V-Modell XT: Standard für die Entwicklung von IT-Systemen

Bedeutung wächst in Behörden und Unternehmen 2. Jahreskongress an der TU München

Der Standard für die Entwicklung von IT-Systemen des Bundes – das V- Modell XT – setzt sich durch. Neben dem Bundesministerium des Innern schreibt auch die Landesregierung in Bayern das V-Modell bei der Entwicklung von IT-Projekten verbindlich vor. In Pilotprojekten testeten Industrie und Behörden 15 Monate lang das Vorgehensmodell. Aus diesen Erfahrungen entstand das V-Modell® XT Release 1.2, das noch stärker auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten ist. Am 24.4.2006 diskutieren Entwickler und Anwender auf dem 2. Jahreskongress über Erfahrungen und Perspektiven.

Das V-Modell XT ist in Behörden und Unternehmen eine Richtschnur für die Organisation und Durchführung von IT-Vorhaben und wurde im Februar 2005 eingeführt. Seither untersuchten Behörden und Unternehmen in neun Pilotprojekten mit Unternehmen und Behörden die Qualität und Handhabbarkeit des IT-Standards. „Die Erfahrungen aus den Pilotprojekten flossen unmittelbar in die Weiterentwicklung des V- Modells XT ein. 700 Anpassungen wurden insgesamt vorgenommen, darunter viele Erweiterungen in den Projektdurchführungsstrategien“, sagt Manfred Broy, Informatik-Professor an der TU München. So unterstützt das V-Modell XT Release 1.2 jetzt Inhouse-Projekte, wenn Auftraggeber und Auftragnehmer zur gleichen Firma oder Behörde gehören. Ein weiteres Feature ist die mögliche Aufteilung von Projektanteilen auf mehrere Auftragnehmer. Das Multiprojektmanagement ist eines der Ergebnisse aus den Pilotprojekten mit der Bundeswehr (ITAmt Bw).

Weitere Pilotprojekte fanden mit dem Bundesministerium des Innern, Bundesministerium der Verteidigung, Funkwerk Dabendorf, Lufthansa Systems, Witt-Weiden und Siemens statt. Mit WiBe 4.0 entstand die erste mittels V-Modell XT entwickelte Software zu Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen, die vom Bundesministerium des Innern in Auftrag gegeben wurde. Behördenintern soll diese Software Projekte der öffentlichen Hand hinsichtlich ihrer Finanzierbarkeit prüfen.

Im Pilotprojekt mit Witt-Weiden wurde das V-Modell XT auf die IT- Belange des Versandhandels angepasst. „Es hat sich gezeigt, dass das V-Modell sehr flexibel in der Anpassung ist. So konnten problemlos neue Projekttypen eingeführt werden wie Systembetreuungsprojekte, die beim Einkauf neuer Hardware von Nutzen sind“, sagt Andreas Rausch, Juniorprofessor an der TU Kaiserslautern. Weitere Pilotprojekte mit der öffentlichen Hand und Unternehmen wie MID Enterprise Software Solutions GmbH werden folgen. Damit soll die Qualität des V-Modells weiter ausgebaut werden. „Eine der großen Stärken des V-Modells XT ist seine Betonung der frühen Projektphasen, in denen die Anforderungen für das neue System festgelegt werden. Das implementierte systematische Anforderungsmanagement nimmt Auftraggeber und Auftragnehmer gleichermaßen in die Pflicht. Dies ist ganz entscheidend für den Erfolg von Systementwicklungsprojekten sowie für die Reproduzierbarkeit dieses Erfolgs“, so Reinhold Achatz, Leiter der Forschungsabteilung Software & Engineering bei Siemens Corporate Technology.

Behörden setzen auf das V-Modell XT

Seit der Einführung des V-Modells XT wächst die Bedeutung des Vorgehensmodells zunehmend und der Verbindlichkeitsgrad zum Beispiel im öffentlichen Bereich steigt: Bereits am 4.11.2004 empfahl der Interministerielle Koordinierungsausschuss (IMKA) den Bundesbehörden bei neu zu entwickelnden Systemen das V-Modell XT zu verwenden. Für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern ist die Anwendung des V-Modells bei Projekten mit externen Auftragsvergaben seit dem 1.7.2005 per Erlass geregelt.

Auch die bayerische Staatsverwaltung entwickelt ihre IT-Projekte künftig mit dem Vorgehensmodell Bayern – das rät eine verbindliche Richtlinie für die Durchführung von IT-Projekten in Bayern. Dafür wurde das V-Modell XT (Version 1.0) an die speziellen Anforderungen der Bayerischen Staatsverwaltung angepasst.

Bereits seit einigen Monaten bietet das V-Modell-Projektteam deutschlandweit Schulungen für IT-Projektleiter an. Auch zukünftig soll die Qualität in der Anwendung sichergestellt werden. Deshalb wird eine Zertifizierungs- und Akkreditierungsregelung angestrebt. Die Idee: Zertifiziert werden Personen, die das V-Modell in Projekten anwenden (Projektleiter oder Qualitätssicherer) und akkreditiert werden Organisationen, die diese Personen zertifizieren.

Über das V-Modell XT – der Entwicklungsstandard für IT-Systeme des Bundes

Das V-Modell XT ist in Behörden und vielen Unternehmen eine Richtschnur für die Organisation und Durchführung von IT-Vorhaben. Hervorzuheben sind der Bausteincharakter, das Sichtenkonzept und die durchgängige Werkzeugunterstützung des V-Modells XT. Prof. Dr. Dr. h.c. Manfred Broy vom Institut für Informatik der TU München und J. Prof. Dr. Andreas Rausch vom Fachbereich Informatik der TU Kaiserslautern entwickelten gemeinsam mit den Industriepartnern EADS Deutschland GmbH, Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering, IABG mbH, Siemens AG und 4Soft GmbH diesen Entwicklungsstandard. Das Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr (IT-AmtBw) und die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) im Bundesministerium des Innern gaben den Auftrag mit einem Gesamtvolumen von 4 Millionen Euro. Seit der Einführung im Februar 2005 liefen Pilotprojekte mit dem Bundesministerium des Innern (WiBe), dem Bundesministerium der Verteidigung (Jasmin), dem ITAmt Bw (Saturn, Mulus), Siemens AG (Saturn), Lufthansa Systems, Funkwerk Dabendorf, Witt-Weiden und Facton sowie das TUKL-eigene Projekt RagtAs. Das V-Modell kann unter www.v-modell-xt.de kostenfrei heruntergeladen werden.

Ansprechpartner für Medien

Ursula Eschbach Technische Universität München

Weitere Informationen:

http://www.v-modell-xt.de

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