Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Karlsruhe für drei Tage im Zentrum der deutschen Geothermie

25.09.2008
"Die Geothermie ist auch in Deutschland auf dem besten Weg zu einem der wichtigsten Erneuerbaren Energieträger zu werden", stellt Simone Probst, Präsidentin des Bundesverbandes Geothermie (GtV-BV) fest.

"Erdwärme ist überall in der Erdkruste vorhanden und ständig und zuverlässig verfügbar. Mit ihren Möglichkeiten für die Strom-, Wärme- und Klimakälteversorgung ist sie eine Energiequelle mit vielen Talenten."

Die steigenden Preise für Erdöl und Erdgas, die knapper werdenden Ressourcen und die Notwendigkeit, den Klimawandel zukunftsverträglich zu beeinflussen, trieben weltweit die Nutzung der Geothermie voran, so Probst. Auf Grund der derzeit in der Umsetzung befindlichen Vorhaben wäre davon auszugehen, dass bis 2010 bis zu 13.500 MW Leistung in geothermischen Kraftwerken installiert sein könnten. Die überwiegende Anzahl der Projekte werde derzeit noch in Regionen mit leicht erschließbaren Ressourcen umgesetzt. "Diese betreffen aber nur 5% der Erdoberfläche. Für weitere 60 haben wir die Konzepte entwickelt." Die deutsche Branche verfüge hier über ein einmaliges Know-how. "Heißen Dampf wie in vulkanischen Gebieten finden wir bei uns nicht. Wir mussten unsere eigenen Wege gehen, um an die Energiequelle Erde heranzukommen. Und das haben wir konsequent und erfolgreich getan."

"Das Geschäft brummt", bestätigte der Karlsruher Horst Kreuter, Leiter der Sektion Tiefe Geothermie im Bundesverband. "Noch nie gab es so viele große Projekte, an denen gleichzeitig gearbeitet wurde. Vor allem in Südbayern und am Oberrhein drehen sich die Bohrmeißel. In den kommenden zwei Jahren werden etwa zehn größere Anlagen, Kraftwerke und Fernwärmeversorgungen ihren Betrieb aufnehmen oder unmittelbar vor der Fertigstellung stehen. Derzeit befinden sich bundesweit zwei Kraftwerke und rund 30 Nah- und Fernwärmeversorgungen in Betrieb. Ab 2009 greifen dann auch noch die neuen Regelungen des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG)." Danach werde die Grundvergütung von 15 auf 20 Cent für alle Anlagen angehoben, die bis 2015 ans Netz gebracht werden könnten. Wer zusätzlich Voraussetzungen schaffe, auch die Abwärme der Kraftwerke zu nutzen, könne 3 Cent extra in Anspruch nehmen. "Enorm wichtig für uns war aber auch die Schaffung des sogenannten Petrogeothermiebonus. Seine 4 Cent ermöglichen zum Beispiel Hot-Dry-Rock-Kraftwerken den Markteintritt. Damit macht sich die Geothermie in der Stromerzeugung unabhängig von Thermalwasserstandorten." Gleichzeitig verwies er darauf, dass das weltweit erste HDR-Kraftwerk gerade bei den französischen Nachbarn in Soultz-sous-Forêts in Betrieb gegangen sei. "An dem europäischen Gemeinschaftsprojekt sind unsere Forscher und Entwickler kräftig beteiligt."

"Auf dem Heizungsmarkt zeichnen sich interessante Veränderungen ab", kommentierte Ralf Schramedei, Leiter der Sektion Oberflächennahe Geothermie, die Lage. "Noch vor wenigen Jahren spielten Erdwärmeanlagen hier eher eine Statistenrolle. Diese Situation haben wir längst hinter uns gelassen. 2006 ist der Absatz unserer Anlagen mit einem Zuwachs von 115% regelrecht explodiert. Rund 29.000 Systeme konnten vor allem in Neubauten installiert werden." Damals war die Branche an ihre Grenzen gestoßen. Inzwischen habe man kräftig ausgebaut, von den Fertigungskapazitäten für Wärmepumpen über die Zahl der Bohrgeräte bis hin zu den Mitarbeitern. "Nach einer Stagnation in 2007, allerdings auf hohem Niveau, ziehen in diesem Jahr die Absatzzahlen trotz schwächelnder Baukonjunktur wieder enorm an. 2008 könnten wir nahe an die 40.000 kommen." Es habe sich herumgesprochen, dass mit den Erdwärmeanlagen und in Verbindung mit Wärmepumpen eine zuverlässige, preiswerte, preisstabile und komfortable Quelle zur Verfügung stehe. Stark im Kommen sind auch Anlagen, die den Untergrund zur Bereitstellung von Klimakälte einsetzen und damit eine konkurrenzlos preiswerte Energieressource nutzen. Im Neubaubereich seien inzwischen zweistellige Marktanteile absehbar. "Als nächstes konzentrieren wir uns auf den wichtigsten Sektor, der Sanierung im Gebäudebestand."

Vom 11.-13.11. trifft sich die Geothermiebranche in Karlsruhe zu ihrem diesjährigen Leitkongress. Die Geothermiekongresse des Bundesverbandes Geothermie (GtV-BV) sind seit Jahren traditioneller Treffpunkt, Fenster der Entwicklung und Börse für Informationen. Sie begleiten die Entwicklung und treiben sie gleichzeitig voran. Dieses Jahr werden bis zu 500 Teilnehmer im Messe Kongress Center erwartet. Begleitet wird die Veranstaltung durch zwei internationale Workshops und die Messe GEOEnergia2008. Erstmals wird auf dem Kongress mit Island auch ein Gastland vertreten sein.

Die Veranstaltung gliedert sich einen Tag mit zehn Workshops am 11.11. und in die Hauptveranstaltung am 12. und 13. mit einem dichtgedrängten Programm in insgesamt 16 Technikforen, dem Wirtschafts- und dem Islandforum

Island, das Partnerland des Karlsruher Geothermiekongresses, verfügt über eine lange Tradition in der Nutzung der Geothermie. Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde in der Hauptstadt Reykjavik die erste Fernwärmeversorgung errichtet, die die natürlichen Thermalwasserquellen der Umgebung als Energiequelle nutzte. Heute sind fossile Energieträger auf dem Wärmemarkt der Insel am Nordpolarkreis fast vollständig verschwunden. In der Erschließung von geothermischen Ressourcen zur Stromerzeugung aus Heißwasser- und Dampfvorkommen nimmt die isländische Wirtschaft eine führende Rolle ein. Isländische Unternehmen sind in diesem Markt weltweit aktiv. Auch in Deutschland beteiligen sie sich an der Erschließung geothermischer Ressourcen und dem Bau von Kraftwerken. Das Islandforum präsentiert Highlights der aktuellen Entwicklung auf der Insel mit Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, Kraftwerks- und Fernwärmeprojekten.

Vortragssprache im Islandforum ist Englisch, wie auch Vortragssprache in zwei anderen begleitenden Workshops des Kongresses:

Der Workshop on Geological Risk Insurance des Geothermal Energy Development Program der Weltbank, der in Zusammenarbeit mit dem geothermischen Weltverband IGA durchgeführt wird, befasst sich mit dem internationalen Erfahrungsaustausch bei der Minimierung und Versicherung geologischer Risiken von geothermischen Großprojekten.

In den oberflächennahen Bereich verweist der Workshop des von der EU geförderten Groundreach-Projektes: "Reaching the Kyoto targets by means of a wide introduction of ground coupled heat pumps in the built environment." Seine Zielsetzung ist die Diskussion politischer Vorgaben, rechtlicher Rahmenbedingungen, technologischer Lösungen und von Aus- und Weiterbildung für den europaweiten Einsatz von Erdwärmesystemen.

Am 12. und 13.11 wird der Kongress durch die Messe GEOEnergia2008 begleitet. "Schon jetzt liegen wir mit mehr als 40 Ausstellern über dem Stand des Vorjahres", teilte Werner Bußmann, GtV-BV Geschäftsführer mit. "Die gesamte Bandbreite der Branche ist vertreten. Die Messe steht jedem Interessierten offen, nicht nur den Teilnehmern des Kongresses. Der Eintritt ist frei. Wir laden daher die Bevölkerung nicht nur von Karlsruhe und Umgebung ein, sich über die Angebote und Leistungen der Branche zu informieren." Das Interesse an der Geothermie wäre enorm gestiegen, so Bussmann. "Unsere kostenlose Broschüre ,Tipps für Häuslebauer' ist gerade in der 9. Auflage erschienen und hat binnen drei Jahren eine Gesamtzahl von über 70.000 Exemplare erreicht. Ein in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt entwickeltes und Anfang August veröffentlichtes Schülerarbeitsheft ist in der ersten Auflage bereits vergriffen, so dass umgehend eine zweite gedruckt werden musste."

Pressekontakt:
Werner Bußmann
Geothermische Vereinigung e.V. - Bundesverband Geothermie
Gartenstr. 36
49744 Geeste
Tel: +49 (0) 5907 - 545
Fax: +49 (0) 5907 - 7379
Email: info@geothermie.de

Werner Bußmann | Geothermische Vereinigung e.V.
Weitere Informationen:
http://www.geothermie.de
http://www.dergeothermiekongress.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen
19.07.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Innovation – the name of the game
18.07.2018 | Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics