Studieren über Grenzen hinweg: Nötig ist die Vermittlung ungeschriebener Gesetze

Professoren der Fachhochschulabteilungen Bocholt und Recklinghausen der Fachhochschule Gelsenkirchen haben gemeinsam mit Forschern aus Österreich, Thailand und Singapur ein Forschungsprojekt darüber abgeschlossen, wie sich deutschsprachige europäische und südostasiatische Studierende in ihrem Studienverhalten unterscheiden und wie deutsche Hochschulen das auffangen können, damit „Cross Cultural Learning“ nicht zu einer Bremse für den Studienerfolg wird. Vor allem in der Bereitschaft, die eigenen Professoren zu kritisieren, zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Europa und Asien.

Der Hörsaal von heute ist international und multikulturell. Doch so unterschiedlich wie die Personen und Nationen sind, die gemeinsam an deutschen Hochschulen studieren, so verschieden sind die Lerngewohnheiten, die sie aus ihrer Landeskultur mit an die Hochschule bringen. Wie groß die Unterschiede in den Köpfen deutscher und österreichischer Studierender gegenüber Studiengästen aus Fernost sind, hat seit 2003 ein Forschungsprojekt untersucht, an dem von deutscher Seite Prof. Dr. Katrin Hansen aus der Hochschulabteilung Bocholt und Prof. Dr. Stephan Keuchel aus der Hochschulabteilung Recklinghausen beteiligt waren. Weitere Forscher kamen aus Österreich, Thailand und Singapur. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Europäischen Union im Rahmen eines Programms zur kulturellen Annäherung von Europa und Asien.

Herausgefunden haben sie, dass vor allem der „Machtabstand“ zwischen Lehrenden und Lernenden entscheidend ist für das Verhalten der Studierenden. Ist der Professor ein mächtiges Vorbild, liegt dem Studierenden Kritik fern. Wird er eher als gleichberechtigtes Teammitglied einer Studiengemeinschaft empfunden, ist die Hemmschwelle geringer, zu sagen, womit man nicht klar kommt. Daneben ist wichtig, ob die Studierenden aus Gesellschaften kommen, die das Individuum als Wert pflegen oder das Leben des einzelnen in der Gemeinschaft. Bei Gesellschaften, die in Gruppen organisiert sind, wie es viele ostasiatische Völker sind, vermeidet der einzelne, aus der Gruppenrolle durch Kritik heraus zu treten oder die Ursache dafür zu sein, dass ein anderer vor der Gruppe „das Gesicht verliert“.

Das praktische Ergebnis des Forschungsprojektes ist ein Maßnahmenkatalog, der hilft, dass Studierende sich in einem fremden Kulturbereich erfolgreich zurecht finden und zum gewünschten Studienabschluss gelangen. Dazu gehört vor allem die Vermittlung ungeschriebener Gesetze in einer Gruppe. Wer sie missachtet, erzeugt in der Regel Ärger. Da man sich aber nur nach dem richten kann, was man kennt, werden Information und Kommunikation darüber zum Schlüssel. Man könnte sich natürlich auch manches anlesen, sich in Situationen hineintasten. Das soll nicht ersetzt werden, ist aber nicht schnell genug. Deshalb setzen die Professoren auf persönliche Berater, die den ausländischen Studierenden als Mentoren zur Seite stehen. Sie liefern ausgesuchte, wichtige Informationen zu Standort und Gesellschaft, sie sind vertrauenswürdige Auskunftspersonen, wenn man etwas nicht versteht. Als Datenbasis für die Mentoren hat eine Studentengruppe in Bocholt unter der Leitung von Prof. Dr. Manfred Külkens Standortinformationen zusammengetragen.

Als Mentoren und Mentorinnen wollen die Professoren sowohl deutsche Studierende gewinnen als auch Bürger und Bürgerinnen sowie Unternehmen der Hochschulstandorte. Auf diese Weise hätten die Studierenden aus Fernost Ansprechpartner für das Leben an der Hochschule, vielleicht aber auch als „Gasteltern“ und als Ansprechpartner für Praktika. Wer sich für das Projekt interessiert und selber mitmachen will, kann sich in Bocholt bei Professorin Katrin Hansen unter Telefon 2155-732 melden, in Recklinghausen bei Professor Stephan Keuchel unter Telefon 915-428.

Anschlussprojekte sollen klären, mit welchen besonderen Problemen Studierende kämpfen, die aus Indien oder Südamerika nach Deutschland oder Österreich zum Studium kommen.

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:

Prof. Dr. Katrin Hansen, Bocholter Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Gelsenkirchen, Telefon (02871) 2155-732 oder 2155-702 (Dekanatssekretariat), Telefax (02871) 2155-733, E-Mail katrin.hansen@fh-gelsenkirchen.de

Prof. Dr. Stephan Keuchel, Recklinghäuser Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen der Fachhochschule Gelsenkirchen, Telefon (02361) 915-428 oder 915-408 (Dekanatssekretariat), Telefax (02361) 915-756, E-Mail stephan.keuchel@fh-gelsenkirchen.de

Media Contact

Dr. Barbara Laaser idw

Weitere Informationen:

http://www.fh-gelsenkirchen.de/

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