Lesen und Lernen vor 300 Jahren

Eine „aufrichtige Hand“ und ein „treues Auge“ – das sei alles, was ein Gelehrter braucht, wenn er das abbilden will, was er unter einem Mikroskop sieht, meinte der Universalgelehrte Robert Hooke.

Der Engländer hatte im späten 17. Jahrhundert ein großes Werk verfasst, in dem er verschiedenste Dinge in Vergrößerung abbildete. So umfassten seine „Micrographia“ Zeichnungen Fliegenaugen, Nadelspitzen oder etwa Kristalle aus gefrorenem Urin. In ganz Europa erlebte die Wissenschaft eine Blüte, die zu einem großen Teil zur Wissenschaftsgesellschaft beigetragen hat, wie sie heute vorliegt.

Während eines Workshops am 1. und 2. März im Ernst-Haeckel-Haus der Friedrich-Schiller-Universität Jena widmen sich 15 Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, England und Norwegen Hookes Motto. Sie nehmen dabei – unter dem Titel „Sincere hand and the faithful eye: Kognitive Praktiken in naturwissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Texten des 17. und 18. Jahrhunderts“ – diese Zeit des Aufbruchs und vor allem die dabei entstandenen Schriften genauer unter die Lupe.

„Ein wichtiger Grund für diesen Aufschwung in der Wissenschaft sind die neuen Möglichkeiten der Publikation“, erklärt Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach vom Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Das Papier löste das teurere Pergament ab, Schriften waren erschwinglicher und konnten in viel größerer Zahl verbreitet werden.“ Die Zahl der Menschen, die des Lesens und Schreibens kundig waren, habe rapide zugenommen, ergänzt der Wissenschaftshistoriker, der gemeinsam mit Dr. Jutta Heinz vom Institut für Germanistische Literaturwissenschaft der Universität Jena und Dr. Jens Loescher von der Freien Universität Berlin die Veranstaltung organisiert hat. Unterstützt wird die Tagung durch die Fritz Thyssen Stiftung.

Was geht eigentlich in unserem Kopf vor, wenn wir einen Text lesen oder schreiben? Wie verarbeiten wir Illustrationen zu Texten, speziell im wissenschaftlichen Bereich, und welche Darstellungsmittel entwickeln sich? Den Antworten aus dem 17. und 18. Jahrhundert auf diese Fragen wollen die Wissenschaftshistoriker, Psychologen und Literaturwissenschaftler während des Treffens an der Universität Jena nachgehen. „Wir wollen vor allem ergründen, wie die Menschen damals Erkenntnisse aus der Wissenschaft dargestellt, transportiert und rezipiert haben“, erklärt die Literaturwissenschaftlerin Jutta Heinz. „Dabei betrachten wir das Verhältnis von ,aufrichtiger Hand‘ und ,treuem Auge‘ in wissenschaftlicher Literatur, Lehrbüchern und literarischen Texten.“ Das bunte Teilnehmerfeld garantiere dabei eine interdisziplinäre Diskussion.

Die Tagung „,Sincere hand and faithful eye‘: Kognitive Praktiken in naturwissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Texten des 17. und 18. Jahrhunderts“ findet am 1. und 2. März im Ernst-Haeckel-Haus der Universität Jena (Berggasse 7) statt, sie beginnt am Donnerstag um 9.15 Uhr. Die interessierte Öffentlichkeit ist willkommen.

Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach
Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik der Universität Jena
Berggasse 7, 07745 Jena
Tel.: 03641 / 949500
E-Mail: Olaf.Breidbach[at]uni-jena.de

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