Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

Kalikokrebse können in Kleingewässern hohe Dichten aufbauen. Foto: Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Die Bestände des hochinvasiven Kalikokrebses in Kleingewässern am Oberrhein nachhaltig zu reduzieren, ist Ziel des Forschungsprojekts „Management des invasiven Kalikokrebses zum Schutz von Amphibien und Libellen in Kleingewässern“ am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Biologen des Instituts entwickeln nachhaltige Maßnahmen, um Amphibien wie Kleinfische und Libellen langfristig zu schützen sowie Konzepte zur Anlage von Kleingewässern zu entwickeln, die vor der Besiedelung durch den Kalikokrebs geschützt sind.

Im Rahmen dieses von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg geförderten Projektes veranstaltet das Institut am Freitag, 7. Dezember, von 9.30 bis 16.30 Uhr die erste Fachtagung zu dieser hochinvasiven Tierart.

Inhaltliche Schwerpunkte sind die Biologie des Kalikokrebses, die Auswirkungen der Tierart auf Lebewesen in Kleingewässern sowie Chancen für das Management der Tierart. Auf dem Programm stehen Vorträge von zahlreichen Fachreferenten, die Impulse setzen für fachlichen Austausch und Anregungen geben für die Naturschutzarbeit.

Erstmals in den Blick genommen werden die bioethischen Aspekte des Managements von Flusskrebsen. Zielgruppe der Fachtagung sind vor allem Vertreterinnen und Vertreter aus den Bereichen Naturschutz, Amphibienschutz, Libellenschutz, Fischerei, Binnengewässerwissenschaft und Landschaftsplanung sowie Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen und Fachverwaltungen.

Die Teilnahme ist gebührenfrei. Anmeldungen sind bis 4. Dezember möglich – per Mail an kaliko@ph-karlsruhe.de. Weitere Informationen auf http://www.ph-karlsruhe.de/kaliko

Zum Programm der Fachtagung

Acht Vorträge stehen auf dem Programm der Fachtagung. Nach einem Grußwort von Dr. Andre Baumann, Staatssekretär des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, geht Dr. Stefan Nehring vom Bundesamt für Naturschutz auf die Frage ein, ob Recht und Gesetz invasive Arten stoppen können.

Einen Faktencheck zum „Killerkrebs“ liefert Dr. Christoph Chucoll (Eco Surv) und über den Kalikokrebs als Überträger der Krebspest informiert Dr. Anne Schrimpf von der Universität Koblenz-Landau.

Prof. Dr. Andreas Martens, Leiter des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, spricht über die Biologie und aktuelle Aubreitung des Kalikokrebses sowie über Fehlschläge und Erfolge beim Management.

Fallstudien zum Einfluss des Kalikokrebses auf die Tierwelt in Kleingewässern stellt Andreas Stephan, Mitarbeiter des Forschungsprojekts am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung, vor und sein Kollege Alexander Herrmann informiert zur Phänologie der Überlandwanderung des Kalikokrebses. Thema des Vortrags von Prof. Dr. Klaus Peter Rippe, Philosoph und Rektor der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, sind „Bioethische Aspekte des Managements von Flusskrebsen und anderen Neobiota“.

Über das Forschungsprojekt

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Management des invasiven Kalikokrebses zum Schutz von Amphibien und Libellen in Kleingewässern“, das von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg aus Erträgen der Glücksspirale mit rund 110.000 Euro gefördert wird, entwickeln Wissenschaftler der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe nachhaltige Managementmaßnahmen, um die Bestände des Kalikokrebses zu reduzieren. Auch das Regierungspräsidium Karlsruhe ist mit dem Referat 56 Naturschutz und Landschaftspflege fachlich eingebunden und unterstützt die Arbeit der Biologen.

Hintergrundinformationen zum Kalikokrebs

Der aus Nordamerika stammende Kalikokrebs (Faxonius immunis) hat sich am Oberrhein seit 1993 dramatisch ausgebreitet. Anders als der Kamberkrebs, der Signalkrebs, der Rote Amerikanische Sumpfkrebs und der Marmorkrebs steht der Kalikokrebs bisher nicht auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten.

Kalikokrebse können in Kleingewässern hohe Dichten aufbauen und sind damit eine besondere Bedrohung für gefährdete Amphibien und Libellenarten. Kalikokrebse erreichen eine Gesamtlänge von circa 8 bis 9 Zentimetern. Mit etwa 5 Zentimetern werden sie geschlechtsreif. Unter unseren klimatischen Bedingungen schlüpft die Brut im späten Frühjahr, zumindest ein Teil der Krebse kann bereits im ersten Jahr geschlechtsreif werden. Mit bis zu 495 Eiern pro Weibchen (Durchschnitt: 150) haben Kalikokrebse eine hohe Fortpflanzungsrate und können Massenbestände mit 45 Krebsen pro Quadratmeter Wasserfläche entwickeln.

Kalikokrebse gehen über Land und besiedeln so auch isolierte Gewässer, im Frühjahr wandern selbst die Eier tragenden Weibchen. Der Kalikokrebs überträgt – wie alle amerikanischen Flusskrebs-Arten – den Erreger der Krebspest, ohne daran selbst unter normalen Bedingungen ernsthaft zu erkranken. Werden einheimische Flusskrebse damit infiziert, ist ein dramatisches Sterben vorprogrammiert. Darüber hinaus ist der Kalikokrebs gegenüber anderen bei uns vorkommenden Flusskrebs-Arten ziemlich aggressiv. Kalikokrebse dürfen daher auf keinen Fall weiterverbreitet werden. Insbesondere sollten sie nicht in Gartenteiche eingesetzt werden, denn von dort können sie leicht entkommen.

Über die Pädagogische Hochschule Karlsruhe

Die Pädagogische Hochschule Karlsruhe ist eine bildungswissenschaftliche Hochschule mit Promotions- und Habilitationsrecht. Sie kombiniert in besonderer Weise eine fundierte Grund-bildung für Lehrerinnen und Lehrer verschiedener Schulstufen, Basisqualifikationen für Menschen, die in anderen Bildungsbereichen tätig sein möchten, sowie professionelle Weiterbildungs- und Dienstleistungsangebote mit Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau. Ihre thematischen Schwerpunkte sind „MINT in einer Kultur der Nachhaltigkeit“, „Mehr sprachliche Bildung und Bilinguales Lehren und Lernen/CLIL“ und „Bildungsgerechtigkeit im Kontext von gesellschaftlicher Vielfalt und Ungleichheit“. Diese Profilfelder werden durch die zwei Querschnittsthemen „digitale Bildung“ und „Professionalisierung“ komplementiert. Mit rund 3600 Studierenden und 180 in der Wissenschaft tätigen Mitarbeitenden zeichnet die Hochschule ein hohes Niveau in Forschung und Lehre aus. http://www.ph-karlsruhe.de

Prof. Dr. Andreas Martens, Leiter des Instituts für Biologie und Schulgartenentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe: andreas.martens@ph-karlsruhe.de

http://www.ph-karlsruhe.de/kaliko

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