"Leuchtturm-Effekt" und Nanomagnetismus: Preisverleihungen anlässlich des 21. BESSY-Nutzerkongresses

Verleihung des Innovationspreises Synchrotronstrahlung an Dr. Ralf Röhlsberger und des Ernst-Eckhard-Koch Preises an Dr. Tobias Lau und Dr. Fabrice Wilhelm.

Im Rahmen des 21. BESSY-Nutzerkongresses ist am 5. Dezember der Ernst-Eckhard-Koch Preis für herausragende Dissertationen aus dem Bereich Synchrotronstrahlung an Tobias Lau (Universität Hamburg) und Fabrice Wilhelm (Freie Universität Berlin, ESRF Grenoble) vom Verein der Freunde und Förderer von BESSY verliehen worden. Der Rostocker Physiker Ralf Röhlsberger erhielt den Innovationspreis Synchrotronstrahlung für neuartige methodische Entwicklungen auf dem Gebiet der Bereitstellung und Nutzung von Synchrotronstrahlung. Wie der Vereinsvorsitzende Wolfgang Gudat betonte, gab es für den Europa weit ausgeschriebenen Innovationspreis zahlreiche Bewerbungen.

Röhlsberger wurde für seine Bahn brechenden Arbeiten in der kernresonanten Absorption von Synchrotronstrahlung ausgezeichnet. Bei seiner als „Nuklearer Leuchtturm-Effekt“ bekannt gewordenen Methode rotiert die zu vermessende Probe mit bis zu 35,000 Umdrehungen pro Minute. Die einfallende Röntgenstrahlung wird nicht in Vorwärtsrichtung, sondern in Abhängigkeit von der Lebensdauer der angeregten Kernniveaus und der Rotationsgeschwindigkeit der Probe um einen Winkel gedreht wieder abgestrahlt – ähnlich wie bei dem Licht eines Leuchtturms. Dadurch können neue spektroskopische Untersuchungen beispielsweise an magnetischen Werkstoffen mit außerordentlicher Präzision gemessen werden, ohne dass die Synchrotronstrahlungsquelle in einem bestimmten Modus (Single-Bunch-Modus) betrieben werden muss. Der Leuchtturm-Effekt ist aber nur ein prominenter Teil der Arbeiten Röhlsbergers. In seiner Laudation sprach der Paderborner Physiker Gerhard Wortmann von „ungewöhnlich erfolgreichen Arbeiten, die neue und elegante Experimente mit Synchrotronstrahlung ermöglichen“.

Den diesjährigen Ernst-Eckhard-Koch Preis teilen sich Tobias Lau und Fabrice Wilhelm für ihre Arbeiten über den Ursprung des Magnetismus von Clustern aus wenigen Atomen bzw. über die Eigenschaften dünner magnetischer Schichtsysteme unter Verwendung des magnetischen Zirkulardichroismus. Der Hamburger Physiker konnte erstmals detaillierte Aussagen zum Magnetismus von deponierten Eisenclustern in Abhängigkeit von der Zahl der Atome gewinnen. Wilhelm hat den induzierten Magnetismus für Grenzflächen zweier Metalle, wie zum Beispiel Nickel/Platin, in der Größenordnung von wenigen Atomlagen untersucht. Beide Arbeiten sind für die Weiterentwicklung magnetischer Speicher von Bedeutung.

Mit dem Ernst-Eckhard-Koch Preis will der Verein der Freunde und Förderer von BESSY die während der Promotion erbrachte Forschungsarbeit junger Wissenschaftler unter Nutzung von Synchrotronstrahlung anerkennen und fördern. Der Preis wurde zum 13. Mal verliehen. Er erinnert an den Physiker Ernst Eckhard Koch, der als ehemaliger wissenschaftlicher Geschäftsführer von BESSY die Entwicklung der Synchrotronstrahlung als vielseitiges Werkzeug für die naturwissenschaftliche Forschung national und international beeinflusst und gefördert hat.

Der zum zweiten Mal verliehene Innovationspreis Synchrotronstrahlung richtet sich ausdrücklich nicht nur an Wissenschaftler, sondern auch an Ingenieure und Techniker, die sich mit der methodischen und technischen Weiterentwicklung der Nutzung von Synchrotronstrahlung beschäftigen.

Die BESSY GmbH gehört zusammen mit 79 anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Serviceeinrichtungen für die Forschung zur Leibniz-Gemeinschaft e.V. (WGL). Näheres unter: http://www.wgl.de.

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