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Am Monatsende kommt die Mobilitätsrechnung

29.02.2008
Mobilität wird ein teures Gut: Internationale Experten diskutieren über die Zukunft globaler Verkehrsströme

Weltweit wachsende Verkehrsströme stellen moderne Gesellschaften vor die Herausforderung, effiziente und umweltfreundliche Verkehrssysteme zu schaffen. Auf dem internationalen Kongress "Traffic and Transport 2030" am 29. Februar an der TU Darmstadt haben Verkehrsexperten aus insgesamt 17 Ländern über neue Konzepte für nachhaltige weltweite Mobilität nachgedacht.

Mobilität wird in Zukunft deutlich teurer. Darin waren sich die Experten aus Forschung und Praxis einig: "Wir müssen die Systeme der Zukunft marktwirtschaftlicher organisieren. Dazu zählt beispielsweise die Einführung von allgemeinen Straßennutzungsgebühren", erläutert Prof. Manfred Boltze, Leiter des Kongresses und Sprecher des Forschungsschwerpunktes "Integrierte Verkehrssysteme (fsiv)" an der TU Darmstadt.

Allgemeine Straßennutzungsgebühren bald Normalität

Eine solche allgemeine Straßennutzungsgebühr für alle Fahrzeuge wird in den nächsten Jahren definitiv kommen, auch das war die einhellige Einschätzung der Verkehrsexperten. Die Nutzungsgebühren werden aber nicht nur Straßen und Infrastruktur mitfinanzieren. Sie werden die wachsenden Verkehrsströme auch steuern. Zum Beispiel durch teurere Nutzungstarife zur Rush-Hour und günstige Tarife zu verkehrsärmeren "Nebenzeiten".

Aus der weltweit steigenden Mobilität ergibt sich neben der Finanzierbarkeit auch noch eine andere Herausforderung: Die Infrastruktur könnte zunehmend an ihre Grenzen stoßen, Kapazitätsprobleme, lange Staus und Wartezeiten wären Alltag für viele Reisende. Eine flexiblere Nutzungen der Infrastruktur, wie etwa die Standspurfreigabe ist aus Sicht der Experten daher ein vordringliches Anliegen. Darüber hinaus "müssen wir die Potenziale neuer Technologien intensiv nutzen: Neue Informations- und Navigationssysteme zum Beispiel werden unter anderem den staufreien Verkehr ermöglichen", sagt Boltze voraus.

Ökologische Kluft zwischen armen und reichen Ländern

Wachsende Mobilität und weltweite Verkehrsströme sind bereits heute eine konstante Umweltbelastung. Daran wird sich auch in nächster Zukunft nichts wesentliches ändern: Die Verkehrssysteme der Zukunft werden zwar verstärkt auf einem Energiemix basieren, trotzdem - so die Experten - wird der fossile Kraftstoff auch bis zum Jahr 2030 die Hauptenergiequelle sein.

Saubere und sichere Autos werden auch in Zukunft vor allem in den reichen Industriestaaten entwickelt werden. In Entwicklungsländern dagegen werden in nicht allzu ferner Zukunft günstige Fahrzeuge massenhaft auf den Markt geworfen werden und eine enorme Herausforderung für Infrastruktur und Umwelt sein. Um Umweltbelastungen zu reduzieren, müssen die globalen Verkehrssysteme enger zusammenwachsen: Die Wege des Planeten in der Luft, auf dem Wasser, auf Schienen und auf Straßen müssen klüger integriert werden.

Am Monatsende kommt die Mobilitätsrechnung

Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien wird im Verkehr weiter zunehmen. So sollen neue Leit- und Sicherungstechniken zum Beispiel die Kapazitäten auf der Schiene erhöhen. Besonders der Güterverkehr wird stark wachsen, die Verkehrskosten werden steigen, so die einhellige Meinung. Digitale Bezahlkarten könnten künftig die Teilnahme am Verkehr systemübergreifend erfassen. Am Ende des Monats kommt dann die "Mobilitätsrechnung".

Mit Blick auf die Globalisierung wurde deutlich, dass grenzüberschreitende, hocharbeitsteilige Logistikketten stärker störanfällig sind und hierfür dringend Sicherheitsstrategien erarbeitet werden müssen.

Die Technische Universität Darmstadt will einzelne Ergebnisse des internationalen Kongresses im Verbund mit ausländischen Kollegen in ihrem Forschungsschwerpunkt aufgreifen. Zum Beispiel wollen die Darmstädter mit Wissenschaftlern der japanischen Universität Nagoya die Lichtsignalsteuerung verbessern und Projekte zum städtischen Verkehrsmanagement für indische Großstädte unterstützen.

"130 Wissenschaftler haben am 27. und 28. Februar in Workshops zu unterschiedlichen Themen zusammengearbeitet, um dann ihre Ergebnisse auf dem abschließenden Kongress vorzutragen", berichtet Boltze. Auf diese Weise konnte internationales Expertenwissen für die Ausarbeitung genutzt und konkrete Ideen und Vorstellungen zum Verkehr im Jahr 2030 entwickelt werden. "Die Ergebnisse werden dazu dienen, die Forschungsaktivitäten in den jeweiligen Ländern auf die anstehenden Aufgaben auszurichten."

Lars A. Rosumek | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de/verkehrsforschung/tt2030/

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