Internationale Serienforscher auf der Spur des Quality TV – Konferenz in Saarbrücken

Diesen Fragen gehen Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen am 7. und 8. November in Saarbrücken auf den Grund. „Quality TV – Zwischen Laudatio und In Memoriam“, so der Titel der Konferenz, die der Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft von Christiane Solte-Gresser und der Lehrstuhl für Englische Sprachwissenschaft von Stefan Diemer veranstalten.

Bereits zum zweiten Mal wird Saarbrücken zum Treffpunkt internationaler Experten zum Quality TV.
„Quality TV – Zwischen Laudatio und In Memoriam“, 7. und 8. November, in den Räumen der Volkshochschule Saarbrücken im Alten Rathaus (Schlossplatz).

Programm und weitere Informationen http://www.uni-saarland.de/serial-narration
Interessierte Gäste und Zuhörer sind herzlich willkommen!

Sind seltene Highlights wie The Sopranos, The Wire, Mad Men oder Breaking Bad alles, was das Fernsehen an Qualität zu bieten hat? Oder zählen auch die Simpsons zum Reigen der Hochkaräter? Im Rahmen einer Konferenz in Saarbrücken werden Wissenschaftler das Phänomen Quality TV aus literatur- und filmwissenschaftlicher, linguistischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive hinterfragen.

„Es geht uns darum, auszuloten, ob die Ausweitung des Begriffs zu einem Höhepunkt des Quality TV führt, oder ob sie seinen Niedergang markiert“, erklärt Literaturwissenschaftler Jonas Nesselhauf, der gemeinsam mit Markus Schleich die bereits zweite Quality TV-Konferenz in Saarbrücken veranstaltet.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Christiane Solte-Gresser leiten das Forschungsprojekt „Serial Narration on Television“, bei dem sich alles um die literatur- und filmwissenschaftliche Analyse von Fernsehserien dreht.

Auch das gute Serien-Ende wird Thema der Diskussionen und Vorträge der ausgewiesenen Experten und Nachwuchsforscher sein. „Die Spannbreite der Serien-Finale ist breit und reicht von abrupt mit schwarzem Bildschirm wie bei den Sopranos bis zum komplex durchkomponierten Höhepunkt, bei dem alle gesponnenen Fäden zusammenlaufen“, schildert Nesselhauf.

Mit dem „guten Ende“ haben sich die Saarbrücker Literaturwissenschaftler in ihrer Forschung verstärkt beschäftigt. „Verblüfft hat uns nicht zuletzt die heftige Reaktion der Zuschauer, die sehr emotionsgeladen sein kann, wenn das Ende nicht den Erwartungen entspricht“, ergänzt Markus Schleich. Nicht wenige hätten in den USA auf ihre Fernseher eingeschlagen, weil sie dachten, das Gerät habe just beim Höhepunkt der Sopranos den Geist aufgegeben. „Nach dem Ende von How I Met Your Mother wütete im Internet ein Sturm der Entrüstung“, fügt Nesselhauf an.

Die Sprache haben Professor Stefan Diemer, Marie-Louise Brunner und ihr Team an der Saar-Uni als Schlüssel zum Serien-Erfolg ausgemacht. Ihre Ergebnisse werden sie beim linguistischen Schwerpunkt der Tagung vorstellen. Die Sprachwissenschaftler sezieren die Sprache der Fernsehserien und gehen den Dialogen von Profilern und Agenten auf den Grund. Insbesondere Krimis kommen auf ihren Seziertisch.

Sie sind spezialisiert darauf, wie Gespräche funktionieren, wie Themen eingeführt, gewechselt oder Signalwörter, Pausen oder Lachen eingesetzt werden. Eines ihrer Fachgebiete ist die forensische Linguistik, die Sprecher oder Schreiber anhand ihrer Sprache auf die Schliche kommt. „Wer schreibt oder spricht, hinterlässt einen sprachlichen Fingerabdruck, den wir mit unseren Methoden zuordnen können“, erklärt Diemer.

Die Sprachforscher werten die Texte der Serien aus, zählen Wörter, erfassen Satzlänge und -aufbau, stellen grafisch dar, wer wie lange redet, wie oft welches Wort vorkommt, suchen Schlüsselsätze und -wörter und zerlegen den Text grammatikalisch. So erkennen sie Muster und Profile. „Allein anhand der 50 häufigsten Wörter können wir einen Serienhelden oder Autor identifizieren.

Bei einigen genügen weniger. Die Sprache der Serien ist voller Klischees“, erläutert Brunner und fügt Mafioso Tony Soprano und seine Flüche in den Sopranos an. „Die Sprache spielt eine entscheidende Rolle beim Quality TV“, erklärt sie. „Wir können ganz klare Qualitätskriterien rund um die Sprache herausarbeiten, von Wortwahl, typischen Redensarten, Gesprächsstruktur bis hin zu überraschenden Mustern. Quality-Serien enthalten etwa weit mehr Text. Die Schauspieler schaffen es kaum, so viel in kurzer Zeit umzusetzen“, sagt Diemer.

Die Erkenntnisse können helfen, Serienhelden realistischer zu machen. Andere Sprachforscher untersuchen in ihren Vorträgen die Rolle von amerikanischem Slang und die Wirkung sprachlicher Tabubrüche oder demonstrieren, dass man The Big Bang Theory als Linguist ganz anders sieht.

Kontakt:
Markus Schleich (markus.schleich@uni-saarland.de)
Jonas Nesselhauf (mail@jonasnesselhauf.de)
Solange Landau (s.landau@mx.uni-saarland.de)
Telefon: 0681 302-2825

Professor Dr. Stefan Diemer Tel.: 0681 302-3309, -3009,
E-Mail: s.diemer@mx.uni-saarland.de

http://www.uni-saarland.de/serial-narration

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