Cebit 2012: Stresstest für Web-2.0-Anwendungen hilft Webentwicklern bei der Fehlersuche

Bisher jedoch fehlen Verfahren, um solche komplexen Web-2.0-Anwendungen kostengünstig und systematisch auf Fehlfunktionen und Sicherheitslücken zu untersuchen. Informatiker der Universität des Saarlandes arbeiten daher an automatischen Test-Methoden, die Webanwendungen selbstständig überprüfen. Erstmals präsentieren sie diese nun am Stand F34 in Halle 26 auf der Cebit. Die Computermesse findet vom 6. bis 10. März in Hannover statt.

„Ineffektiv und ineffizient“, nennt Valentin Dallmeier die Verfahren, mit denen bisher weltweit Web-Entwickler und verantwortliche Projektleiter versuchen, in Webanwendungen Programmierfehler und Sicherheitslücken zu entdecken. Dallmeier ist promovierter Informatiker und arbeitet am Lehrstuhl für Softwaretechnik an der Universität des Saarlandes, dessen Forschungsschwerpunkt das automatische Auffinden von Programmierfehlern ist.

Die dort entwickelten Methoden funktionieren für klassische Computerprogramme bereits sehr gut. Dallmeier und sein Kollege Martin Burger bauen darauf auf und wollen ein Software-System entwickeln, dass effizient und systematisch die Webanwendungen überprüfen soll, die unter dem Begriff Web 2.0 zusammengefasst werden.

Webanwendungen werden zentral auf einem Dienstrechner (Server) im Internet ausgeführt. Daher sind sie im Gegensatz zu herkömmlichen Programmen nicht auf dem PC oder Laptop des Anwenders installiert, der Nutzer bedient sie über einen Internet-Browser. Neue Programmiertechniken wie beispielsweise „Asynchronous JavaScript and XML“ (AJAX) haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass sich Webanwendungen genauso schnell bedienen lassen, als wären sie auf dem eigenen Rechner installiert. AJAX schafft es, die Übertragung der Datenpakete zwischen Anwender-Rechner und Server so zu organisieren, dass die dadurch bedingte Zeitverzögerung kaum mehr wahrnehmbar ist.

Daher gehen nicht nur immer mehr Anwender, sondern auch immer Unternehmen und sogar öffentliche Verwaltungen dazu über, Webanwendungen zu nutzen. Deren Qualitätssicherung hat sich jedoch nicht weiterentwickelt. „Die geschieht immer noch per Hand und verursacht dadurch nicht nur sehr hohe Kosten, sondern auch enorme Risiken für Unternehmen und die Gesellschaft“, erklärt Burger. Er verweist auf eine Meldung aus dem vergangenen Dezember, die aufdeckte, dass man durch die fehlerhafte Programmierung des Sozialen Netzwerks „Facebook“ auf geschützte, private Bilder von Anwendern zugreifen konnte.

Einen solchen Web-GAU und andere Pannen wollen Dallmeier und Burger mit der von ihnen derzeit noch zu entwickelnden Software „Webmate“ verhindern. Die Unternehmen und deren verantwortliche Webentwickler sollen dafür lediglich die Webadresse ihrer Webanwendung eingeben müssen. Danach soll das System selbstständig erkunden, wie die unterschiedlichen Komponenten der Anwendung miteinander verbunden sind und über welche Menüs, Knöpfe und sonstigen Bedienelemente die Anwender mit der Webanwendung arbeiten. Anschließend soll es Testfälle generieren und diese durchführen. Stellt es dabei fest, dass die Anwendung nicht zu der Version X eines Browsers kompatibel ist oder eine Bedienfunktion im Vergleich zu früheren Versionen der Anwendung nicht mehr vorhanden ist, soll Webmate dies sofort an den Entwickler melden. Auch wenn eine Datenbank nicht angebunden ist, ein Server nicht reagiert oder auch nur ein Link kein Ziel mehr hat, soll es den Entwickler warnen. Dieser soll die Tests dann wiederholen können.

In Zukunft sollen dann Unternehmen für diese Dienstleistung bezahlen. Die Technologie wollen die Forscher daher in einem eigenen Unternehmen vermarkten. Die Ausgründung wird in den kommenden Monaten erfolgen, eine Patentierung ist ebenfalls angestrebt. Dallmeier, der als Projektleiter vorgesehen ist, gibt sich zuversichtlich, dass man das Softwaresystem realisieren könne: „Wir haben am Lehrstuhl in den vergangenen drei Jahren die grundlegende Vorarbeit geleistet und einzelne Machbarkeitsstudien durchgeführt.“ erklärt er. Das Marktpotenzial schätzt er allein in Deutschland auf 120 Millionen Euro jährlich.

Media Contact

Thorsten Mohr Universität des Saarlandes

Weitere Informationen:

http://www.uni-saarland.de

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