Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Altersabhängige Makuladegeneration - Augenärzte diskutieren neue Behandlungsansätze

23.09.2011
Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist hierzulande die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen und Erblindung im Alter.

Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich seit der Verfügbarkeit der Medikamente Avastin und Lucentis deutlich gebessert. Derzeit untersuchen Wissenschaftler in Studien, welche weiteren Therapien – von neuen Medikamenten bis hin zur Strahlentherapie – den Sehverlust aufhalten können. Diese neuen Behandlungsansätze diskutieren Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) vom 29. September bis zum 2. Oktober 2011 auf ihrem Kongress in Berlin.

Bei der AMD nimmt die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut – die Makula – Schaden. Die Erkrankung tritt in zwei Formen auf: der „trockenen“ und der „feuchten“ Variante. Die größere Gefahr geht von der feuchten AMD aus, da sie schneller und aggressiver verläuft. Dabei bilden sich Blutgefäße in der Makula, die Flüssigkeit absondern und so die Sinneszellen zerstören.

„Monatliche Injektionen von Medikamenten in den Augapfel können heutzutage einen raschen Sehverlust verhindern und oft sogar die Sehstärke verbessern“, erklärt Professor Dr. med. Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Klinikdirektor des Departments für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen.

Neben Lucentis verwenden Augenärzte dabei auch das Krebsmedikament Avastin, das einen ähnlichen Wirkstoff enthält. Avastin ist jedoch nicht für die Anwendung am Auge zugelassen. Ärzte können es hier nur im sogenannten „Off-Label-Use“ einsetzen. Eine im Mai veröffentlichte Studie (CATT) hat jedoch ergeben, dass die Behandlungsergebnisse in etwa gleich gut sind. Eine abschließende Bewertung der Medikamentensicherheit sei derzeit aber noch nicht möglich, schränkt Bartz-Schmidt im Vorfeld des DOG-Kongresses ein.

Der Experte rechnet allerdings mit der baldigen Zulassung eines weiteren Wirkstoffs: Aflibercept. Wie der Lucentis-Wirkstoff Ranibizumab hemmt die Substanz die Bildung der Blutgefäße in der Netzhaut. Auch Aflibercept wird in den Augapfel injiziert. Die Behandlung erfolgt anfangs alle vier, später nur alle acht Wochen. „Die größeren Zeitabstände sind für den Patienten weniger belastend. Zudem könnten sie die Therapiekosten senken“, meint Bartz-Schmidt. Die letzte Entscheidung über eine Zulassung in den USA und Europa steht jedoch noch aus.

Eine feuchte AMD lässt sich auch durch eine Strahlentherapie behandeln. Die Strahlen müssen aber gesundes Gewebe durchdringen, um die Makula zu erreichen. „Die Bedenken hinsichtlich strahlenbedingter Spätschäden müssen deshalb ernst genommen werden“, so Bartz-Schmidt. Einen interessanten Ansatz verfolge hier die britische INTREPID-Studie. Das Auge wird dabei aus drei Richtungen bestrahlt. Erst in der Makula treffen die Strahlen zusammen und entfalten dort ihre volle Wirkung – umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont. Die Ergebnisse der Studie sollen im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

„Für die trockene AMD sind ebenfalls vielversprechende Medikamente in der Entwicklung“, berichtet Bartz-Schmidt. „Bis diese verfügbar sind, können die Betroffenen vorerst versuchen, das Fortschreiten der Erkrankung durch eine gezielte Nahrungsergänzung zu verlangsamen.“ Die Kombination aus den Vitaminen C und E, Beta-Carotin, Zink und Kupfer hat in einer US-Studie (AREDS) eine gewisse Schutzwirkung erzielt. Derzeit werde untersucht, ob die Effektivität durch Xanthophyllen oder Omega-3-Fettsäuren verbessert werden kann.

Neue Ansätze in der AMD-Therapie sind ein Schwerpunkt des DOG-Kongresses und der Kongress-Pressekonferenz am 29. September 2011 in Berlin.

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Terminhinweis:
Kongress-Pressekonferenz
Termin: Donnerstag, 29. September 2011, 12.15 bis 13.15 Uhr
Ort: Estrel Convention Center, Raum Paris, Sonnenallee 225, 12057 Berlin
Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle 109. DOG-Kongress
Silke Stark/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572/-293
Telefax: 0711 8931-167
stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog-kongress.de/
http://www.dog.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm
18.09.2018 | Universität Ulm

nachricht Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung
18.09.2018 | Haus der Wissenschaft Braunschweig GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Im Focus: Patented nanostructure for solar cells: Rough optics, smooth surface

Thin-film solar cells made of crystalline silicon are inexpensive and achieve efficiencies of a good 14 percent. However, they could do even better if their shiny surfaces reflected less light. A team led by Prof. Christiane Becker from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) has now patented a sophisticated new solution to this problem.

"It is not enough simply to bring more light into the cell," says Christiane Becker. Such surface structures can even ultimately reduce the efficiency by...

Im Focus: Mit Nano-Lenkraketen Keime töten

Wo Antibiotika versagen, könnten künftig Nano-Lenkraketen helfen, multiresistente Erreger (MRE) zu bekämpfen: Dieser Idee gehen derzeit Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der Medizinischen Hochschule Hannover nach. Zusammen mit einem führenden US-Experten tüfteln sie an millionstel Millimeter kleinen Lenkraketen, die antimikrobielles Silber zielsicher transportieren, um MRE vor Ort zur Strecke zu bringen.

In deutschen Krankenhäusern führen die MRE jährlich zu tausenden, teils lebensgefährlichen Komplikationen. Denn wer sich zum Beispiel nach einer Implantation...

Im Focus: Schaltung des Stromflusses auf atomarer Skala

Forscher aus Augsburg, Trondheim und Zürich weisen gleichrichtende Eigenschaften von Grenzflächenkontakten im ferroelektrischen Halbleiter nach.

Die Grenzflächen zwischen zwei elektrisch unterschiedlich polarisierten Bereichen im Festkörper werden als ferroelektrische Domänenwände bezeichnet. In der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungen

Unbemannte Flugsysteme für die Klimaforschung

18.09.2018 | Veranstaltungen

Studierende organisieren internationalen Wettbewerb für zukünftige Flugzeuge

17.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Auf der InnoTrans 2018 mit innovativen Lösungen für den Güter- und Personenverkehr

18.09.2018 | Messenachrichten

Von den Grundlagen bis zur Anwendung - Internationale Elektrochemie-Tagung in Ulm

18.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

18.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics