Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwarmfinanzierung: Crowdinvesting präzise regulieren

20.08.2012
Selbst Kleinanleger können sich an jungen Firmen beteiligen, wenn die Start-ups sogenanntes Crowdinvesting betreiben. LMU-Forscher plädieren nun für eine spezifische rechtliche Regulierung solcher „Schwarmfinanzierungen“.

In Deutschland finanzieren sich Start-up-Unternehmen zunehmend durch die Emission von Vermögensanlagen über sogenannte Crowdinvesting-Portale im Internet. Auch Kleinanleger können sich hier mit relativ geringen Beträgen von manchmal nicht mehr als vier Euro beteiligen. Der Vorteil für die jungen Unternehmen: Sie können bis zu 100.000 Euro einsammeln - ohne einer spezifischen Regulierung durch den Kapitalmarkt zu unterliegen.

Aktuelle Rechtslage

Der Rechtswissenschaftler Professor Lars Klöhn und der Wirtschaftswissenschaftler Dr. Lars Hornuf haben nun die aktuelle Markt- und Rechtslage in Deutschland und in den USA, wo das Crowdinvesting mit dem JOBS Act kürzlich detaillierte rechtliche Vorgaben erhielt, in einer Veröffentlichung skizziert. „Wir diskutieren dabei auch denkbare Regulierungsansätze für Deutschland“, so Hornuf. „Dabei werden unter anderem der gesellschaftliche Nutzen und die sozialen Kosten des Crowdinvestings beleuchtet“.
Für diese Studie wurden erstmals Daten zu den Unternehmen, den Investoren und den Crowdinvesting-Portalen in Deutschland erhoben. Dabei zeigte sich, dass bis Mitte des Jahres fünf deutsche Portale ihre Kapitalvermittlungstätigkeit aufgenommen und insgesamt rund zwei Millionen Euro an 22 Start-up-Unternehmen vermittelt haben. „Die Tendenz ist steigend“, berichtet Hornuf. „Schon in den nächsten Monaten sollen weitere Portale eröffnet werden.“

Keine Pflicht zum Wohlverhalten

„Problematisch ist, dass das Crowdinvesting in Deutschland derzeit nicht spezifisch geregelt ist“, so Klöhn. „Das bedeutet unter anderem, dass die Betreiber der Portale nicht den Verhaltenspflichten des Wertpapierhandelsgesetzes nachkommen müssen und auch keine Tätigkeitserlaubnis nach dem Kreditwesengesetz benötigen.“ Da hilft es kaum, dass die - fast ausschließlich männlichen - Investoren überwiegend gut ausgebildet und erfahren am Kapitalmarkt sind.
Die Autoren plädieren für eine deutsche oder europäische Gesetzgebung zur spezifischen Regulierung des Crowdinvesting, möglicherweise in Anlehnung an den US-amerikanischen JOBS Act. Der Grundstein für die Evaluierung der Wirkung und des Erfolgs entsprechender Maßnahmen - auch im Vergleich zu ähnlichen Finanzierungsreformen in Deutschland und anderen Ländern - wird jetzt bereits gelegt: Die bislang erhobenen Daten sollen in einer „LMU-Datenbank für Crowdinvesting“ fortgeführt werden. (suwe)

Publikation:
Crowdinvesting in Deutschland. Markt, Rechtslage und Regulierungsperspektiven
Lars Klöhne, Lars Hornuf
Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft, Heft 4, 15. August 2012, S. 237-266

Kontakt:
Professor Lars Klöhn
Juristische Fakultät der LMU
Tel.: 089 / 2180 –
E-Mail: lehrstuhl.kloehn@jura.uni-muenchen.de
Web: http://www.jura.uni-muenchen.de/fakultaet/lehrstuehle/kloehn/index.html

Dr. Lars Hornuf
Juristische Fakultät der LMU
Tel.: 089 / 2180 – 3010
E-Mail:lars.hornuf@jura.uni-muenchen.de
Web: http://www.jura.uni-muenchen.de/personen/hornuf_lars/index.html

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Krisenrisiko Nummer 1: Unerwartete Liquiditätsengpässe
08.01.2020 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarkt geht stabil ins nächste Jahr
30.12.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Im Focus: Integrate Micro Chips for electronic Skin

Researchers from Dresden and Osaka present the first fully integrated flexible electronics made of magnetic sensors and organic circuits which opens the path towards the development of electronic skin.

Human skin is a fascinating and multifunctional organ with unique properties originating from its flexible and compliant nature. It allows for interfacing with...

Im Focus: Dresden researchers discover resistance mechanism in aggressive cancer

Protease blocks guardian function against uncontrolled cell division

Researchers of the Carl Gustav Carus University Hospital Dresden at the National Center for Tumor Diseases Dresden (NCT/UCC), together with an international...

Im Focus: New roles found for Huntington's disease protein

Crucial role in synapse formation could be new avenue toward treatment

A Duke University research team has identified a new function of a gene called huntingtin, a mutation of which underlies the progressive neurodegenerative...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

KIT im Rathaus: Städte und Wetterextreme

21.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mehr Datenschutz für die digitale Bildung – das neue Open Roberta Lab von Fraunhofer IAIS

23.01.2020 | Informationstechnologie

Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

23.01.2020 | Informationstechnologie

Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

23.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics