Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rentenmarkt: Starke Nerven an der Zinsfront gefragt

19.08.2003

Seit den kräftigen Renditeschüben ab Mitte Juni haben sich die international agierenden Bondinvestoren ungeachtet der fortbestehenden Niedrigzinsrhetorik der US-Notenbank auf ein neues Paradigma mit mehr Kapitalnachfrage im Zuge höherer Verschuldung und anziehender Konjunktur eingestellt. Nicht zuletzt durch Sicherungsgeschäfte der großen Hypothekenanbieter zog bei günstigen Wirtschaftsdaten das Renditeniveau der 10jährigen US-Staatspapiere auf zuletzt über 4,5% an (höchster Stand seit Juli 2002), während die Verzinsung der Bundesanleihen deutlich moderater auf das Niveau von April bei 4,2% nachfolgte und ihren seit über einem Jahr bestehenden Vorsprung an die Treasuries abgab.

Die jüngste Verfestigung des Aufschwungsvertrauens in der mit Abstand weltgrößten Volkswirtschaft (z.B. ISM-Einkaufsmanagerindizes für Industrie und Services mit 51,8 bzw. 65,1 Punkten über der Expansionsschwelle) resultiert u.a. aus den anstehenden massiven Steuerrabatten der amerikanischen Regierung, zinsgetriebener Konsumnachfrage und merklichen Investitionserleichterungen. Volkswirte erwarten ab den kommenden Monaten bis einschließlich 2004 ein beschleunigtes BIP-Wachstum von gut 3,5%, wobei die hoch verschuldeten Privathaushalte allerdings ein Nachfragerisiko (rückläufige Hypothekenrefinanzierung) darstellen. Anders als im Rentencrash-Jahr 1994 sind diesmal zugleich die ungenutzten Wachstumsreserven der US-Volkswirtschaft höher und verhindern neue Arbeitsplätze und Inflation. Dies erlaubt der inzwischen vermehrt kritisierten Fed, eine Beibehaltung des tiefsten Leitzinsniveaus seit 1958 (1,0%) für beträchtliche Zeit in Aussicht zu stellen und ein Anziehen der Zinszügel trotz Unruhe am Bondmarkt zu vertagen.

... mehr zu:
»Rendite »Rentenmarkt »Zinsfront

Im Gegensatz zu erkennbaren konjunkturellen Belebungsanzeichen aus Japan (BIP im 2. Quartal +0,6%) bleiben in der Eurozone Erholungssignale noch rar (Stagnation im 2. Quartal nach +0,1%, Einkaufsmanagerindex Juli mit 48,0 weiter unter 50er Marke). Bei währungsbedingt gedämpften Erwartungen an den Außenbeitrag liegt der Fokus auf Binnenimpulsen aus Sozialsystemreformen und Steueranstößen. Mit der neuen Weichenstellung ist zwar auf Jahresfrist ein Verlassen der Wachstumstalsohle möglich, dennoch sollte in 2004 die Expansionsrate lediglich halb so kräftig wie jenseits des Atlantiks ausfallen, wobei sich gleichzeitig die Haushaltslage wichtiger Euroländer verschärfen dürfte. Weitere Zinssenkungshoffnung ist dennoch nicht unberechtigt, da billige Importpreise, moderate Nachfragekräfte und Basiseffekte für eine günstige Inflationsentwicklung (Juli-Inflationsrate 1,9 nach 2,0 Prozent) unterhalb der neuformulierten EZB-Stabilitätsmarke von "nahe 2%" sorgen dürften.

Insgesamt stellen nach dem von Japan und Amerika ausgehenden Bruch des jahrelangen Abwärtstrends für die 10jährigen Renditen nunmehr auch die beliebten Staatsanleihen keinen gänzlich sicheren Hafen mehr dar. Zwar dürften periodisch auftretende Zweifel an der Nachhaltigkeit der globalen Wirtschaftserholung den Rentenpapieren zwischenzeitlich auch Unterstützung bzw. nachgebende Renditen bescheren. Anleger mit Schwerpunkt bei längeren Laufzeiten sollten jedoch trotz inzwischen attraktiverer Angebote ihre Engagements begrenzen, um flexibel auf die gegenwärtigen Kapitalmarktkapriolen reagieren zu können.

Hans Beth | Landesbank Rheinland-Pfalz
Weitere Informationen:
http://www.lrp.de

Weitere Berichte zu: Rendite Rentenmarkt Zinsfront

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet - Juni 2018
20.06.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge
28.05.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics