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Max-Planck-Forschungspreis für Prof. Dr. Hans Joas

08.12.2015

Mit dem mit 750.000 Euro dotierten Max-Planck-Forschungspreis, der gemeinsam von der Max-Planck-Gesellschaft und der Alexander von Humboldt-Stiftung jährlich an zwei international renommierte Wissenschaftler verliehen wird, wird heute Abend in Berlin Prof. Dr. Hans Joas, der ehemalige Leiter des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt und Mitglied von dessen wissenschaftlichem Beirat, ausgezeichnet.

Der Preis, der in diesem Jahr zum Themengebiet „Religion und Moderne. Säkularisierung, gesellschaftliche und religiöse Pluralität“ ausgeschrieben war, wird durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, und Prof. Dr. Helmut Schwarz, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, sowie Prof. Dr. Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, überreicht.

Mit dem Preisgeld sollen in den kommenden fünf Jahren eine Distinguished Robert Bellah-Fellowship, Junior Fellowships und Stipendien für Nachwuchswissenschaftler sowie eine Reihe von Workshops und Tagungen mit dem Max-Weber-Kolleg realisiert werden. Das Max-Weber-Kolleg ist mit seinem Weberschen Forschungsprogramm ein idealer Ort, um Forschungsvorhaben zu diesem Themengebiet aufzunehmen und zu begleiten.

„Wir freuen uns, durch die Mittel des Max-Planck-Forschungspreises an Hans Joas einen weiteren wichtigen Impuls für die historisch-vergleichende Forschung zu Religion und Moderne am Max-Weber-Kolleg ermöglichen zu können und freuen uns auf eine fruchtbare Zusammenarbeit“, erklärt Hartmut Rosa, der Direktor des Max-Weber-Kollegs.

Zum Forschungsgebiet von Prof. Dr. Hans Joas zählt u.a. das Verhältnis von Religion und Moderne. Hier entstehen oft Spannungsfelder, in denen sich Nichtgläubige und religiös geprägte Menschen verständnislos, wenn nicht gar feindlich gegenüber stehen, ebenso Angehörige verschiedener Religionen.

Hans Joas sucht nach dem Verbindenden und Möglichkeiten der Verständigung und hat dazu ein Modell entwickelt, mit dem man religiöse Erfahrungsmuster deuten und beschreiben kann. Ausgangspunkt aller religiösen Erfahrung, aber auch aller Erfahrungen, die Menschen bis in ihr Innerstes berühren, sind Phänomene der ‚Selbsttranszendenz‘, also Phänomene, in denen man das Gefühlt hat, über sich selbst hinaus zu wachsen, sich verbunden fühlt mit der Natur, dem Meer, dem Wald, sich verliebt oder aber auch religiöse Erfahrungen macht.

Religiöse Menschen deuten allerdings diese Erfahrungen, die jeder Mensch macht, in einer anderen Weise und eröffnen sich dadurch neue Erfahrungsmöglichkeiten. Hinzu kommt schließlich, dass eine Transzendenz im religiösen Sinne Teil dieses Deutungsmusters sein kann, womit gemeint ist, dass Gott, Götter oder auch ein göttliches Prinzip nicht einfach Teil des menschlichen Universums, seines Wissens und seines Erfahrungshorizontes ist, sondern darüber hinaus geht, also ‚nicht von dieser Welt‘ ist.

Diese Idee der Transzendenz kam etwa 800-200 Jahre vor Christus auf in der so genannten Achsenzeit, in der auch die großen Weltreligionen wie Christentum, Hinduismus, Buddhismus wie auch die antike Philosophie ihre Wurzeln haben. Diese gemeinsame Wurzel kann einen friedlichen Dialog zwischen Weltreligionen ermöglichen.

Für den tatsächlichen Dialog in religiös aufgeladenen Konflikten ist allerdings die Betrachtung der jeweiligen historischen, politischen, ökonomischen Situation von besonderer Bedeutung. Der interreligiöse Dialog ist daher auch von politischen Entscheidungen massiv beeinflusst.

In jüngerer Zeit hat Hans Joas versucht, Religion und Moderne zusammenzuführen, insbesondere über die Untersuchung der Menschenrechte und die Frage, ob diese rein westlich seien. Mit seiner Vorstellung eines Prozesses der Sakralisierung des Menschen gibt er eine Neuinterpretation der Menschenrechtsgeschichte und schafft damit den Ausgangspunkt für Überlegungen zu einer Geschichte des moralischen Universalismus in globaler Perspektive.

Carmen Voigt | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-erfurt.de

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