Hochwasser, Verschmutzung: Gewässerbiologen diskutieren aktuelle Herausforderungen

Deutschland hat gerade die größte Hochwasser-Katastrophe der letzten Jahrzehnte erlebt, das Thema ist somit hochaktuell: Unter dem Motto „Für Natur und Gesellschaft“ treffen sich vom 1. bis zum 5. Juli rund 500 Wissenschaftler zum „Symposium for European Freshwater Sciences“ (SEFS) an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).

Die Gewässerbiologen, wissenschaftlich Limnologen genannt, und Experten benachbarter Disziplinen beschäftigen sich unter anderem mit den ökologischen Folgen sogenannter Abflussextreme wie Niedrig- und Hochwasser. Diese treten im Zuge des Klimawandels – und verschärft durch menschliche Eingriffe an Gewässern – verstärkt auf.

„Wir führen die neuesten Forschungsergebnisse aus verschiedenen Disziplinen zusammen. So tragen wir auch in Deutschland zu innovativen Lösungen für ein nachhaltiges Gewässermanagement bei. Gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen und umweltpolitischen Herausforderungen sind wissensbasierte, präventive Maßnahmen von enormer Bedeutung“, betont Gewässerbiologin Prof. Dr. Elisabeth Meyer, die das Symposium als Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Limnologie und Leiterin der Abteilung für Limnologie am Institut für Evolution und Biodiversität der WWU organisiert. Das Expertentreffen findet alle zwei Jahre statt. Nun treffen sich die Wissenschaftler zum ersten Mal in Deutschland. Die Teilnehmer aus fast 40 Ländern diskutieren in rund 320 Vorträgen und 120 Posterpräsentationen ihre Forschungsergebnisse.

„Flüsse sind sehr dynamische Ökosysteme und brauchen bekanntermaßen Raum zur Ausweitung. Gewässerbegleitende Überflutungsflächen entlasten nicht nur die unterhalb gelegenen Flussabschnitte und vermindern dadurch die Intensität der Hochwasser, sondern halten auch Schweb- und Nährstoffe zurück. Dies ist Voraussetzung für die Entwicklung artenreicher Lebensräume. Die Organismen dieser Lebensräume wiederum tragen wesentlich zur Reinhaltung des Oberflächen- und Grundwassers bei“, erläutert Elisabeth Meyer. „Dies sind einige von vielen Beispielen für 'Dienstleistungen' der Natur, von denen der Mensch profitiert.“

Die Organismen sind jedoch auf natürliche Verhältnisse angewiesen und somit auf Renaturierungsmaßnahmen und eine nachhaltige Bewirtschaftung. „Wir ziehen eine EU-weite Zwischenbilanz über Renaturierungsvorhaben und Wiederanbindung von Auen“, legt Elisabeth Meyer dar. Dank der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie stünden heutzutage methodische Werkzeuge für viel differenziertere Bewertungsansätze zur Verfügung als noch vor zehn Jahren. Diese Ansätze seien als Grundlage für ein nachhaltiges Management von Gewässern nicht mehr wegzudenken.

Die Eigenschaften der in den Gewässern lebenden Organismen-Arten sind ein weiterer Themenschwerpunkt. Moderne Methoden in der Ökologie und Evolutionsbiologie haben viel zum Verständnis von Ursprung, Ausbreitung und Koevolution der Arten beigetragen sowie zur Kenntnis der Abläufe in den Lebensräumen.

Die Verbindung klassischer und moderner Methoden sowie die Integration von Biologie, Hydrochemie und -physik ermöglichen neue Einsichten in das Verhalten von Fremdstoffen in Gewässern und in die Reaktionen von Organismen auf Stressfaktoren in der Umwelt – ein weiterer Tagungsschwerpunkt. Beispiele für Stressfaktoren sind auf das Hormonsystem wirkende Stoffe („Umwelthormone“), Stoffe mit bestimmten chemisch-physikalischen Eigenschaften wie Silber-Nanopartikel, aber auch die Gewässererwärmung und -austrocknung, Konkurrenz, Parasitismus und invasive Arten. „Mehr und mehr verstehen wir die vielschichtigen Wechselwirkungen – und was Biodiversität ausmacht „, erklärt Elisabeth Meyer.

Die Konferenzteilnehmer erhalten auf verschiedenen Exkursionen auch Einblick in ökologisch nachhaltige Maßnahmen in der Region – unter anderem zum größten Fluss-Renaturierungsprojekt Europas, dem Emscher-Umbau. Weitere Exkursionsziele sind die Rieselfelder in Münster, die Quellen im Münsterland, die Mittelgebirgsbäche im Arnsberger Wald und die verschiedenen Renaturierungsstadien an den großen Tieflandflüssen Ems und Lippe.

Media Contact

Dr. Christina Heimken idw

Weitere Informationen:

http://www.sefs2013.de/

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