erste Professur auf diesem neuen Forschungsgebiet. Sie soll, in enger Zusammenarbeit mit herausragenden Zellbiologen und Mathematikern, die u.a. an dem von der Max Planck Gesellschaft in Shanghai gegründeten Institut angesiedelt sind, Maßstäbe für die exakte Analyse des Funktionsplans der Zellen des Menschen setzen. Schubert beabsichtigt, vor diesem Hintergrund auch einen engen Schulterschluss mit Forschern in England und Deutschland, insbesondere in Magdeburg.

Kontakt:
HS-Doz. Dr. med. Walter Schubert
Tel. 0391- 6117175
e-mail: walter.schubert@med.ovgu.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nprot/journal/v2/n9/abs/nprot.2007.320.html
http://www.nature.com/nbt/journal/v24/n10/abs/nbt1250.html
http://www.uni-magdeburg.de/MWJ/MWJ2004/02-2004.html

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