Die gesetzliche Regelung der Patientenverfügung

RUB-Publikation hilft bei Unsicherheiten

Entscheidung über Leben und Tod
Hilfe bei Unsicherheiten und Wissenslücken

Es ist eine der schwierigsten Entscheidungen, die man als Angehöriger oder Arzt eines nicht mehr ansprechbaren Patienten zu treffen hat: Wann stellt man die Maschinen ab, die den unheilbar Kranken am Leben halten? Damit in solch einem Fall im Sinne des Patienten gehandelt wird, stellen viele Menschen schon frühzeitig eine so genannte Patientenverfügung aus. Dennoch ist auch die kein Garant dafür, dass dem Willen des Patienten entsprochen wird, wie eine RUB-Publikation verdeutlicht. Gründe dafür sind Unsicherheiten und Wissenslücken bei Ärzten, Juristen und Angehörigen. In der Broschüre „Die gesetzliche Regelung der Patientenverfügung in Deutschland“ (aus der Reihe „Medizinische Materialien, Heft 162, Hg: Prof. Dr. Hans-Martin Sass, Prof. Dr. Burkard May, Prof. Dr. Michael Zenz, M.A., Zentrum für Medizinische Ethik der RUB), zeigt ein Autorenteam aus Medizinern und Juristen die bestehenden rechts- und gesellschaftspolitischen Gestaltungsspielräume auf, die in diesem Zusammenhang bestehen.

Unsicherheiten und Wissenslücken

Die derzeitige rechts- und gesellschaftspolitische Diskussion über Patientenverfügungen ist geprägt von einer Vielzahl von Unsicherheiten und Wissenslücken bei Ärzten, Juristen und Angehörigen. Folge davon ist, dass Fehlannahmen und Irrtümer die Debatte in der Öffentlichkeit, Politik und in den Medien immer stärker prägen. Der Fall der Koma-Patientin Terri Schiavo aus den USA ist das jüngste Beispiel für die eskalierende Sterbehilfedebatte. Wann handelt man im Sinne des Patienten? Wie weit darf die ärztliche und soziale Fürsorge gehen? Antworten auf diese Fragen gibt das interdisziplinäre Autorenteam durch eine offene, differenzierte und vorurteilslose Analyse der bestehenden Gesetze.

Emotionen beeinflussen die Entscheidungen

Im ersten Kapitel treffen die Autoren zunächst eine Reihe grundsätzlicher Klarstellungen. Zum Beispiel, dass sogar speziell geschulte Ärzte aufgrund von Emotionen und Unsicherheiten in 40 bis 50 Prozent der Fälle eine objektiv falsche Entscheidung treffen und den Patienten am Leben erhalten. Im nächsten Kapitel wird das besonders schwierige Verhältnis zwischen Selbstbestimmung des Patienten und Fürsorge der Pflegenden behandelt. So ist die künstliche Ernährung keine unverzichtbare Basisversorgung, sondern eine Behandlungsmaßnahme, die nach kritischer Prüfung auch unterlassen werden kann. Dennoch befürchten Pflegende, der Patient würde hierbei auf grausame Weise verhungern oder verdursten. Psychologisch ist das verständlich, medizinisch aber absolut unzutreffend. Zum Schluss diskutieren die Autoren die rechts- und gesellschaftspolitischen Gestaltungsspielräume, die im Rahmen eines denkbaren Gesetzgebungsverfahrens verbleiben.

Empirische Erkenntnisse

Die Autoren referieren eine Vielzahl empirischer Erkenntnisse aus den Bereichen Medizin, Medizinethik, Sozialwissenschaften und Recht. Dabei belegen sie eindrucksvoll, dass die Mehrheit von Ärzten, Patienten, Angehörigen und Gesamtbevölkerung die Patientenverfügungen befürwortet. Einvernehmlich würden diese Gruppen eine möglichst liberale Regelung dieser Fragen durch den Gesetzgeber begrüßen. Dennoch verkennen viele der derzeit erhobenen Einwände gegen entsprechende Klarstellungen durch den Gesetzgeber die tatsächlichen Problemlagen. Das Heft gibt eine Übersicht über die derzeitig geführten Diskussionen und stellt Irrtümer richtig, die sich um das Thema Patientenerfügung ranken.

Titelaufnahme

Strätling, Meinolfus; Bartmann, Franz-Joseph; Fieber, Ulrich; Sedemund-Adib, Beate; Scharf, Edwin; Schmucker, Peter: Die gesetzliche Regelung der Patientenverfügung in Deutschland: Eine interdisziplinäre Analyse rechts- und gesellschaftspolitischer Gestaltungsspielräume im Spannungsfeld zwischen ärztlicher und sozialer Fürsorge, Respekt vor der Selbstbestimmung des Patienten, Schadensvermeidung und Lebensschutz (= Medizinethische Materialien, Bd. 162), Bochum 2005, ISBN 3-931993-43-4, 6 Euro

Weitere Informationen

Zentrum für medizinische Ethik Bochum, Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-22749-50, Fax: 0234/32-14598, E-Mail: Med.Ethics@ruhr-uni-bochum.de

Media Contact

Dr. Josef König idw

Weitere Informationen:

http://www.ruhr-uni-bochum.de/

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