Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kuratorium Deutsche Altershilfe zum Welt-Alzheimertag

21.09.2001


Türen öffnen zum Menschen mit Demenz
Auch wenn demenzielle Erkrankungen, wie zum Beispiel die Alzheimersche Krankheit derzeit noch nicht heilbar sind, so gibt es doch viele Wege, um die Lebensqualität der Betroffenen und der Menschen, die sich um sie kümmern, zu verbessern.

Auch wenn demenzielle Erkrankungen, wie zum Beispiel die Alzheimersche Krankheit derzeit noch nicht heilbar sind, so gibt es doch viele Wege, um die Lebensqualität der Betroffenen und der Menschen, die sich um sie kümmern, zu verbessern.
Denn auch Menschen mit Demenz können und wollen sich wohl fühlen. Das stellten Experten des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) anlässlich des heutigen Welt-Alzheimertages heraus. "Es geht darum, die richtigen ’Schlüssel’ zu finden, um in Kontakt mit der scheinbar verschlossenen und versunkenen Welt von Menschen mit Demenz zu gelangen", sagt die KDA-Pflegeexpertin Christine Sowinski. "Je mehr ’Schlüssel’ und damit ’Türöffner’ man findet, desto besser."
Wie viele solcher "Türöffner" es bereits gibt, zeigen die Ergebnisse einer zweijährigen, bundesweiten Recherche. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, hat das KDA nach bekannten und bislang unbekannten, ’kleinen’ und ’großen’ Ideen und Möglichkeiten gesucht, die den Alltag zum Beispiel von Menschen, die an der Alzheimerschen Krankheit leiden, lebenswerter machen. Bestehende Konzepte wurden dafür analysiert, strukturiert und zu zentralen Handlungsanleitungen in dem 600-seitigen "Qualitätshandbuch Leben mit Demenz" zusammengefasst. Das Buch wird am 1. Oktober auf der Tagung "Zugänge finden und erhalten in der Förderung, Pflege und Begleitung von Menschen mit Demenz und psychischen Veränderungen" in Bonn vorgestellt.

Feste Bezugspersonen auch in stationären Einrichtungen notwendig
Ein unverzichtbarer "Türöffner" ist für das KDA die so genannte "Bezugspersonenpflege". "Für Menschen mit Demenz ist es von elementarer Bedeutung, dass sie feste und vertraute Bezugspersonen haben", so Christine Sowinski, die auch zu den Autoren des "Qualitätshandbuchs" gehört. Denn ständig wechselnde Mitarbeiter aus Pflege und Hauswirtschaft - wie in den meisten stationären Einrichtungen Gang und Gäbe - würden gerade desorientierten alten Menschen, die sich nur schwer auf veränderte Situationen einstellen können, viel Stress und Angst bereiten. Ohne feste Bezugspersonen ist es zudem nicht möglich, einen stabilen Kontakt zu einem Menschen mit Demenz herzustellen und seine Biografie, seine Vorlieben sowie Abneigungen kennen zu lernen. "Es gibt zwar eine Vielzahl ’türöffnender’ und biografieorientierter Techniken, die einen Zugang zum Menschen ermöglichen", betont Handbuch-Mitautorin Britta Maciejewski, die bei ihren Recherchen auf sehr originelle Ideen gestoßen ist, wie Biografiearbeit aussehen kann. "Aber nur eine feste Bezugsperson ist mit diesem Wissen in der Lage, sich auf einen Menschen mit Demenz, seine Stimmungsschwankungen, seine Unruhe und auch auf seine Angst verstehend einzulassen."

Persönlicher Bezug durch kleine Wohneinheiten
Ein Bezug zu einem Menschen mit Demenz und seinen Erfahrungswelten wird wesentlich erleichtert, wenn sie in kleinen Wohneinheiten leben. Das KDA setzt sich daher dafür ein, auch Menschen mit Demenz das Leben in einer so genannten Hausgemeinschaft zu ermöglichen. Hier wohnen sechs bis acht Personen zusammen.
Um sie kümmern sich rund um die Uhr festen Bezugspersonen. Zentraler Bereich dieser Hausgemeinschaften sind die Wohnküchen, in denen die Bewohner das Gemeinschaftsleben nach ihren Bedürfnissen gestalten oder zumindest an ihm teilnehmen können.
Über 40 dieser Einrichtungen hat das KDA mittlerweile initiiert und begleitet. "Dieses System ist auch in herkömmlichen Einrichtungen möglich, indem große Wohnbereiche in kleinere Organisationseinheiten aufgeteilt werden", erklärt Klaus Besselmann, der ebenfalls Mitautor des "Qualitätshandbuches Leben mit Demenz" ist. Denn gerade Menschen mit Demenz seien sehr auf vertraute Tagesabläufe, Geräusche und Gerüche sowie ein überschaubares Umfeld angewiesen, wie es in solchen Wohngruppen möglich sei.

KDA gegen Sonderwohnformen
Das KDA wendet sich in diesem Zusammenhang gegen Sonderwohn- und Lebensformen von Menschen mit Demenz sowie gegen jegliche Form des Wegsperrens und Ausgrenzens. Trotzdem gehört das KDA damit nicht zu den Verfechtern einer Integration zwischen Demenz- und Nicht-Demenzkranken um jeden Preis. Wenn bestehende Wohnbereiche aufgeteilt werden oder Hausgemeinschaften neu bezogen werden, plädiert das KDA vielmehr dafür, darauf zu achten, ob die zukünftigen Bewohner einer Wohngruppe oder Hausgemeinschaft zueinander passen. Dabei sollte man sich immer an den individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen sowie Eigenschaften dieser Menschen orientieren. Dies ist eine viel wichtigere Voraussetzung für ein Zusammenleben, in dem sich die Bewohner gegenseitig stützen, als ein gemeinsames Krankheitsbild.

Wie die Bezugspersonenpflege umgesetzt werden kann und welche einfachen und kostengünstigen Möglichkeiten es gibt, Türen zum Menschen mit Demenz zu öffnen, zeigt das Qualitätshandbuch Leben mit Demenz:

Maciejewski, Britta; Sowinski, Christine; Besselmann, Klaus; Rückert, Willi (2001): Qualitätshandbuch Leben mit Demenz. Zugänge finden und erhalten in der Förderung, Pflege und Begleitung von Menschen mit Demenz und psychischen Veränderungen. Köln: Kuratorium Deutsche Altershilfe. Ringbuch im Schuber, 600 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. ISBN: 3-935299-19-2, DM 192,- / Euro 98,-


Einige Beispiele aus dem Qualitätshandbuch Leben mit Demenz werden in der Anfang Oktober erscheinenden Ausgabe 3/2001 von Pro ALTER, dem Magazin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, vorgestellt.
Pro ALTER ist zu beziehen beim Kuratorium Deutsche Altershilfe, An der Pauluskirche 3, 50677 Köln, Fax 0221/93 18 47-6, E-Mail: versand@kda.de. Das Magazin erscheint viermal im Jahr. Das Einzelheft kostet 8,50 DM (zuzüglich Versandkosten), das Jahresabonnement 29 DM (einschließlich Versandkosten).


Ansprechpartnerinnen im KDA für weitere Informationen: Britta Maciejewski und Ines Jonas

Hans Nakielski | idw
Weitere Informationen:
http://www.kda.de

Weitere Berichte zu: Demenz KDA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Erkenntnisse zur Schlaganfall-Rehabilitation: Entspannung besser als Laufbandtraining?
19.09.2019 | Universität Greifswald

nachricht Forscher entwickeln "Landkarte" für Krebswachstum
19.09.2019 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 'Nanochains' could increase battery capacity, cut charging time

How long the battery of your phone or computer lasts depends on how many lithium ions can be stored in the battery's negative electrode material. If the battery runs out of these ions, it can't generate an electrical current to run a device and ultimately fails.

Materials with a higher lithium ion storage capacity are either too heavy or the wrong shape to replace graphite, the electrode material currently used in...

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Im Focus: Happy hour for time-resolved crystallography

Researchers from the Department of Atomically Resolved Dynamics of the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter (MPSD) at the Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg, the University of Hamburg and the European Molecular Biology Laboratory (EMBL) outstation in the city have developed a new method to watch biomolecules at work. This method dramatically simplifies starting enzymatic reactions by mixing a cocktail of small amounts of liquids with protein crystals. Determination of the protein structures at different times after mixing can be assembled into a time-lapse sequence that shows the molecular foundations of biology.

The functions of biomolecules are determined by their motions and structural changes. Yet it is a formidable challenge to understand these dynamic motions.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

92. Neurologie-Kongress: Mehr als 6500 Neurologen in Stuttgart erwartet

20.09.2019 | Veranstaltungen

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungen

Thermodynamik – Energien der Zukunft

19.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ferroelektrizität verbessert Perowskit-Solarzellen

20.09.2019 | Energie und Elektrotechnik

HD-Mikroskopie in Millisekunden

20.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Kinobilder aus lebenden Zellen: Forscherteam aus Jena und Bielefeld 
verbessert superauflösende Mikroskopie

20.09.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics