Inkas Knotenschrift entziffert

Computeranalyse: Bürokratie und Schriftwesen vor fast 1.000 Jahren

Forscher der Harvard University haben ein langes Rätsel der Ureinwohner Südamerikas gelüftet: Bei den bis zu vier Kilogramm schweren Wollschnüren der Inkas in Peru, so genannten Khipu (oder auch Quipu), handelt es sich tatsächlich um eine Knotenschrift. Mit Hilfe von Computeranalysen von 600 solcher Khipus ist es nun gelungen, etwas mehr Licht in das bürokratische System der Inkas zu bringen, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. Die meisten der Khipus wurden durch die spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert zerstört.

Khipus entstanden aus einer Methode zur numerischen Buchhaltung und wurden dann zu einer vollständigen Schrift entwickelt. An einem Hauptfaden sind dutzende von Nebenfäden angeknüpft, die mit verschiedenartigen Knoten versehen sind. Je nach vertikaler und horizontaler Position in diesem vorhangähnlichen Gebilde, der Fadenfarbe und -länge und dem Knotentyp besitzen diese Knoten unterschiedliche Bedeutungen. Die meisten gefundenen Khipus stammen von einer Zeit zwischen 1400 und 1500, allerdings wurden manche auch auf 1.000 Jahre geschätzt.

Das Forscherteam um den Anthropologen Gary Urton und der Mathematikerin Carrie Brezine von der Harvard University hat anhand von 21 Khipus, die 1956 in der Inka-Hauptstadt Purochucu (nahe dem heutigen Lima) und Fundstücken, die tausende Kilometer entfernt gefunden wurden, Ähnlichkeiten gefunden. Mit der Mathematik-Software Mathematica konnten die Forscher dem System auf die Spur kommen. „Die Khipus dienten demnach dazu, um Informationen des Staatswesens aufzuzeichnen. Dazu gehörten Daten über Buchhaltung, sowie andere numerische Informationen wie etwa Volkszählungsergebnisse, Finanz- und Militärdaten“, erklärt Brezine.

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Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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