„Regelung“ und „Störung“ im 20. Jahrhundert

Selbstläufer – Leerläufer

Was gut genug „geregelt“ ist, das läuft doch wie von selbst – oder etwa nicht? Kaum ein Konzept hat die Modernisierung im 20. Jahrhundert so sehr bestimmt wie die „Regelung“, ganz gleich ob in Technik, Wissenschaft oder Kultur. Den Regelungswahn und sein Pendant, die „Störung“, betrachten Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf einer fachübergreifenden Tagung vom 6. bis 8. Mai an der Ruhr-Universität (Tagungsräume in der Mensa, Bistroebene).

Gemeinsam veranstaltet vom Germanistischen Institut und vom Institut für Medienwissenschaft der RUB, richtet sich die öffentliche Tagung „Selbstläufer / Leerläufer“ an alle Interessierten. Die Medien sind herzlich willkommen.

Programm im Internet

Das ausführliche Programm steht im Internet unter
http://www.ruhr-uni-bochum.de/ifm/leerlauf.html
Alles lässt sich regeln
Die „Faszination“ der Regelung erstreckte sich im vergangenen Jahrhundert von der Ökologie und theoretischen Biologie über die Kybernetik und Systemtheorie bis in zentrale Bereiche der Lebenswelt. Soziale Verbände, wirtschaftliche Prozesse, technische Systeme, individuelles Verhalten wurden ebenso als „Steuerungsphänomene“ beschrieben wie Kunst, Massenmedien und die Gesellschaft selbst. Was in der Wissenschaft seitdem unter Begriffe wie Selbstorganisation, Autopoiesis, Eigendynamik oder Selbstreferenz fiel, geht theoretisch wie faktisch immer weniger auf. An den Rändern vermeintlich effizienter Organisationen zeichnen sich Störungen, Grenzfälle, Krisen und Prozesse des Scheiterns ab.

Von schrägen Vögeln und Maschinen mit Freizeit

An diesem Punkt setzt die Tagung an. Exemplarisch vergleichen Wissenschaftler Selbstläufer und Leerläufer – so gibt es beispielsweise Vorträge zu „Spekulationen über die Freizeit der Maschinen“ („Im Leerlauf“), zu „Phantasien der Automatisierung um 1960“ („Freiheit statt Freizeit“); es geht um „Regel und Zufall in der zeitgenössischen Kunst“ („Immer über dasselbe stolpern“), um „entgleitende Regulation“ („Politische Ökologie im 20. Jahrhundert“) und um „schräge Vögel“ („Das Rauschen in der Ornithologie“). Nicht nur Germanisten und Medienwissenschaftler, sondern auch Historiker, Psychologen, Soziologen und Ökonomen kommen zu Wort und zeigen auf, dass „Störung“ nicht unbedingt ein Defizit oder Versagen sein muss. „Auch Effizienz kann zur Störung werden“, so der Bochumer Medienwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Rieger.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Stefan Rieger, Institut für Medienwissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-24764, E-Mail: stefan.rieger@rub.de

Prof. Dr. Manfred Schneider, Germanistisches Institut der RUB, Tel. 0234/32-22570, E-Mail: manfred.schneider@rub.de

Redaktion: Jens Wylkop

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Dr. Josef König idw

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