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Viele Kinder leiden unter Psychostress, Schlaflosigkeit und Kopfschmerz

04.07.2001


Jedes fünfte Kind in Deutschland ist psychisch oder körperlich so angeschlagen, dass es Hilfe bräuchte. Dies ergab die erste bundesweite Studie über die seelische und körperliche Gesundheit von 4-bis 18-Jährigen. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Magazins stern von der Hamburger Universität durchgeführt. Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Auch viele Sprösslinge aus so genannten heilen Familien leiden - aber die Eltern merken oft nichts.

Wie aus der Datenerhebung weiter hervorgeht, hat fast jeder dritte Jugendliche Albträume, die ihn mindestens gelegentlich quälen. Rund jeder Dritte leidet unter Phobien wie Angst vor Dunkelheit oder Tieren, ist häufig oder mindestens manchmal deprimiert und macht sich zu viele Sorgen. Rund 46 Prozent schlagen sich mit Konzentrationsproblemen herum, 40,3 Prozent können manchmal einfach nicht still sitzen, und 30,9 Prozent kauen auf ihren Nägeln.

Laut stern-Studie leidet jeder Zweite unter plötzlichen Stimmungswechseln, 52,2 Prozent sind gelegentlich oder häufig misstrauisch, und den Drang nach Perfektionismus beklagen rund 36 Prozent. Etwa 27 Prozent sind gelegentlich verwirrt oder zerstreut.

Offenbar ist der innere Druck bei vielen so groß, dass zehn Prozent über nahezu ständige Kopfschmerzen klagen und 2,5 Prozent häufig Magenschmerzen haben. Über bleierne Müdigkeit berichten 5,4 Prozent der Jugendlichen. Besonders besorgniserregend: 10,3 Prozent der Befragten haben Angst vor der Schule. 4,1 Prozent haben sich schon absichtlich selbst verletzt oder versucht, sich umzubringen, 4,9 Prozent denken über Selbstmord nach. Viele Eltern, so zeigen die Ergebnisse, ahnen überhaupt nicht, welche Leiden ihre Kinder belasten. Nicht einmal jedes achte Elternpaar der Kinder, die sich mutwillig selbst verletzen oder einen Selbstmordversuch begehen, weiß überhaupt davon.

Auch mit der körperlichen Fitness ist es bei den Jugendlichen nicht weit her: 6,2 Prozent klagen über Asthma, 19,7 Prozent leiden häufig oder mindestens manchmal an Allergien. Jeder fünfte Jugendliche hat gelegentlich Hautprobleme. Nach der stern-Untersuchung haben außerdem 6,8 Prozent häufig oder dauernd Rückenschmerzen, weitere 13,5 Prozent mindestens zuweilen - oft Folge von Haltungsschäden, die viele Kinder den täglichen Stunden vor Fernseher und Computer verdanken. 17,5 Prozent aller Jugendlichen haben Gewichtsprobleme, und rund ein Viertel der Mädchen und Jungen treibt überhaupt keinen Sport.

Die stern-Studie belegt eindeutig, dass wohlbehütete Kinder am oberen Ende der sozialen Skala nicht unbedingt gesünder sind. Im Gegenteil: Der Akademiker- und Unternehmernachwuchs neigt zum Teil noch stärker zu Auffälligkeiten als Kinder sozial schwacher Eltern. Michael Schulte-Markwort, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die Daten ausgewertet hat, sagt: "Die unbeschwerte Kindheit - das ist ein Mythos."

Für die Studie befragte das Kölner Psydata-Institut 2000 repräsentativ ausgewählte Familien mit Kindern im Alter zwischen 4 und 18 Jahren. Neben den Eltern wurden 1065 Jugendliche aus diesen Familien zwischen 11 und 18 Jahren interviewt.

Nachrichtenredaktion | ots

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