Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationales Symposium über chronisches Nierenversagen in Heidelberg

27.08.2001


Am 27. und 28. September 2001: Symposium "Biologie und Pathologie des Podozyten - Mechanismen der Progression des chronischen Nierenversagens"

Das chronische Nierenversagen hat große gesundheitspolitische Bedeutung. Alle Anstrengungen sind gerechtfertigt, dieses Krankheitsbild besser verstehen zu lernen, um hoffentlich bald wirksamer präventiv und therapeutisch eingreifen zu können. "Zweifelsohne ist das chronische Nierenversagen die bei weitem schwerwiegendste Herausforderung an die Forschung in der Nephrologie", sagt Prof. Dr. Wilhelm Kriz, der im September in Heidelberg ein internationales Symposium veranstaltet. Thema sind die "Biologie und Pathologie des Podozyten - Mechanismen der Progression des chronischen Nierenversagens".

Die wichtigste Aufgabe der Niere ist die "Blutreinigung". Geschieht dies unzureichend, kommt es zur "Harnvergiftung" des Blutes, zur Urämie. Beim chronischen Nierenversagen entwickelt sich eine Urämie allmählich, aber - wenn einmal begonnen - schreitet sie unaufhaltsam voran. Um ein Weiterleben zu ermöglichen, ist schließlich eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) oder die Transplantation einer gesunden Niere unabdingbar. Da Spendernieren knapp sind, bleibt für viele Patienten nur die Langzeitdialyse. Diese erhält zwar das Leben, allerdings mit stark reduzierter Lebensqualität und einer verbleibenden Lebenserwartung, die nicht besser ist als die von vielen Tumorerkrankungen.

Darüber hinaus ist die Dialyse eine sehr kostspielige Therapie; das chronischen Nierenversagen ist die teuerste Erkrankung der Inneren Medizin. Die Kosten werden weiter steigen, denn mit zunehmendem Alter der Bevölkerung und den Erfolgen in der Lebensverlängerung bei anderen Erkrankungen (Zuckerkrankheit) nimmt die Zahl der Patienten mit einem chronischen Nierenversagen stetig zu. In den USA verdoppelt sich diese Zahl zurzeit alle acht Jahre; ein ähnlicher Anstieg dürfte auch für Europa gelten. Schlimm ist die Situation in den Entwicklungsländern: Dort hat ein chronisch Nierenkranker nur eine geringe Chance auf eine Therapie und damit auf ein Überleben.

Ursächlich verantwortlich: die Nierenkörperchen

Die für dieses Krankheitsgeschehen ursächlich verantwortlichen Strukturen in der Niere sind die Nierenkörperchen. Dies sind winzig kleine, kugelige Gebilde (mit dem bloßen Auge gerade noch sichtbar), in denen das Blut, genauer gesagt das Blutplasma, ständig filtriert und damit die Harnbildung begonnen wird. Das ist eine gewaltige Aufgabe. Die drei Liter Blutplasma eines Erwachsenen werden pro Tag sechzigmal in den Nierenkörperchen filtriert, dabei entstehen insgesamt 180 Liter eines eiweißfreien Filtrates, des so genannten Primärharns, aus dem anschließend in den Nierenkanälchen der endgültige Harn bereitet wird.

In den Nierenkörperchen gibt es einen sehr auffälligen Zelltyp, den Podozyten ("Füßchenzelle"), der die Durchlässigkeit des Filters kontrolliert und bei dessen Versagen es zum Durchtritt von Bluteiweißen durch den Filter und damit zu einer Proteinurie, einer Ausscheidung von Eiweiß im Harn, kommt. Eine anhaltende Proteinurie ist eines der Kardinalsymptome bei der Entwicklung eines chronischen Nierenversagens, und dieser Befund mit einer Reihe anderer stichhaltiger Gründe haben in den letzten Jahren zu der Hypothese geführt, dass es in erster Linie ein Versagen der Podozyten ist, wodurch diese Krankheit entsteht und schließlich unaufhaltsam fortschreitet.

Das Symposium wird sich ausschließlich mit Podozyten befassen

Das Symposium wird sich ausschließlich mit dieser Zelle befassen - in der Erwartung, dass ein fokussierter wissenschaftlicher Austausch unter den Fachleuten auf diesem Gebiet den Erkenntnisfortschritt nachhaltig befördern wird. Zentrale Themen des Symposiums werden die Fragen sein, warum diese Zelle so empfindlich gegen eine mechanische Beanspruchung im Falle eines erhöhten Blutdruckes ist, warum sie bei entzündlichen Erkrankungen in einer Weise reagiert, dass der Verlust des gesamten Nierenkörperchens droht und warum sie eine so geringe Regenerationsfähigkeit hat, dass geschädigte Podozyten nicht ersetzt werden können.

Weitere wichtige Fragen werden sein, wie die Podozyten die spezifische Durchlässigkeit des Filters herstellen, wie sie den Filter sauber halten und wie es bei Nierenerkrankungen zum Verlust dieser Funktionen kommt. Selbstverständlich wird auch die Frage nach den Möglichkeiten einer pharmakologischen Intervention erörtert werden; gesucht sind Substanzen, die unter "Stressbedingungen" eine Schutzwirkung auf den Podozyten ausüben. Darüber hinaus eröffnen sich mit der Weiterentwicklung der molekularbiologischen und genmanipulativen Methoden ganz neue Zugänge zu gezielten Untersuchungen über die spezifischen Funktionen dieser Zelle. Die Diskussion gerade dieser Möglichkeiten soll die Podozytenforschung in eine neue Ära führen.

Das gemeinsame Ziel, dem all diese Forschungen letztendlich gelten, besteht in der Aufklärung der Mechanismen, die zu einem chronischen Nierenversagen führen. Vorrangiges Ziel ist es, das Fortschreiten dieser Krankheit so kontrollieren zu können, dass eine Situation, in der nur noch die Langzeit-Dialyse oder die Transplantation hilft, gar nicht erst entsteht. "Der Weg dahin ist klar: Wir müssen lernen, wie man gefährdete Podozyten besser schützen kann, wir müssen podozyten-protektive Mechanismen aufdecken", sagt Prof. Kriz.

Die Tagung wird am 27. und 28. September in der "Alten Anatomie", dem jetzigen Psychologischen Institut in der Brunnengasse in der Heidelberger Altstadt, stattfinden. Etwa 50 Forscherinnen und Forscher werden ihre neuesten Ergebnisse auf diesem Gebiet vortragen oder als Poster vorstellen. Sie kommen aus aller Welt, aus Japan, den USA, aus Kanada und aus fast allen europäischen Ländern, darunter Frankreich, England, Schweden, Finnland, Polen, Holland, Italien, Österreich, der Schweiz und Deutschland.

Lange Tradition der Nierenforschung in Heidelberg

Der Tagungsort Heidelberg für dieses internationale Symposium ergibt sich aus der langen Tradition der Nierenforschung in Heidelberg und Mannheim und - aktuell - aus dem gut zehnjährigen erfolgreichen Engagement in die Podozytenproblematik. Verantwortlich für die Durchführung des Symposiums ist die in diesem Jahr neu von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingerichtete Forschergruppe "Mechanismen der Progression des chronischen Nierenversagens", in der Mitglieder der Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim der Universität Heidelberg, des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Forschungszentrums Karlsruhe zusammenarbeiten. Sprecher dieser Forschergruppe ist Prof. Dr. Wilhelm Kriz aus dem Institut für Anatomie und Zellbiologie in Heidelberg.

Unterstützt wird das Symposium von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von der Gotthard-Schettler-Gesellschaft für Herz- und Kreislaufforschung und von den pharmazeutischen Firmen Fresenius, AMGEN, Hoffmann-La Roche, Roche Diagnostics und Progen.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. Wilhelm Kriz
Tel. 06221 548680, Fax 544951 
info@podocyte-2001.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317 
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.podocyte-2001.de/

Weitere Berichte zu: Nierenkörperchen Nierenversagen Podozyten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien
04.12.2019 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

nachricht Die Zukunft der Arbeit
03.12.2019 | Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Stammbaum der Käfer steht

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Gleichstrom für die Fabrik der Zukunft

06.12.2019 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics