Programmiert auf den Nobel-Erfolg

In diesem Jahr wird der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zu gleichen Teilen an zwei Stammzellforscher vergeben. John B. Gurdon (Gurdon Institut Cambridge, Großbritannien) und Shinya Yamanaka (Kyoto Universität, Japan) haben entscheidend zu der Erkenntnis beigetragen, dass auch ausgereifte Zellen zu Stammzell-ähnlichen Stadien umprogrammiert werden können.

Bei der Bekanntgabe der Preisträger am 8. Oktober im Karolinska-Institut in Stockholm wurde auch auf die weitreichenden Konsequenzen der Forschungsergebnisse für die Medizin hingewiesen.

Gurdon entdeckte, dass die Spezialisierung von Zellen prinzipiell umkehrbar sein müsste und nicht – wie damals angenommen – auf ewig besiegelt sei. Bei einem Experiment mit Froschzellen pflanzte der Engländer 1962 den Zellkern einer erwachsenen Darmzelle in eine kernlose, embryonale Zelle ein.
Aus dem Ei entwickelte sich eine lebensfähige Kaulquappe. Anhand dieser Klone konnte Gurdon so zeigen, dass das Erbgut erwachsener Zellen alle nötigen Informationen für die Entwicklung vom Embryo zum funktionsfähigen Organismus enthält.

Yamanakas Durchbruch fand 2006 – also über vier Jahrzehnte später – statt. Am Beispiel von erwachsenen Hautzellen zeigte der Japaner, dass die Entwicklungsuhr einer Zelle „zurückgedreht“ werden kann, wenn man vier bestimmte Gene aktiviert. Die auf diese Art und Weise entstandenen Zellen werden als induzierte, pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) bezeichnet.

Solche Zellen können mittlerweile in fast alle Zelltypen differenziert werden. Das Potenzial von Stammzellen ist zwar schon seit längerer Zeit bekannt, aber erst durch Yamanakas Arbeit kann auf die Verwendung von ethisch problematischen, embryonalen Stammzellen verzichtet werden.

Dank der Technik der Umprogrammierung steht für die Behandlung eine potenziell unbegrenzte Zahl Patienten-spezifischer Stammzellen zur Verfügung.

© laborwelt.de/ml

Ansprechpartner für Medien

© laborwelt.de/ml

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Diamanten brauchen Spannung

Diamanten faszinieren – nicht nur als Schmucksteine mit brillanten Farben, sondern auch wegen der extremen Härte des Materials. Wie genau diese besondere Variante des Kohlenstoffs tief in der Erde unter…

Die Entstehung erdähnlicher Planeten unter der Lupe

Innerhalb einer internationalen Zusammenarbeit haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ein neues Instrument namens MATISSE eingesetzt, das nun Hinweise auf einen Wirbel am inneren Rand einer planetenbildenden Scheibe…

Getreidelagerung: Naturstoffe wirksamer als chemische Insektizide

Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat die Wirksamkeit von Kieselerde und einem parasitischen Pilz als Schutz vor Schadinsekten an Getreide im Vergleich zu einem chemischen Insektizid untersucht. Gemeinsam mit Kollegen aus Pakistan…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen