Wunschmedizin am Beispiel Gynäkologie – spielen medizinische Indikationen künftig noch eine Rolle?

Mit dem gewählten Kongressthema „Zwischen Tradition und Moderne – Psychosomatische Frauenheilkunde im 21. Jahrhundert“ möchte die Gesellschaft eine grundlegende Einordnung ihres Fachgebietes in die moderne, technisierte Medizin vornehmen und den wichtigen Stellenwert des vertraulichen Kontaktes zwischen Arzt/Ärztin und Patientin, gerade in der Frauenheilkunde, verdeutlichen.

„Die Psychosomatische Frauenheilkunde möchte über den sogenannten Tellerrand hinausblicken und die Gynäkologie auch in ihren psychologischen Schwierigkeiten und Herausforderungen beleuchten“, beschreibt Dr. Friederike Siedentopf, Oberärztin des Brustzentrums der DRK-Frauenklinik Berlin Westend und Mitglied des Kongresspräsidiums, das Anliegen der Gesellschaft.

Die Schwerpunktthemen der DGPFG-Tagung in Berlin sind so gewählt, dass sie nicht nur fachlich-relevante Ergebnisse hervorbringen, sondern überdies Erkenntnisse, die direkten Nutzen für die Gesellschaft haben. Ein spannendes Thema wird zum Beispiel sein, dass immer mehr Eingriffe keinerlei Rechtfertigung im Sinne einer medizinischen Indikation mehr haben.

Medizin ist zu einem Markt geworden – nicht nur was Außenseitermethoden angeht, sondern auch was die „Schulmedizin“ betrifft. Schönheitsoperationen (Brustvergrößerung/-verkleinerung, Fettabsaugung, Schamlippenkorrektur) sind Beispiele, an die wir uns gewöhnt zu haben scheinen. Die Geburten von Kindern bei Frauen nach den Wechseljahren werden nur noch wahrgenommen, wenn ein neuer „Rekord“ im Alter gebrochen wird. Mit dem „Kaiserschnitt auf Wunsch“, bei dem es keinen medizinischen Grund gibt, werben mittlerweile Geburtskliniken in den sonntäglichen Anzeigen der Presse.

Rein ökonomisch gesehen gibt es kaum Einwände, da Praxen und Kliniken damit Geld verdienen können. Ethisch gesehen wird man die Autonomie der Patientin in den Vordergrund stellen, wenn man der Auffassung ist, dass eine Patientin nach adäquater Aufklärung selbst dazu befugt ist, eine Entscheidung für oder gegen eine Operation zu treffen, selbst wenn diese nicht medizinisch notwendig ist. „Psychosomatisch gesehen wird es schwieriger. Eine Schönheitsoperation kann den Versuch eines Auswegs aus einer Körperbildstörung oder einer depressiven Krise darstellen, wobei von der körperlichen Operation eine Heilung einer seelischen Wunde erwartet wird.

Auch die Erfüllung des Kinderwunsches bei einer Frau nach den Wechseljahren durchbricht eine natürliche Schranke. Die psychische Frage ist aber, was die treibende Kraft dieser Frau ist, einen Wunsch mit einer solchen Macht durchzusetzen, bei der das Wohlergehen des Kindes nicht unbedingt im Vordergrund zu stehen scheint“, gibt Prof. Dr. med. Heribert Kentenich, Chefarzt der Frauenklinik der DRK Kliniken Berlin Westend, zu bedenken.

Auch der „Kaiserschnitt auf Wunsch“ sei psychosomatisch sehr zu hinterfragen, so Kentenich, weil oft Ängste der Frau vor der vaginalen Geburt die treibende Kraft seien. „Eigentlich müsste dann eine psychologische Begleitung oder Psychotherapie für diese Frauen anstehen. Die aktuelle Medizin nimmt aber den Ausweg des Kaiserschnittes auf Wunsch an, weil dieser aufgrund seiner Planbarkeit für alle leicht zu gewährleisten ist“, beschreibt Professor Kentenich. Eine Wunschmedizin hat immer Pro und Kontra – gerade aus psychosomatischer Sicht müssen die Überlegungen im Interesse der Patientin genau abgewogen werden.

Das gesamte Kongressprogramm und weitere Informationen finden Sie unter http://www.conventus.de/dgpfg2008.

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Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH, Romy Held, Tel. 03641/3533229, presse@conventus.de

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Wolfgang Müller idw

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