Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die gesetzliche Regelung der Patientenverfügung

24.01.2006


RUB-Publikation hilft bei Unsicherheiten


Entscheidung über Leben und Tod
Hilfe bei Unsicherheiten und Wissenslücken



Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die man als Angehöriger oder Arzt eines nicht mehr ansprechbaren Patienten zu treffen hat: Wann stellt man die Maschinen ab, die den unheilbar Kranken am Leben halten? Damit in solch einem Fall im Sinne des Patienten gehandelt wird, stellen viele Menschen schon frühzeitig eine so genannte Patientenverfügung aus. Dennoch ist auch die kein Garant dafür, dass dem Willen des Patienten entsprochen wird, wie eine RUB-Publikation verdeutlicht. Gründe dafür sind Unsicherheiten und Wissenslücken bei Ärzten, Juristen und Angehörigen. In der Broschüre "Die gesetzliche Regelung der Patientenverfügung in Deutschland" (aus der Reihe "Medizinische Materialien, Heft 162, Hg: Prof. Dr. Hans-Martin Sass, Prof. Dr. Burkard May, Prof. Dr. Michael Zenz, M.A., Zentrum für Medizinische Ethik der RUB), zeigt ein Autorenteam aus Medizinern und Juristen die bestehenden rechts- und gesellschaftspolitischen Gestaltungsspielräume auf, die in diesem Zusammenhang bestehen.

Unsicherheiten und Wissenslücken

Die derzeitige rechts- und gesellschaftspolitische Diskussion über Patientenverfügungen ist geprägt von einer Vielzahl von Unsicherheiten und Wissenslücken bei Ärzten, Juristen und Angehörigen. Folge davon ist, dass Fehlannahmen und Irrtümer die Debatte in der Öffentlichkeit, Politik und in den Medien immer stärker prägen. Der Fall der Koma-Patientin Terri Schiavo aus den USA ist das jüngste Beispiel für die eskalierende Sterbehilfedebatte. Wann handelt man im Sinne des Patienten? Wie weit darf die ärztliche und soziale Fürsorge gehen? Antworten auf diese Fragen gibt das interdisziplinäre Autorenteam durch eine offene, differenzierte und vorurteilslose Analyse der bestehenden Gesetze.

Emotionen beeinflussen die Entscheidungen

Im ersten Kapitel treffen die Autoren zunächst eine Reihe grundsätzlicher Klarstellungen. Zum Beispiel, dass sogar speziell geschulte Ärzte aufgrund von Emotionen und Unsicherheiten in 40 bis 50 Prozent der Fälle eine objektiv falsche Entscheidung treffen und den Patienten am Leben erhalten. Im nächsten Kapitel wird das besonders schwierige Verhältnis zwischen Selbstbestimmung des Patienten und Fürsorge der Pflegenden behandelt. So ist die künstliche Ernährung keine unverzichtbare Basisversorgung, sondern eine Behandlungsmaßnahme, die nach kritischer Prüfung auch unterlassen werden kann. Dennoch befürchten Pflegende, der Patient würde hierbei auf grausame Weise verhungern oder verdursten. Psychologisch ist das verständlich, medizinisch aber absolut unzutreffend. Zum Schluss diskutieren die Autoren die rechts- und gesellschaftspolitischen Gestaltungsspielräume, die im Rahmen eines denkbaren Gesetzgebungsverfahrens verbleiben.

Empirische Erkenntnisse

Die Autoren referieren eine Vielzahl empirischer Erkenntnisse aus den Bereichen Medizin, Medizinethik, Sozialwissenschaften und Recht. Dabei belegen sie eindrucksvoll, dass die Mehrheit von Ärzten, Patienten, Angehörigen und Gesamtbevölkerung die Patientenverfügungen befürwortet. Einvernehmlich würden diese Gruppen eine möglichst liberale Regelung dieser Fragen durch den Gesetzgeber begrüßen. Dennoch verkennen viele der derzeit erhobenen Einwände gegen entsprechende Klarstellungen durch den Gesetzgeber die tatsächlichen Problemlagen. Das Heft gibt eine Übersicht über die derzeitig geführten Diskussionen und stellt Irrtümer richtig, die sich um das Thema Patientenerfügung ranken.

Titelaufnahme

Strätling, Meinolfus; Bartmann, Franz-Joseph; Fieber, Ulrich; Sedemund-Adib, Beate; Scharf, Edwin; Schmucker, Peter: Die gesetzliche Regelung der Patientenverfügung in Deutschland: Eine interdisziplinäre Analyse rechts- und gesellschaftspolitischer Gestaltungsspielräume im Spannungsfeld zwischen ärztlicher und sozialer Fürsorge, Respekt vor der Selbstbestimmung des Patienten, Schadensvermeidung und Lebensschutz (= Medizinethische Materialien, Bd. 162), Bochum 2005, ISBN 3-931993-43-4, 6 Euro

Weitere Informationen

Zentrum für medizinische Ethik Bochum, Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-22749-50, Fax: 0234/32-14598, E-Mail: Med.Ethics@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Ohne Berufsausbildung fünfmal so hohe Arbeitslosenquote
15.10.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht Mittelstädte wachsen nicht nur im Süden
15.10.2019 | Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Machine learning microscope adapts lighting to improve diagnosis

Prototype microscope teaches itself the best illumination settings for diagnosing malaria

Engineers at Duke University have developed a microscope that adapts its lighting angles, colors and patterns while teaching itself the optimal...

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

3D-Landkarten der Genaktivität

21.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Rekord-Gammastrahlenblitz aus den Tiefen des Weltraums

21.11.2019 | Physik Astronomie

Gammablitz mit Ultra-Strahlkraft: MAGIC-Teleskope beobachten bisher stärksten Gammastrahlen-Ausbruch

21.11.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics