Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Krapfen sollte die Ausnahme bleiben

17.06.2010
Ernährungswissenschaftlerin der Universität Jena wird OECOTROPHICA-Preis 2010 verliehen

Riesenchance für Klose! Knapp daneben! – Die Fußball-WM bedeutet für viele Zuschauer vier Wochen Ausnahmezustand. Das heißt auch, dass Bier und Snacks ganz selbstverständlich dazugehören. Doch der übermäßige Verzehr von Pommes und Süßwaren ist meist durch deren hohen Fettanteil bedenklich. Auch weil manche Produkte trans-Fettsäuren enthalten.

Eine hohe Aufnahme von trans-Fettsäuren steht im Verdacht, Herzerkrankungen zu begünstigen. Diese Fettsäuren entstehen, wenn pflanzliche Öle unter hohen Temperaturen gehärtet werden. Im Prozess des Härtens wird die Molekülstruktur der Öle verändert. Im Gegensatz dazu gibt es natürlich vorkommende trans-Fettsäuren, die in Milch oder Butter zu finden sind und in gesundheitsfördernde konjugierte Linolsäuren (CLA) umgewandelt werden können.

Der Ernährungswissenschaftlerin Melanie Bähr von der Universität Jena wird heute (17. Juni) in Leipzig der OECOTROPHICA-Preis 2010 verliehen. Geehrt wird die 24-jährige Wissenschaftlerin für ihre Diplomarbeit „Fettsäurenverteilung in Lebensmitteln und Humangeweben mit Fokus auf trans-Fettsäuren und konjugierte Linolsäuren“. Vergeben wird der mit 750 Euro dotierte Preis in der Kategorie Humanernährung während der 9. Dreiländertagung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin, der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft Klinische Ernährung und der Gesellschaft für Klinische Ernährung der Schweiz. Die Tagung ist zugleich als Jahrestagung 2010 des Verbandes der Oecotrophologen ausgeschrieben und steht unter dem Motto „Ernährung 2010 – Mitten in der Medizin“.

Melanie Bähr hat für ihre Diplomarbeit „kritische Lebensmittel“ unter die Lupe genommen: „Ich habe mich auf Lebensmittel konzentriert, die in vorangegangenen Studien durch hohe trans-Fettsäurengehalte aufgefallen sind“, sagt Bähr. Dazu zählen Pommes frites, diverse Riegel, Snacks und Bäckereiprodukte wie Schweinsohren, Krapfen und Spritzringe. Melanie Bähr hat ihre Proben auf sämtliche trans-Fettsäuren untersucht. Zu den insgesamt 229 Proben gehören neben tiefgefrorenen Backwaren und Pommes auch Bio-, Diät- und Kinderprodukte aus dem Supermarkt und vom Discounter.

Über ein Netzwerk von Freunden aus dem gesamten Bundesgebiet bekam Bähr Pommes von bekannten Fastfood-Ketten gesandt, die Backwaren stammen von sämtlichen Anbietern im Jenaer Stadtgebiet.

Ihre Ergebnisse fielen durchwachsen aus: Generell haben die Gehalte der „kritischen“ trans-Fettsäuren in den Produkten abgenommen, sagt Melanie Bähr. Dabei seien keine Abstriche an Aussehen und Geschmack der Lebensmittel festzustellen. Allerdings gebe es deutliche „Ausreißer“ insbesondere bei Süßigkeiten und Backwaren. Melanie Bähr hatte einen Spritzring unter ihren Proben, der 4,6 Gramm an trans-Fettsäuren enthielt. Ernährungsrichtlinien empfehlen je nach Energieaufnahme eine maximale Aufnahme von 2 bis 3 Gramm pro Tag. „Dieser Wert kann von sogenannten Vielverzehrern leicht überschritten werden“, sagt Bähr. Gerade für Kinder und Herz-Kreislauf-Patienten kann eine hohe trans-Fettsäurenaufnahme nachteilig sein.

Melanie Bähr betont, dass es keinen Grund zur Panikmache gibt: „Wer sich ausgewogen ernährt und dabei ab und zu Süßes verzehrt, muss keine Gesundheitsschäden befürchten.“ Irritiert habe sie jedoch, dass die überwiegende Zahl der Bäckerei-Angestellten offenbar noch nie etwas von trans-Fettsäuren gehört hatte, sagt Bähr. Wer sich gesundheitsbewusst ernähren möchte, sollte deshalb besser Lebensmittel mit einem hohen Fettanteil und Produkte mit der Aufschrift „gehärtetes Pflanzenfett“ meiden. Das kann ein Hinweis auf einen erhöhten Gehalt an trans-Fettsäuren sein. Wer darauf achtet, kann seinen WM-Snack bewusst genießen.

Kontakt:
Melanie Bähr / Dr. Katrin Kuhnt / Prof. Dr. Gerhard Jahreis
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949619
E-Mail: m.baehr85[at]gmail.com / katrin.kuhnt[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Backwaren Ernährung Fettanteil Krapfen Linolsäure OECOTROPHICA-Preis Pommes Snacks

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht GFOS-Innovationsaward 2019: Anmeldung ab sofort möglich
13.12.2018 | GFOS mbH

nachricht Röhrchen statt Platten: 2,5 Millionen Euro für Entwicklung neuartiger Elektrolysezelle
13.12.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics