Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fritz Thyssen Stiftung finanziert das Projekt "Gela" des Institutes für Archäologie

21.05.2003


Die Fritz Thyssen Stiftung hat die weitere Finanzierung des Projektes "Gela" des Institutes für Archäologie zugesagt. Die Archäologen der Ruhr Universität Bochum erforschen in ihrer Studie die Siedlungsstruktur in der Umgebung der antiken griechischen Koloniestadt Gela auf Sizilien und haben dort bereits mehr als 20 Höfe gefunden. Mit den 35 000 Euro der Thyssen Stiftung sind auch die geplanten Untersuchungen vor Ort im Herbst diesen Jahres gesichert. Bisher finanzierte die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Projekt.

... mehr zu:
»Archäologie »Kolonisation

Friedliche Kolonisation

Die griechischen Einwanderer gründeten auf Sizilien 688 v. Chr. die Stadt Gela, rund 100 Kilometer vom Vulkan Ätna entfernt. Auf den Hügeln um den neuen Ort lebten weiterhin die Einheimischen. Die Wissenschaftler wollen mehr darüber erfahren, wie die Besiedlung der Griechen und das soziale und wirtschaftliche Zusammenleben mit den Sizilianern ablief. "Wir wollen die Frage beantworten, ob man diese Kolonisation zum Beispiel mit der Kolonisation von Nord- oder Südamerika vergleichen kann. Denn letztere wurden mit militärischen Mitteln erreicht. Bei Gela scheint es eher, das die Kolonisation im Konsens stattfand", so Projektleiter Prof. Dr. Johannes Bergemann.


Erste Erkenntnisse

Die Vorbereitungen zu den archäologischen Untersuchungen des Geländes rund um Gela begannen 1997. Insgesamt wollen die Historiker ein Areal von 200 Quadratkilometern genau studieren. Dafür verwenden sie die so genannte Survey-Methode, bei der das Gelände zu Fuß Stück für Stück abgelaufen wird. "Wir sammeln alle Reste aus der antiken Zeit. Meist sind das Keramikscherben, die durch Pflügen oder Regen an die Oberfläche kommen", sagt Bergemann. In den ersten beiden Untersuchungsphasen im September/Oktober 2002 und März 2003 untersuchten Dozenten und Studierende 25 Quadratkilometer. Insgesamt 22 Gehöfte haben die Archäologen entdeckt. "Wenn wir Dachziegel finden, Gebrauchskeramik für die Küche, zum Beispiel Krüge für Öl und Wein, Reibsteine zum Getreidemalen und Websteine, können wir daraus schließen, dass an dieser Stelle einmal ein Hof gestanden hat. Scherben halten länger als Mauern", berichtet Bergemann. Fast 250 Kisten mit Keramik haben die Bochumer Wissenschaftler gesammelt. Mit Fotos protokolliert gelangten diese in eine Datenbank, die nun die Historiker in der RUB bestimmen und auswerten.

Heiligtümer und Steinbrüche

Bei zwei Fundstellen könnte es sich sogar um Heiligtümer handeln. "Wir haben dort sehr viele feine, bemalte Keramik gefunden, also Luxusobjekte und nur wenig Gebrauchsgüter. Das veranlasst uns zu der Überlegung, dass es ein Heiligtum gewesen sein könnte. Noch dazu, wenn es an einer herausragenden Stelle liegt. Bisher ist das aber eine Vermutung", so Bergemann. Eine wichtige Entdeckung, die mehr über das wirtschaftliche System verrät, ist ein riesiger, mehrere Quadratkilometer großer Kalksteinbruch. Diese Steine waren in der Antike ein bedeutender Baustoff und die griechischen Einwanderer setzten sie bei sakralen und öffentlichen Gebäuden sowie der Stadtmauer um Gela ein. "Wir können genau abmessen, wie groß die Quader sind, die aus dem Steinbruch herausgebrochen wurden, und messen dann ab, ob das mit der Größe der Steine in der Stadtmauer übereinstimmt", sagt Bergemann.

Nächste Schritte

Im Herbst werden rund 15 Professoren und Studenten nach Sizilien zurückkehren und weitere Teile der Untersuchungsfläche ablaufen. So soll sich das bisherige Bild von Siedlungsstruktur und -ausmaß verdichten. Mit geophysikalischen Untersuchungen wollen die Archäologen die Grundrisse der Bauernhöfe finden. Geplant ist, das Projekt, an dem auch Wissenschaftler aus Berlin, Kiel, Basel und Messina beteiligt sind, noch mindestens zwei Jahre fortzuführen.

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/archaeologie/Forschung-Gela/Forschung-Gela1.htm

Weitere Berichte zu: Archäologie Kolonisation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Acht Millionen Euro für die Forschung: Smarte Implantate sollen Knochen besser heilen
10.12.2019 | Universität des Saarlandes

nachricht German Design Award 2020 für Sensorschleuse Argus von dormakaba
09.12.2019 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Cheers! Maxwell's electromagnetism extended to smaller scales

More than one hundred and fifty years have passed since the publication of James Clerk Maxwell's "A Dynamical Theory of the Electromagnetic Field" (1865). What would our lives be without this publication?

It is difficult to imagine, as this treatise revolutionized our fundamental understanding of electric fields, magnetic fields, and light. The twenty original...

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Im Focus: Highly charged ion paves the way towards new physics

In a joint experimental and theoretical work performed at the Heidelberg Max Planck Institute for Nuclear Physics, an international team of physicists detected for the first time an orbital crossing in the highly charged ion Pr⁹⁺. Optical spectra were recorded employing an electron beam ion trap and analysed with the aid of atomic structure calculations. A proposed nHz-wide transition has been identified and its energy was determined with high precision. Theory predicts a very high sensitivity to new physics and extremely low susceptibility to external perturbations for this “clock line” making it a unique candidate for proposed precision studies.

Laser spectroscopy of neutral atoms and singly charged ions has reached astonishing precision by merit of a chain of technological advances during the past...

Im Focus: Ultrafast stimulated emission microscopy of single nanocrystals in Science

The ability to investigate the dynamics of single particle at the nano-scale and femtosecond level remained an unfathomed dream for years. It was not until the dawn of the 21st century that nanotechnology and femtoscience gradually merged together and the first ultrafast microscopy of individual quantum dots (QDs) and molecules was accomplished.

Ultrafast microscopy studies entirely rely on detecting nanoparticles or single molecules with luminescence techniques, which require efficient emitters to...

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Hefe-Spezies in Braunschweig entdeckt

12.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Humane Papillomviren programmieren ihre Wirtszellen um und begünstigen so die Hautkrebsentstehung

12.12.2019 | Medizin Gesundheit

Urbane Gärten: Wie Agrarschädlinge von Städten profitieren

12.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics