Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gar nicht diskret

25.04.2002


Mehr Praxisbezug: VolkswagenStiftung fördert mit 120.000 Euro Projekt zur Integration der Diskreten Mathematik in den Schulunterricht



PISA 2002 - wieder einmal weht der Eishauch einer Bildungsstudie durchs Land und sorgt für Aufregung in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, bei Eltern wie bei Schülern. Man jongliert (vor)schnell mit Lösungen, die Strukturen von Schule, Unterricht und Ausbildung jedoch werden kaum in Frage gestellt. Dabei gäbe es gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern und in der Mathematik genug Anlass für Verbesserungen. Stichwort Mathematik: Irgendwo zwischen Mordlust und Langeweile liegt hier für die meisten Schülerinnen und Schüler die Bandbreite der Empfindungen während des Unterrichts. Der Spaß am Fach jedenfalls ist bei vielen längst verschütt gegangen.



Die VolkswagenStiftung hilft jetzt dabei, diesen Schatz wieder zu heben. Sie unterstützt ein Projekt, das die inhaltliche Modernisierung des Mathematikunterrichts zum Ziel hat. Mit rund 120.000 Euro gefördert wird das Vorhaben "Diskrete Mathematik für die Schule" unter der Leitung von Professor Dr. Martin Grötschel von der Technischen Universität Berlin und vom Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin. Damit setzt die VolkswagenStiftung - sie hat bereits vor zwei Jahren mit großem Erfolg einen Mathematikwettbewerb ausgeschrieben - einen weiteren Akzent im Hinblick auf Reformbestrebungen in der schulischen Mathematikausbildung.

Deren großes Manko ist vor allem der für Schüler oft nicht erkennbare Praxisbezug dieses Fachs - und der lässt sich gerade anhand der "Diskreten Mathematik" leicht verdeutlichen. Auf diesem Weg können Probleme und Fragestellungen mit unmittelbarem Alltagsbezug, sind sie einmal erkannt und verstanden, von den Schülern leicht gelöst werden. Beispiele: das "Kürzeste-Wege-Problem" (Fahrplanauskunft und Navigationssysteme), so genannte Euler-Touren (das Berechnen der Idealtour für die Müllabfuhr) oder auch "Färbungen" (Frequenzzuweisung in Mobilfunknetzen). Da die Grundlagen der Diskreten Mathematik leicht erlernbar sind, sollten sich Schüler ohne große Schwierigkeiten nach geringer Anlaufzeit mit solchen und ähnlichen Problemen erfolgreich auseinander setzen können. Im Gegensatz zum mechanischen Üben an vorgegebenen Rechenschemata lässt sich so auch das entdeckende Lernen fördern - und damit das Interesse an der Mathematik und im besten Fall an der Schule überhaupt.

"Unser Ziel ist es gerade, Schüler dazu anzuregen, sich mit Alltagsproblemen aus mathematischer Sicht zu beschäftigen, darüber zu diskutieren und Lösungsvorschläge mit Hilfe entsprechender Computerprogramme anzubieten", sagen unisono Martin Grötschel und Projektmitarbeiterin Brigitte Lutz-Westphal. Die dabei erforderliche - und im Mathematikunterricht zumeist immer noch unübliche - Teamarbeit bedeute zugleich eine Stärkung der sozialen Kompetenzen der Schüler und habe damit generell einen positiven Einfluss auf Lernsituation und Lernverhalten. Eine nicht unwichtige Begleiterscheinung, die den Initiatoren des Projekts wichtig ist.

Im Verlauf des Vorhabens werden beispielhaft Unterrichtssequenzen entwickelt, die sich dann im Schulunterricht bewähren müssen. Dabei arbeiten die Wissenschaftler mit der Herder-Oberschule in Berlin und dem Wildermuth-Gymnasium in Tübingen zusammen. In Berlin besteht die Möglichkeit, eine Unterrichtseinheit im "Profilkursus Mathematik" der Klasse 11 zu gestalten. Weitere Handlungsspielräume bieten sich über die Einbeziehung des Profil- und des Leistungskurses Informatik. In der ausgewählten Baden-Württembergischen Schule ist vor allem an die Zusammenarbeit mit niedrigeren Klassenstufen gedacht.

Begleitend - in Kooperation mit dem Unternehmen Algorithmic Solutions - wird ein Lern-Softwareprogramm entwickelt. Ebenso sollen Lehrerinnen und Lehrer im Zuge von Fortbildungen als künftige Multiplikatoren der neuen Didaktik und Inhalte gewonnen werden. Nach der praktischen Erprobung werden die Unterrichtssequenzen und bewährte Materialien für Lehrer und Schüler zielgruppengerecht aufbereitet zusammengestellt. Läuft alles gut, können dann im Optimalfall auch die Lehrpläne entsprechend geändert werden.

Dass das Interesse der Schüler vorhanden ist, damit zumindest von deren Seite alles gut läuft, darauf deutet aktuell die Zuwendung hin, die das Thema Mathematik in einem nicht gerade unbedeutenden Segment der öffentlichen Wahrnehmung erfährt - dem Kino. Dort stehen zurzeit gleich zwei große Mathematiker mit ihren Schicksalen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Alan Turing entschlüsselt in "Enigma" die Nachrichten der Nationalsozialisten, und in "A beautiful Mind" verdient sich John Forbes Nash den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zur Spieltheorie. Auch das ist - Mathematik. Und die Kids sind begeistert.


Kontakte

VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Christian Jung,
Telefon: 05 11/83 81 - 380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

1. Professor Dr. Martin Grötschel, Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin (ZIB), Takustraße 7, 14195 Berlin, Telefon: 030/84 185 - 209, E-Mail: groetschel@zib.de

2. Projektbearbeiterin, Brigitte Lutz-Westphal, Telefon:030/34 78 73 46,
E-Mail:westphal@math.TU-Berlin.de

Förderinitiative, VolkswagenStiftung, Dr. Ulrike Bischler, Telefon: 05 11/83 81 - 3 50,
E-Mail: bischler@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw

Weitere Berichte zu: Informationstechnik Mathematik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Innovative Werkstoffe für Rotorblätter
26.03.2019 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Haensel AMS und Universität Amsterdam starten Innovationswettbewerb für Dynamic Pricing
21.03.2019 | Haensel AMS GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neues Gen mit möglicher Rolle bei Metastasierung identifiziert

Gen nach römischer Göttin Minerva benannt, da Immunzellen im Kopf der Fruchtfliege stecken bleiben

Weisen Tumore eine bestimmte Kombination von Zuckern – das sogenannte T-Antigen – auf, breiten sie sich mit größerer Wahrscheinlichkeit im Körper aus und töten...

Im Focus: New gene potentially involved in metastasis identified

Gene named after Roman goddess Minerva as immune cells get stuck in the fruit fly’s head

Cancers that display a specific combination of sugars, called T-antigen, are more likely to spread through the body and kill a patient. However, what regulates...

Im Focus: Saxony5 und Industrie 4.0 Modellfabrik präsentieren sich auf Hannover Messe

Vom 1. bis 4. April 2019 ist die HTW Dresden mit der Industrie 4.0 Modellfabrik und dem Projekt Saxony5 auf der Hannover Messe vertreten. Am Gemeinschaftstand der sächsischen Hochschulen für angewandte Forschung (HAW) „Forschung für die Zukunft“ stellen die Dresdner Forscher aktuelle Projekte zum kollaborativen Arbeiten und deren Anwendungen in der Industrie vor.

Virtuell können die Besucher von Hannover aus auf dem Tablet ihre Züge gegen den kollaborativen Roboter YuMi, der in der Modellfabrik in Dresden steht, setzen....

Im Focus: Hochdruckwasserstrahlen zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen erprobt

Beim Fräsen hochfester Werkstoffe wie Oxidkeramik oder Sondermetalle – und besonders bei der Schruppbearbeitung – verschleißen Werkzeuge schnell. Für Unternehmen ist die Bearbeitung dieser Werkstoffe deshalb mit hohen Kosten verbunden. Im Projekt »HydroMill« hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen mit seinen Projektpartnern nun gezeigt, dass sich der Hochdruckwasserstrahl zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen eignet. War der Einsatz von Wasserstrahlen bislang auf die Schneidbearbeitung beschränkt, zeigen die Projektergebnisse, wie sich hochfeste Werkstoffe kosten- und ressourcenschonender als bisher flächig abtragen lassen.

Diese neue und zur konventionellen Schruppbearbeitung alternative Anwendung der Wasserstrahlbearbeitung untersuchten die Aachener Ingenieure gemeinsam mit...

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Industrie 4.0 - Herausforderungen & Wege in der Ingenieurausbildung

26.03.2019 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Künstliche Intelligenz forscht mit

26.03.2019 | Informationstechnologie

Neues Gen mit möglicher Rolle bei Metastasierung identifiziert

26.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Im nicht mehr ewigen Eis – Rostocker Forscher untersuchen Leben in der Antarktis

26.03.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics