Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DFG richtet 13 neue Schwerpunktprogramme ein

18.04.2011
Themen reichen von historischen Hafenstrukturen über Interaktionen in Bakterienkulturen und Festigkeit von Gläsern bis zu regenerativen Brennstoffen

Welche Rolle kann die chemische Solarenergiekonversion in der zukünftigen Energieversorgung spielen – wie funktionieren die elementaren Prozesse bei der lichtgetriebenen Wasserspaltung und den so regenerativ erzeugten Brennstoffen? Wie gelingt es Viren, die Speziesbarriere zwischen Mensch und Tier zu überwinden, und welche ökologischen Einflüsse wirken auf die Wirtstiere von Viren? Was macht einen gesunden Schilddrüsenhormonstoffwechsel aus? Wie funktionieren die Mechanismen, mit denen das menschliche Gehör Informationen verarbeitet und welche Schlüsse lassen sich daraus für die Behandlung von Schwerhörigkeit ziehen?

So lauten einige der Fragestellungen aus der Grundlagenforschung, die in den kommenden Jahren in neuen Schwerpunktprogrammen (SPP) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) untersucht werden.

Der Senat der DFG richtete jetzt auf seiner Frühjahrssitzung in Bonn insgesamt 13 neue Schwerpunktprogramme ein. Sie sollen ab Anfang 2012 ihre Arbeit aufnehmen und die in Deutschland und darüber hinaus vorhandene wissenschaftliche Expertise zu besonders aktuellen oder sich gerade bildenden Forschungsgebieten vernetzen.

Die neuen SPP decken das gesamte fachliche Spektrum von den Geistes- und Sozialwissenschaften über die Lebenswissenschaften und Naturwissenschaften bis zu den Ingenieurwissenschaften ab. Das Themenspektrum reicht dabei von der Entwicklung neuer Fügemechanismen in der Produktionstechnik, für die zunächst die physikalisch-chemischen Grundlagen der Fügemechanismen erstmalig systematisch untersucht werden, bis zur detaillierten Analyse von Bakterien, die – obwohl sie genetisch homogen sind – ganz unterschiedliche Subpopulationen ausbilden und gemeinsam in der Gruppe agieren können. Andere Programme analysieren etwa die Qualität von Software während ihres Betriebs und ihrer Wartung und leiten daraus Methoden für künftige Software-Entwicklungen ab – womit sie einen ausgeprägten Anwendungsbezug haben. Hohes Innovationspotenzial besitzt auch ein Programm mit dem Ziel, die Festigkeit von Gläsern zu verbessern und dafür deren topologische Struktureigenschaften im mikroskopischen Bereich zu untersuchen – mögliche Anwendungsbereiche sind Maschinenbau, Architektur oder Telekommunikation.

Die nun eingerichteten Programme sind in hohem Maße interdisziplinär angelegt – sie bringen etwa Biologie und Mathematik zusammen, um eine neue mathematischen Grundlage und Theorie für eine innovative Evolutionsbiologie zu entwickeln. Neue Wege geht auch ein Programm, das sich mit See- und Binnenhäfen von der Antike bis ins Mittelalter befasst und diese mitsamt den umgebenden Transport- und Handelswegen als komplexe Systeme auffasst, zu deren Erforschung nicht nur verschiedene Geisteswissenschaften, sondern auch unter anderem die Geophysik und Ozeanforschung eingebunden werden. Allen gemeinsam ist auch die intensive Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die wesentliche Voraussetzung für die Einrichtung eines neuen Schwerpunktprogramms ist.

Die 13 neuen SPP wurden aus insgesamt 57 eingereichten Konzepten ausgewählt. Jedes Programm wird in den kommenden Monaten von der DFG einzeln ausgeschrieben, die eingehenden Förderanträge werden in einem strengen Begutachtungsverfahren auf ihre wissenschaftliche Qualität und ihren Beitrag zum jeweiligen Oberthema geprüft. Bei 12 der neuen Programme erstreckt sich die Förderung zunächst über drei Jahre, ein SPP wird zunächst zwei Jahre lang gefördert. Für alle 13 neuen SPP stehen dabei im ersten Förderjahr circa 23,9 Millionen Euro und in der ersten Förderperiode insgesamt gut 70 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Schwerpunktprogramme der DFG arbeiten in der Regel sechs Jahre. Mit den nun bewilligten 13 Einrichtungen fördert die DFG ab 2012 insgesamt 80 SPP.

Die neuen Schwerpunktprogramme (geordnet nach Wissenschaftsgebieten) und ihre Koordinatoren sind:

Geistes- und Sozialwissenschaften

Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter
Koordinator: Professor Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Archäologisches Landesmuseum

Lebenswissenschaften

Ecology and Species Barriers in Emerging Viral Diseases
Koordinator: Professor Dr. Christian Drosten, Universität Bonn
Phenotypic Heterogeneity and Sociobiology of Bacterial Populations
Koordinatorin: Professorin Dr. Kirsten Jung, LMU München
Ultrafast and Temporally Precise Information Processing: Normal and Dysfunctional Hearing
Koordinatorin: Professorin Dr. Jutta Engel, Universität des Saarlandes
Koordinator: Professor Dr. Eckhard Friauf, TU Kaiserslautern
THYROID TRANS ACT – Translation of Thyroid Hormone Actions beyond Classical Concepts

Koordinatorin: Professorin Dr. Dagmar Führer-Sake, Universitätsklinikum Leipzig AöR

Naturwissenschaften

Probabilistic Structures in Evolution
Koordinatorin: Professorin Dr. Ellen Baake, Universität Bielefeld
New Frontiers in Sensitivity for EPR Spectroscopy: From Biological Cells to Nano Materials

Koordinatorin: Privatdozentin Dr. Marina Bennati, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut)

Chemoselektive Reaktionen für die Synthese und Anwendung funktionaler Proteine
Koordinator: Privatdozent Dr. Christian Hackenberger, FU Berlin
Ingenieurwissenschaften
Regenerativ erzeugte Brennstoffe durch lichtgetriebene Wasserspaltung: Aufklärung der Elementarprozesse und Umsetzungsperspektiven auf technologische Konzepte

Koordinator: Professor Dr. Wolfram Jaegermann, TU Darmstadt

Design for Future – Managed Software Evolution
Koordinatorin: Professorin Dr. Ursula Goltz, TU Braunschweig
Fügen durch plastische Deformation
Koordinator: Professor Dr.-Ing. Peter Groche, TU Darmstadt
Topological Engineering of Ultra-Strong Glasses
Koordinator: Professor Dr.-Ing. Lothar Wondraczek, Universität Erlangen-Nürnberg
Caloric Effects in Ferroic Materials: New Concepts for Cooling
Koordinator: Dr. Sebastian Fähler, Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden (IFW)

Weiterführende Informationen

Ausführliche Informationen zu den Schwerpunktprogrammen der DFG inklusive einer Liste der geförderten Programme finden sich unter: www.dfg.de/spp

Weitere Auskünfte zu den nun bewilligten SPP erteilen die jeweiligen Koordinatorinnen und Koordinatoren.

Dr. Eva-Maria Streier | DFG
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/spp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Das Klassenzimmer der Zukunft - DFKI & TUK eröffnen neues Labor für digitale Lehr- und Lernmethoden
03.05.2018 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Technik unterstützt Inklusion in der Arbeitswelt
06.03.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Embryonale Genregulation durch mechanische Reize

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Quantenverschränkung auf den Kopf gestellt

22.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics