Optimierung der Arzneimitteltherapie durch die Chronopharmakologie

Bereits zum zehnten Mal lädt Professor Dr. med. Dr. h.c. Björn Lemmer internationale Wissenschaftler nach Mannheim zu einem siebentägigen Kurs zur Chronopharmakologie ein.

Auch nach seiner Emeritierung führt der ehemalige Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie die Tradition dieses Kurses fort. Schließlich ist auch sein Interesse an der Forschung auf diesem Gebiet ungebrochen.

Worum geht es bei der Chronopharmakologie? Die Chronopharmakologie befasst sich mit der „Inneren Uhr“ des Menschen und deren Bedeutung für die Medizin und leistet damit einen Beitrag zu einer zeitgerechten Optimierung der Arzneimitteltherapie.

Ein besonderes Merkmal der Natur ist ihre rhythmische Ordnung, die sich tagtäglich etwa durch den Wechsel von Licht und Dunkel äußert. Auch das soziale Leben des Menschen ist in der Regel durch einen 24-Stunden-Rhythmus geprägt. Es gibt aber zyklische Abläufe die unabhängig von äußeren Zeitgebern, wie dem Tag-Nacht-Wechsel, sind. Diese endogenen Rhythmen (so genannte circadiane Rhythmen; lat. circa = etwa, dies = Tag) werden durch Innere Uhren (biologische Uhren) vorgegeben. Die Inneren Uhren wiederum werden durch die rhythmische Expression von „Uhrengenen“ gesteuert. Biologische Rhythmen lassen sich auf allen Ebenen nachweisen: in Funktionen des Zentralen Nervensystems, der Lungen- und Magen-Darm-Funktionen, des Blutdrucks und selbst auf der Ebene der Rezeptoren und der Genexpression.

Die Chronopharmakologie ist der jüngste Zweig einer Forschungsrichtung, die diese Phänomene untersucht. Sie erforscht das Verhalten von Arzneistoffen im Körper sowie die Wirkungen von Arzneimitteln (Pharmakodynamik) unter dem Aspekt der zeitlichen Strukturierung des Organismus und zieht daraus Folgerungen für die Arzneimitteltherapie. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass die die Pharmakokinetik – die Prozesse, denen ein Arzneistoff im Körper unterliegt – bestimmenden Körperfunktionen biologischen Rhythmen folgen. Der Faktor Tageszeit spielt daher eine zunehmende Rolle in der Arzneimitteltherapie. So lassen sich für einige Erkrankungen bevorzugte Tageszeitpunkte der Einnahme von Arzneimitteln angeben. Diese hängen von der tageszeitlich unterschiedlichen Empfindlichkeit der Zielorgane auf Arzneimittel ab.

Die Dozenten und Teilnehmer – Biologen und Molekularbiologen, Mediziner, Veterinärmediziner und Pharmazeuten – reisen aus verschiedenen Teilen der Welt an, um an dem Kurs von Professor Lemmer teilzunehmen. Neben den internationalen Wissenschaftlern finden sich im Auditorium auch Studierende der Medizin, denn der Kurs wird ihnen als Wahlfach angeboten und ist außerdem Teil des Junior Scientific Master Class Programms der Medizinischen Fakultät Mannheim.

Xth International Course on Chronopharmacology
vom 27.07. bis 04.08.2009
Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie
Universitätsmedizin Mannheim
Maybachstraße 14, 68169 Mannheim

Media Contact

Dr. Eva Maria Wellnitz idw

Weitere Informationen:

http://www.chronopharmacology.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Vorstoß bei Entwicklung proteinbasierter Wirkstoffe gegen Immunerkrankungen

Max-Planck-Forscher erzielen Durchbruch mithilfe von computerbasiertem Proteindesign. Proteine übernehmen im menschlichen Körper zahlreiche Stoffwechselfunktionen. Ihre spezifischen Aufgaben bestimmen sich durch ihre räumliche Molekülstruktur, deren Architektur anhand kompakter Faltungen ein genetischer…

Lichtenergie zur Herstellung kleiner Molekülringe

Chemikern um Prof. Dr. Frank Glorius von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ist es gelungen, neue medizinisch relevante kleine Molekülringe herzustellen. Diese Moleküle sind schwierig zu synthetisieren, weil sie besonders empfindlich…

Ein potenzieller Jungbrunnen für das Immunsystem

Im Alter nimmt die Leistung der Immunabwehr ab, ältere Menschen sind anfälliger für Infektionen. Forschungsteams aus Würzburg und Freiburg haben jetzt einen Ansatz entdeckt, über den sich dieser Prozess bremsen…

Partner & Förderer