Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Förderung für drei Leipziger Alzheimer-Projekte

10.12.2002

Gleich drei von deutschlandweit sieben Forschungsprojekten, die von der Alzheimer Forschung Initiative e.V. gefördert werden, sind in Leipzig angesiedelt. Es handelt sich dabei um Projekte von Prof. Thomas Arendt, Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung, Prof. Hermann-Josef Gertz, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, und PD Dr. Gerald Münch, Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Forschung, alle Universität Leipzig.

Die geförderten Projekte haben das bessere Verständnis von Mechanismen des neuronalen Zelltodes sowie Methoden der Früherkennung der Alzheimer-Erkrankung zum Gegenstand und sollen damit mittelfristig Voraussetzungen für neue therapeutische Strategien schaffen. Zwei Vorhaben sind zudem deutsch- niederländische Gemeinschaftsprojekte mit den Professoren Philip Scheltens bzw. Piet Eikelenboom von der Universität Amsterdam.

... mehr zu:
»Alzheimer »Apoptose »Nervenzelle

Arendt geht seit rund 20 Jahren der Gretchenfrage der Alzheimer- Forschung nach "Warum sterben die Zellen ab?" Bekanntlich "schrumpft" bei der Alzheimerschen Erkrankung das Gehirn, indem die Furchung sich vergröbert. Das geht zurück auf ein Absterben der Nervenzellen und ihrer neuronalen Fortsätze. "Wenn es uns gelingt, den Nervenzelltod zu verhindern", erklärt Prof. Arendt, "könnte das Fortschreiten der Alzheimerschen Erkrankung aufgehalten werden."

Dazu müssen die Forscher den Ursachen auf den Grund gehen. Die Basis dafür könnte eine Entdeckung von Thomas Arendt sein, die er 1986 gemacht hat und die ihm bereits 1987 einen Aufenthalt in Großbritannien verschaffte. Er fand im Gehirn von Alzheimer-Kranken nicht nur weniger Nervenzellen als im Gehirn von Gesunden, sondern er entdeckte neue Fortsätze an den übriggebliebenen Nervenzellen. Damit war der Grundstein für die Forschung der jetzigen Arbeitsgruppe um Prof. Arendt am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung gelegt. Arendt vermutet, dass die Veränderung des Gehirns bei Alzheimer in der Evolution des Menschen begründet ist. Die Degeneration tritt in solchen Regionen auf, die entwicklungsgeschichtlich relativ jung sind. "Der Mensch ist offenbar nicht dafür gebaut, wesentlich älter als 40 Jahre zu werden", meint Arendt. "Die Natur verwendet für Nervenzellen Material, das phylogenetisch für etwas anderes gedacht war." Jeder Zellverband kann sich durch Zellteilung selbst generieren. Für die Nervenzellen würde das aber zu viele negative Effekte mit sich bringen. Deshalb hat die Natur einen Schutzmechanismus entwickelt, der das verhindert. Die Teilung von Neuronen bleibt unvollständig und die Zelle stirbt ab (Apoptose). "Das könnte die spezifische Antwort der Nervenzelle auf die Krebsentartung anderer Zellarten sein.", so Arendt.

Arendt untersucht nun, welche Mechanismen für den Zelltod (Apoptose) bei Alzheimer verantwortlich sind und wie man die Apoptose verhindern bzw. verzögern kann. Gleichzeitig sucht er nach Markern für eine frühzeitige Erkennung der Alzheimerschen Erkrankung. Ziel der Forschungsarbeiten von Arendt, Gertz und Münch ist es, mittelfristig neue Strategien für die Diagnose und Behandlung der Alzheimerschen Erkrankung zu schaffen. Die Arbeiten setzen damit Untersuchungen fort, die im Rahmen eines von Prof. Arendt geleiteten Europäischen Forschungsverbundes in Zusammenarbeit mit sechs weiteren europäischen Ländern durchgeführt werden. 2003 wird außerdem unter Leitung von Prof. Arendt ein weiteres EU-gefördertes Verbundprojekt seine Arbeit aufnehmen, das die Zusammenarbeit mit Polen als EU- Beitrittskandiadaten einschliesst.

Prof. Arendt wurde außerdem als Mitglied in das Scientific Advisory Board der Alzheimer Initiative e.V. gewählt.

Für Interessierte noch die vollständigen Titel der drei geförderten Projekte:
Münch, Arendt: Glial Mitogens-Causes for aberrant neuronal cell cycling in AD.
Arendt, Eikelenboom: COX-2 and loss of cell cycle control in AD neurons.
Gertz, Scheltens: The specificity of hippocampal atrophy in Alzheimer’s disease.
weitere Informationen: Prof. Thomas Arendt
Telefon: 0341 97-25 720
E-Mail:aret@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams <adams@uni-leip | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni- leipzig.de/~izkf/html/teilprojekt_c_1.htm

Weitere Berichte zu: Alzheimer Apoptose Nervenzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Acht Millionen Euro für die Forschung: Smarte Implantate sollen Knochen besser heilen
10.12.2019 | Universität des Saarlandes

nachricht German Design Award 2020 für Sensorschleuse Argus von dormakaba
09.12.2019 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Im Focus: Geminiden - Die Wünsch-dir-was-Sternschnuppen vor Weihnachten

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Die Geminiden, die Mitte Dezember zu sehen sind, sind der "zuverlässigste" der großen Sternschnuppen-Ströme mit bis zu 120 Sternschnuppen pro Stunde. Leider stört in diesem Jahr der Mond zur besten Beobachtungszeit.

Sie wurden nach dem Sternbild Zwillinge benannt: Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember immer für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. In diesem Jahr sind die...

Im Focus: Electronic map reveals 'rules of the road' in superconductor

Band structure map exposes iron selenide's enigmatic electronic signature

Using a clever technique that causes unruly crystals of iron selenide to snap into alignment, Rice University physicists have drawn a detailed map that reveals...

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Acht Millionen Euro für die Forschung: Smarte Implantate sollen Knochen besser heilen

10.12.2019 | Förderungen Preise

Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

10.12.2019 | Materialwissenschaften

Risiken für Ernten: Globale Hitzewellen könnten mehrere Kornkammern der Welt gleichzeitig treffen

10.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics