7. NRW Geothermiekonferenz in Bochum

In Nordrhein-Westfalen sind mehr als 80.000 Wärmepumpen für die Beheizung von Wohnraum im Einsatz. Das sind rund 20 Prozent aller in Deutschland installierten Anlagen. Die Möglichkeiten zur Nutzung von Geothermie sind darüber hinaus noch viel weitreichender.

„Die Chancen für Geothermie in NRW sind groß. Tagtäglich wird diese Technologie genutzt und sie findet eine immer breitere Anwendung, ob über Wärmepumpen, über die direkte Nutzung oder Energiepfähle. Zudem gibt es erste Projekte zur Nutzung warmer Grubenwässer“, erläuterte Leonhard Thien vom Netzwerk Geothermie NRW zur Eröffnung der 7. NRW Geothermiekonferenz im Oktober in der Hochschule Bochum. Rund 120 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung in diesem Jahr. Bereits seit 2005 organisieren das Internationale Geothermiezentrum aus Bochum (GZB) und das Netzwerk Geothermie der EnergieAgentur.NRW gemeinsam die Fachkonferenz, um die klimaschonende Technologie weiter voranzubringen und den fachlichen Austausch zu unterstützen.

Die Landesregierung hat die Bedeutung der Geothermie in NRW fest im Blick. Klimaschutzminister Johannes Remmel: „Die Nutzung von Erdwärme wird immer wichtiger, wenn wir die Energiewende weiter beschleunigen wollen. Sie wird zum Beispiel als Erdwärmeheizung oder zur Stromerzeugung über Geothermiekraftwerke genutzt. Nordrhein-Westfalen und vor allem die Metropole Ruhr nehmen bei der Geothermie Schlüsselpositionen ein. Bisher arbeiten in dieser Branche in NRW rund 5.000 Menschen, Tendenz steigend.“

Einen Schwerpunkt der diesjährigen Geothermiekonferenz bildete das Thema Tiefe Geothermie. Für diese sind in NRW Nutzungspotenziale vorhanden. Da es sich hierbei größtenteils um trockene Gesteinsformationen in einer Tiefe von rund 5.000 Metern handelt, müssen diese mit produktivitätssteigernden Maßnahmen (Enhanced Geothermal Systems, EGS) zur Wirtschaftlichkeit geführt werden. Neben den finanziellen und technischen Aspekten der Tiefen Geothermie ging es in den Vorträgen auch um die Frage, inwieweit Geothermie städtebaulichen Aspekten genügt. Dr. Ernst Kratzsch vom Stadtbaurat der Stadt Bochum zeigte in seinem Vortrag die Vision und die Erfordernisse der „Stadt der Zukunft“ auf. Dabei betonte er entscheidenden Handlungsbedarf gerade auch im Hinblick auf die Gegenwart: „Diese Technologie nicht nur im Neubau, sondern auch flächendeckend im Bestand zu realisieren – das ist die Herausforderung.“

Die Bauprojekte der Tiefen Geothermie machen zudem eine intensive Öffentlichkeitsarbeit erforderlich, darüber waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig. Bürgerinnen und Bürger müssten ihre Fragen stellen können zum Thema Geothermie, und zwar zu einem möglichst frühen Zeitpunkt der Projektplanung. Information und Transparenz seien enorm wichtig, erklärte Udo Paschedag, Staatssekretär im NRW-Klimaschutz- und Umweltministerium. Dirk Jansen, Geschäftsleiter NRW des BUND, fügte hinzu: „Die Energiebranche muss die Öffentlichkeit noch viel mehr suchen, sie muss sich dieser bewusst aussetzen.“ Weitere Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren zudem Ingo Schäfer vom Geologischen Dienst NRW sowie Dr. Helmut Hoffmann aus dem Rhein-Sieg-Kreis. Die Moderation hatte Prof. Rolf Bracke, Direktor des GZB, übernommen.

Am Nachmittag standen Best-Practice-Beispiele der oberflächennahen Geothermie im Fokus der Konferenz. Dabei ging es um wesentlich mehr als um die separate Beheizung des klassischen Einfamilienhauses. Vorgestellt und diskutiert wurden ganz unterschiedliche größer angelegte Projekte – von dem Stadtquartier „monastere“ in Düsseldorf, wo gleichzeitig Sonnenenergie mit integriert wird, über den Neubau der Fachhochschule Bielefeld bis zur Nutzung von Abwärme aus Kanälen im Bochumer Nordwestbad. Damit zeigte sich die große Vielfalt der verschiedenen Nutzungen, die alle auch wirtschaftlich auf dem Markt bestehen können.

Ansprechpartner:
Leonhard Thien
Netzwerk Geothermie NRW
Lennershofstrasse 140, 44801 Bochum
Telefon: (02 34) 32 – 10 715
Fax: (02 34) 32 – 14 070
mailto:thien@energieagentur.nrw.de
Rückfragen der Medien an:
Pressesprecher Innovationen und Netzwerke
Uwe H. Burghardt M.A.
Telefon: (02 11) 8 66 42 – 13
EnergieAgentur.NRW, Roßstraße 92, 40476 Düsseldorf
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