Bioinformatik beflügelt die Biotechnologie – Fachkräfte gesucht

Auf ihrer diesjährigen Jahrestagung beschäftigte sich die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) schwerpunktmäßig mit der wachsenden Bedeutung der Bioinformatik. Die Bioinformatik beschleunigt durch eine immer effektivere Datenauswertung die Forschungsprozesse in der Biotechnologie.

Bioinformatik-Fachleute verlegen Experimente zur Verbesserung von Wirkstoffqualität und -effizienz in den Computer, für die bislang zeitintensive und aufwändige Labor-Versuchsreihen erforderlich waren. Ob bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe oder beim systematischen Genomvergleich zur Auffindung von krankheitsrelevanten Genen, die Bioinformatik entwickelt die dafür passenden Modelle, Verfahren und Werkzeuge.

Angesichts der dünnen Entwicklungspipeline großer Pharmaunternehmen sowie des bald auslaufenden Patentschutzes von Blockbuster-Medikamenten nimmt die Bedeutung der Bioinformatik noch zu.

Wie Dr. Matthias Ledig von der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young (CGE&Y) feststellt, beträgt die momentane Entwicklungsdauer eines Arzneimittels bis zur Zulassung zwischen 10 und 15 Jahren bei Kosten von 500 bis zu 800 Mio. US-Dollar. Ledig:

„Mit Hilfe der Bioinformatik sind möglicherweise kurz- bis mittelfristige Verkürzungen im Drug Discovery Process von ein bis zwei Jahren mit Kosteneinsparungen von etwa. 50 Mio. US-Dollar pro Jahr realisierbar.“

CGE&Y rechnet in ihrem aktuellen Bioinformatikreport in Deutschland bis 2005 mit einer jährlichen Wachstumsrate von bis zu 25 Prozent.

Seit 1999 wurden knapp hundert neue Biotechnologie-Unternehmen gegründet. Etwa ein Fünftel davon sind Bioinformatikunternehmen. GI-Präsident Prof. Dr. Dr.h.c. Heinrich C. Mayr betont:

„Ohne die Informatik wäre diese Entwicklung nicht möglich, da sowohl Forschung als auch Entwicklung der Biotechnologie angesichts der Flut an Daten auf die Methoden und Hilfsmittel der Informatik angewiesen sind. Die Informatik ist die Triebfeder der Biotechnologie.“

Aufgrund des hohen Wachstums leidet die Branche allerdings schon jetzt unter einem Fachkräftemangel. In den nächsten zwei Jahren benötigt die deutsche Biotech- und Pharmabranche rund 700 zusätzliche Fachleute mit Know-how in der Bioinformatik. Erst ab 2005 werden 400 bis 600 Absolventinnen und Absolventen pro Jahr auf den Arbeitsmarkt entlassen.

Bioinformatik kann heute an rund 30 Fachhochschulen und Universitäten studiert werden. Künftige Studierende erhalten an den durch die Förderinitiativen des Bundesforschungsministeriums und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgewählten Universitäten eine qualitativ hochwertige Ausbildung.

Media Contact

Cornelia Winter idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Nanofasern befreien Wasser von gefährlichen Farbstoffen

Farbstoffe, wie sie zum Beispiel in der Textilindustrie verwendet werden, sind ein großes Umweltproblem. An der TU Wien entwickelte man nun effiziente Filter dafür – mit Hilfe von Zellulose-Abfällen. Abfall…

Entscheidender Durchbruch für die Batterieproduktion

Energie speichern und nutzen mit innovativen Schwefelkathoden. HU-Forschungsteam entwickelt Grundlagen für nachhaltige Batterietechnologie. Elektromobilität und portable elektronische Geräte wie Laptop und Handy sind ohne die Verwendung von Lithium-Ionen-Batterien undenkbar. Das…

Wenn Immunzellen den Körper bewegungsunfähig machen

Weltweit erste Therapie der systemischen Sklerose mit einer onkologischen Immuntherapie am LMU Klinikum München. Es ist ein durchaus spektakulärer Fall: Nach einem mehrwöchigen Behandlungszyklus mit einem immuntherapeutischen Krebsmedikament hat ein…

Partner & Förderer