Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kassels Umlandgemeinden "altern" stärker. UNIK-Wissenschaftler zeigt Trend und mögliche Konsequenzen

09.02.2006


Die Umlandgemeinden der Großstadt Kassel werden in nächster Zukunft einen deutlich höheren Anteil alter Menschen haben als Kassel selbst. Auf diese Zahlen hat der Kasseler Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Fred Karl als ein Ergebnis der jetzt veröffentlichten Bertelsmannstudie zur demografischen Entwicklung verwiesen.


Die Umlandgemeinden der Großstadt Kassel werden in nächster Zukunft einen deutlich höheren Anteil alter Menschen haben als Kassel selbst. Auf diese Zahlen hat der Kasseler Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Fred Karl als ein Ergebnis der jetzt veröffentlichten Bertelsmannstudie zur demografischen Entwicklung verwiesen. Karl hatte jüngst seine Untersuchung "Älter werden in Schauenburg" vorgestellt, die sich wandelnde Vorstellungen und vom Leben im Alter zu Tage gebracht hatte.

"Der Stadt Kassel, seit zwei Jahrzehnten eine der bundesdeutschen Städte mit dem höchsten Altersdurchschnitt, stehen weniger gravierende Alterungsprozesse als den Gemeinden und Landkreisen im Umland ins Haus", sagt Karl und verweist auf die Zahlen der Bertelsmann-Studie: Spürbarer "ergraut" zum Beispiel das in den 60er Jahren noch so junge Baunatal. Sind in beiden Städten derzeit jeweils ein Viertel der Bevölkerung im Alter über 60 Jahren (genau: 25,6 %), so wird in Baunatal in 15 Jahren jede dritte Person (33,7 %) über diesem Alter sein. In Kassel sind es dann 29 %.


Den kommenden Unterschied in beiden Städten macht ein Durchschnittsmaß noch deutlicher. Derzeit ist in Kassel jeweils die Hälfte der Bevölkerung unter und die andere Hälfte über dem Alter von 41 Jahren (in Baunatal 42 Jahre). Im Jahre 2020 wird sich die Szene verändert haben: dieser sog. Medianwert liegt dann für Kassel bei 44 Jahren, bei Baunatal jedoch bei 49 Jahren. Die Entwicklung bei den Hochaltrigen weist noch stärkere Unterschiede auf. In Baunatal verdoppelt sich der Anteil der über 80-Jährigen von derzeit 3,4 % auf 8,7 % der Einwohnerschaft. In Kassel jedoch lag dieser Anteil bereits seit Jahren schon relativ hoch und verändert sich von derzeit 5,8 nur noch um einen Prozentpunkt auf 6,9 in fünfzehn Jahren. In absoluten Zahlen geht in Kassel zwischenzeitlich die Zahl der über 80-Jährigen sogar leicht zurück, erst nach 2015 steigt sie wieder deutlich an.

"Der jahrelange hohe Altersanteil in Kassel hat in den letzten Jahren zum Neubau von Alten- und Pflegeheimen geführt. Eröffnet wurden große Häuser in der Schönfelder Straße und auf der Marbachshöhe, weitere Neubauten sind von Investoren für Jungfernkopf und Nordstadt angekündigt. Wer soll all diese Plätze in den kommenden 10 Jahren belegen?" fragt Karl. Vielleicht die alten Menschen aus Baunatal und andere Umlandgemeinden, die teilweise noch stärkere Alterungen zu verzeichnen haben. Nach den Daten der Bertelsmann-Stiftung werden bis 2020 folgende Gemeinden sogar über 36 % Menschen im Alter von "60plus" verzeichnen:

o Zierenberg (37,1 % ab 60 Jahren),
o Vellmar und Hofgeismar (je 36,7 %),
o Fuldatal und Fuldabrück (36,3 und 36,2 %)
o und Ahnatal (35,7 %).

Allerdings treten Hochrechnungen nur dann wirklich ein, so betont Prof. Karl, sollten die angelegten Trends unbeeinflusst bleiben. Prognosen haben in der Regel die Funktion, Bewusstsein zu schaffen und Interventionen anzuregen. So sieht die Bertelsmann-Stiftung für die Gemeinden in Nordhessen "dringenden Handlungsbedarf". Sie empfiehlt, die Kinder- und Familienfreundlichkeit zu verbessern und "Bausteine einer zukunftsorientierten Seniorenpolitik vor Ort in praktikable Modelle zu überführen". Als Maßnahmen zur Nutzung des Erfahrungswissens Älterer werden die Durchführung von aktivierenden Befragungen und die Initiierung neuer Beteiligungsverfahren wie Zukunftswerkstätten und Initiativgruppen genannt.

Karl sieht darin eine Bestätigung für die von ihm geleitete Studie "Älterwerden in Schauenburg". Sie hat in den fünf Ortsteilen der nordhessischen Gemeinde nicht nur die Einstellungen und Erwartungen der 40plus-Generation zum Älterwerden erforscht, sondern dort auch erfolgreich Initiativgruppen zu Themen des Älterwerdens und Zusammenlebens in der Gemeinde ins Laufen gebracht.

Info Universität Kassel
Prof. Dr. Fred Karl
Institut für Sozialpädagogik und Soziologie der Lebensalter
Fachbereich Sozialwesen
tel (0561) 804 2928
(0561) 804 2930/-2910 (Frau Friedrich ab 14 Uhr)
e-mail fredkarl@uni-kassel.de

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Berichte zu: Sozialwissenschaftler Umlandgemeinde

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Der ängstliche Nao - Wenn Menschen emotional auf Roboter reagieren
14.08.2018 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Mit stochastischer Spieltheorie zu mehr Kooperation
05.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Im Focus: Bio-Kunststoffe nach Maß

Zusammenarbeit zwischen Chemikern aus Konstanz und Pennsylvania (USA) – gefördert im Programm „Internationale Spitzenforschung“ der Baden-Württemberg-Stiftung

Chemie kann manchmal eine Frage der richtigen Größe sein. Ein Beispiel hierfür sind Bio-Kunststoffe und die pflanzlichen Fettsäuren, aus denen sie hergestellt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

Gesundheitstipps und ein virtueller Tauchgang zu Korallenriffen

20.09.2018 | Veranstaltungen

Internationale Experten der Orthopädietechnik tagen in Göttingen

19.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bei Depressionen ist Hirnregion zur Stresskontrolle vergrößert

20.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Was Einstein noch nicht wusste

20.09.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics