Neuer Job für Erkältungsviren – Einsatz in der Tumortherapie und bei der Entwicklung neuer Impfstoffe

Diese Viren-Familie verursacht bei Menschen vor allem Erkrankungen der Atemwege – Forscher wollen sie für die Tumortherapie und die Entwicklung neuer Impfstoffe nutzen.

Das Grundprinzip des Virus ist, sich in einer Zelle einzunisten und sie dazu anzuregen, weitere Viren zu produzieren – selbst vermehren können sich Viren nämlich nicht. Das Ergebnis ist bei den Adenoviren dann z.B. eine Erkältung. Die Fähigkeit der Viren, sich in fremde Zellen einzunisten, nutzen Wissenschaftler, um bestimmte Erkrankungen ursächlich zu behandeln (somatische Gentherapie) oder, im Falle von Infektionskrankheiten, zu verhindern (Impfstoffentwicklung).

Bei der Entwicklung von Impfstoffen werden die Viren, ähnlich einem trojanischen Pferd, als Transportmittel genutzt. Sie sind so in ihrer Funktion abgeschwächt, dass sie Erkältungskrankheiten nicht mehr verursachen können. Diese abgeschwächten Adenoviren, auch „Vektoren“ oder „Gen-Fähren“ genannt, tragen beispielsweise ein kleines Stück der genetischen Information des HI-Virus mit sich, dem Erreger der Immunschwäche Aids. Sie transportieren es direkt in die Zellen im Körper, die für unser Abwehrsystem zuständig sind. Diese entwickeln eine Abwehrstrategie gegen die Aids-Erreger und merken sich das Muster des „Angreifers“. Wenn später tatsächlich echte Aids-Viren in den Körper gelangen, kann der Körper sie sofort gezielt bekämpfen – dies zumindest ist die Hoffnung.

Ein weiteres mögliches Einsatz-Gebiet der Adenoviren ist die Gentherapie. Sie könnte beispielsweise bei der Behandlung von Tumoren helfen. Wissenschaftler entwickeln bestimmte Sorten von Adenoviren, die sich spezifisch in Tumorzellen einnisten und dort vermehren. Das Virus könnte dann z.B. bestimmte Gene in die Tumorzelle transportieren, die das Abwehrsystem des Körpers stärken.

Auch angeborene Krankheiten könnten mit Hilfe der Gentherapie möglicherweise besser behandelt werden: Bei Menschen mit Blutgerinnungsstörungen (Hämophilie) fehlt den Leberzellen wegen eines genetischen Defekts die Fähigkeit, einen bestimmten Blutgerinnungsstoff zu produzieren. Schleust man ein funktionstüchtiges Gen in die Leberzellen ein und befähigt sie so wieder, das Protein selbst zu bilden, könnten die Betroffenen vielleicht eines Tages auf die bisher nötigen wöchentlichen Spritzen verzichten. Als „Gen-Fähre“, also als Transportmittel, könnten speziell entwickelte Adenoviren zum Einsatz kommen.

Die Adenoviren sind deshalb so gut geeignet, weil ihr Einsatz nach bisherigen Erkenntnissen im Vergleich zu anderen Viren wenig Nebenwirkungen hervorruft und weil sie leicht in großen Mengen zu produzieren sind – eine wichtige Voraussetzung für den klinischen Einsatz.

Verschiedene Behandlungsmethoden, sowohl zur Gentherapie als auch zu genetischen Impfverfahren, werden bereits in klinischen Studien getestet. In China sind erste Produkte schon zugelassen, in Europa und den USA werden bis zu einer möglichen Zulassung noch mehrere Jahre weiterer Forschung erforderlich sein. Die Tagung findet auf Einladung und unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Kochanek statt, dem Leiter der Sektion Gentherapie am Universitätsklinikum Ulm.

Gerne helfen wir Ihnen bei weiteren Recherchen und vermitteln den Kontakt zu unseren Experten. Das Programm der Veranstaltung finden Sie im unten angegebenen Link.

Petra Schultze
Universitätsklinikum Ulm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Einstein-Allee 29
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