Potenziale nutzen: Rad- und Fußgängerverkehr stärker fördern

Mehr Lebensqualität für Städte und Gemeinden – Umweltbundesamt stellt Leitfaden und Modellvorhaben vorMehr Fußgänger- und Radverkehr anstelle des Autoverkehrs verbessert die Lebensqualität in Stadt und Land erheblich. Aber: Immer weniger Menschen gehen in Deutschland zu Fuß, und der Radverkehr steigt auch nur geringfügig an. Wie der Rad- und Fußverkehr vor allem in kleinen und mittleren Kommunen gefördert werden kann, zeigt die Studie „Chancen des Rad- und Fußverkehrs als Beitrag zur Umweltentlastung“, die von der Planersocietät Dresden, der ISUP GmbH, Dresden und Schriftverkehr – Büro für Publizistik und Planung, Dortmund, im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) erstellt wurde.

Ein Modellprojekt mit den Auftragnehmern plan & rat und PGV (Planungsgemeinschaft Verkehr) hat gerade begonnen. In den Städten Lingen, Wittenberg und Plauen will das UBA zeigen, wie die Förderung von Fußgänger- und Radverkehr in der Praxis aussehen kann und wie wenig sie kostet.

Der erste Teil der Studie enthält einen Leitfaden mit Strategieansätzen und Maßnahmen. Ein attraktives Fußwegenetz beispielsweise muss engmaschig sein, geringe Beeinträchtigungen durch andere Verkehrsteilnehmer (auch Radfahrer) aufweisen und objektive und subjektive Sicherheitskriterien erfüllen. Wichtig sind auch Überschaubarkeit und eine fußgängerorientierte Ausstattung mit Wegweisern sowie eine gute Vernetzung mit dem Öffentlichen Personennahverkehr.

Im zweiten Teil wird in einer Defizitanalyse auf rechtliche und planerische Mängel sowie die Bedeutung des politischen Klimas, des Engagements der Verwaltung, der Verkehrssicherheit und der Öffentlichkeitsarbeit hingewiesen. Um konkret zu zeigen, wie Fußgänger- und Radverkehr gezielt gefördert werden kann, hat das Umweltbundesamt drei Modellstädte ausgewählt:

  • Lingen an der Ems,
  • die Lutherstadt Wittenberg und
  • Plauen in Sachsen.

Wichtigstes Ziel ist es, ein fußgänger- und fahrradfreundliches Klima in der Verkehrspolitik und im täglichen Miteinander aller Verkehrsteilnehmer zu erreichen.

Das UBA fördert die Entwicklung eines umfassenden Handlungskonzepts, das neben Infrastrukturmaßnahmen auch eine unterstützende Öffentlichkeitsarbeit, ein breit gefächertes Service-Angebot sowie eine Vernetzung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln enthält.

So kann das Zufußgehen und das Fahrradfahren wieder zu einer lohnenswerten und sicheren Alternative zur Fahrt mit dem Auto werden – mit Spaß, Entspannung und Gesundheitsvorsorge für den einzelnen, einer gesteigerten Aufenthaltsqualität in den Städten und Klimaschutz für alle.

Mit dem Modellprojekt soll gezeigt werden, dass es möglich ist, den Anteil der Fußgänger und Radfahrer am Verkehr innerhalb kurzer Zeit deutlich zu steigern. Hierfür sollen in intensiver Zusammenarbeit zwischen den Modellstädten. den Auftragnehmern und dem Umweltbundesamt kosteneffektive, innovative und unkonventionelle Lösungen erdacht und in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Hintergrund:

Über 20 Jahre Forschung bei der Fahrradverkehrsförderung und das Engagement von Interessenverbänden haben dazu geführt, dass sich die Situation des Radverkehrs in einigen Kommunen deutlich verbessert hat. In vielen Städten und Gemeinden sind indes kaum oder gar keine Fortschritte erkennbar. Trotz Novellierung der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 95), der Fahrradnovelle der Straßenverkehrordnung (StVO) und des ersten Berichts der Bundesregierung über die Situation des Fahrradverkehrs in Deutschland: Ein alltägliches Verkehrsmittel ist das Fahrrad bei uns noch lange nicht.

Viel weniger als der Radverkehr wird der Fußverkehr als eigenständige Art der Fortbewegung wahrgenommen. In der Verkehrsplanung taucht er, wenn überhaupt, meist nur als Restgröße auf, und in der Forschung spielt er bisher auch nur eine Nebenrolle, obwohl die Zahl der Fußwege trotz rückläufiger Tendenz immer noch höher liegt als die des Radverkehrs oder der anderen Verkehrsmittel.

Häufig wird Radverkehr zu Lasten der Fußgänger gefördert, zum Beispiel, indem der Fußweg durch Abtrennung eines Radweges noch schmaler wird. Dies soll in dem Modellprojekt vermieden werden.

! Die Veröffentlichung „Chancen des Rad- und Fußgängerverkehrs als Beitrag zur Umweltentlastung (Leitfaden und Defizitanalyse)“ ist in der Reihe TEXTE des Umweltbundesamtes als Nummer 32/2001 erschienen. Sie umfasst 60 Seiten, kostet DM 15 (€ 7,67) und kann gegen Zusendung eines Verrechnungsschecks an die
Firma
Werbung und Vertrieb,
Ahornstraße 1-2,
10787 Berlin, bestellt werden.

Bitte unbedingt die TEXTE-Nummer und den Namen des Bestellers angeben. Die Studie kann auch via Internet bestellt werden.

Informationen über das Modellprojekt „Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt“ gibt es bei Dr. Annette Rauterberg-Wulff, Telefon 030/89 03-2058 und Alice Döldissen, Telefon -2620.

Ansprechpartner für Medien

Karsten Klenner idw

Weitere Informationen:

http://www.umweltbundesamt.de

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