Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vier neue Forschergruppen, eine neue Kolleg-Forschergruppe

02.10.2012
Von prähistorischer Mobilität bis zu Medienkulturen der Computersimulation
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet vier neue Forschergruppen und eine neue Kolleg-Forschergruppe ein. Dies beschloss der Hauptausschuss der DFG in seiner Oktober-Sitzung 2012 in Bonn. Die Forschungsverbünde sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich aktuellen und drängenden Fragen in ihren Fächern zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren.

Wie alle DFG-Forschergruppen werden die neuen Einrichtungen orts- und fächerübergreifend arbeiten. Mit den Kolleg-Forschergruppen werden exzellente Studien in wichtigen Forschungsfeldern der Geistes- und Sozialwissenschaften unterstützt.

Die eingerichteten Forschergruppen decken ein breites thematisches Spektrum ab: So will eine der Gruppen anhand von Isotopenbestimmungen Aufschlüsse über die Mobilität der prähistorischen Menschen gewinnen. Andere Gruppen arbeiten an der Entwicklung optimierter Werkstoffe mit Formgedächtnis für die industrielle Anwendung oder widmen sich der Frage, wie bestimmte Elementarteilchen zu ihrer Masse kommen.

In den nächsten drei Jahren werden die vier neuen Forschergruppen circa 6,3 Millionen Euro erhalten; damit fördert die DFG insgesamt 187 Forschergruppen. Die Förderungsdauer einer Kolleg-Forschergruppe ist auf acht Jahre angelegt. Die neue Gruppe wird in einer ersten vierjährigen Förderphase mit rund vier Millionen Euro finanziert. Bislang werden in dem 2008 eingeführten Programm acht Gruppen gefördert.

Die neuen Gruppen im Einzelnen (alphabetisch nach Sprecherhochschule):

Im Mittelpunkt der Forschergruppe „Metallic Nanowires on the Atomic Scale: Electronic and Vibrational Coupling in Real World Systems“ steht die Untersuchung der außergewöhnlichen physikalischen Eigenschaften eindimensionaler elektronischer Systeme (1-D). Als prototypische 1-D-Systeme dienen den Forscherinnen und Forschern hier metallische Nanodrähte. Diese verhalten sich nach theoretischen Vorhersagen grundlegend anders als 2-D- oder 3-D-Systeme. Experimentell realisierbare 1-D-Systeme sind allerdings zwangsläufig an die zwei- beziehungsweise dreidimensionale Umgebung gekoppelt, was deren Eigenschaften beeinflusst. Wie genau dies passiert oder aber gesteuert werden kann, will die neue Forschergruppe in der Zusammenarbeit von theoretischen und experimentellen Physikern herausfinden. Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Verständnis der Struktur und der Funktionalitäten eindimensionaler elektronischer Systeme beitragen. (Sprecher: Prof. Dr. Herbert Pfnür, Gottfried Wilhelm Leibniz-Universität Hannover)

Ob Massenpanik im Stadion, die Entwicklung des Klimas oder der Crashtest – mithilfe digitaler Medientechnik lassen sich am Computer Szenarien simulieren und so Handlungsempfehlungen für den Fall ihres Eintretens entwickeln. Die neue Kolleg-Forschergruppe „Medienkulturen der Computersimulation“ will nun überprüfen, inwieweit durch solche Simulationen ganze Forschungsfelder neu definiert werden und das Verständnis von Wissenschaft und Wissensproduktion verändert wird. Sie geht dabei der These nach, dass die computergestützte Imitation des dynamischen Verhaltens von ökologischen, ökonomischen, medizinischen oder technischen Systemen tief in alle Bereiche des Alltags eingreift und damit die traditionelle Vorstellung von Wissenschaft herausfordert. (Sprecher: Prof. Dr. Claus Pias und Prof. Dr. Martin Warnke, Leuphana Universität Lüneburg)

Wie mobil waren Mensch und Tier in der Prähistorie? Und welche kulturellen Kontakte ergaben sich zwischen Bevölkerungen unterschiedlicher Regionen? Diese Fragen stellt sich die Forschergruppe „Transalpine Mobilität und Kulturtransfer“. Für die archäologisch hochinteressante Alpenregion und das nördliche Alpenvorland wollen die Forscherinnen und Forscher eine „Isotopen-Kartierung“ für den Zeitraum von der Spätbronzezeit bis zur Römerzeit erstellen. Die Untersuchung der genauen Zusammensetzung verschiedener stabiler Isotope von Strontium, Sauerstoff und Blei in der Region gibt Aufschluss über die Herkunft beziehungsweise Migrations- oder Handelsrichtung archäologischer Funde. Die Forschergruppe befasst sich dabei erstmals systematisch mit der Fundkategorie der Leichenbrände, welche mineralogisch detailliert charakterisiert werden. Damit wird es möglich sein, zwischen „lokal“ oder „ortsfremd“ zu differenzieren und so eine Rekonstruktion des Güter- und Kulturaustausches in der jeweiligen Region zu erlauben. (Sprecherin: Prof. Dr. Gisela Grupe, Ludwig-Maximilians-Universität München)

Klassische Formgedächtnislegierungen erfuhren in den vergangenen Jahren große Aufmerksamkeit durch interessante Anwendungsmöglichkeiten als Aktoren in der Mikrosystemtechnik und der Medizin. Ihr entscheidender Nachteil besteht darin, dass sie sich Form und Eigenschaften nur bei Temperaturen unterhalb von 80 °C „merken“ können. Mit neuartigen Hochtemperatur-Formgedächtnislegierungen könnte ein enormes Anwendungspotenzial für verschiedenste Anwendungen vom Automobilbau bis zur Luftfahrt erschlossen werden. In der Forschergruppe „Hochtemperatur-Formgedächtnislegierungen – Von den Grundlagen zur Anwendung“ soll zunächst ein genaues Verständnis des elementaren Werkstoffverhaltens im Hochtemperaturbereich erarbeitet werden. Damit schafft die Gruppe die Basis für die weitere Erforschung neuer Beanspruchungsprofile solcher Werkstoffe und den bislang kaum erforschten Möglichkeiten ihrer Herstellung und Verarbeitung. Neben der Grundlagenforschung an den materialwissenschaftlichen und werkstofftechnischen Eigenschaften arbeitet die Gruppe stark praxisbezogen: Von der Entwicklung eines für die Dämpfung und Aktorik geeigneten Demonstratorbauteils erhoffen sich die Forscher, die Hochtemperatur-Formgedächtnislegierungen an die industrielle Serienanwendung heranzuführen. (Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Hans Jürgen Maier, Universität Paderborn)

Den Ursprüngen des Universums ist die Forschergruppe „Quark Flavour Physics and Effective Field Theories“ auf der Spur – der Frage, wie die Teilchen zu ihrer Masse kommen. Im Mittelpunkt stehen die Quarks, die elementaren Bausteine der Materie. Im Standardmodell der Teilchenphysik werden sie in drei Generationen eingeteilt, die dann nochmals in zwei unterschiedliche „Flavours“ unterschieden werden. Die Flavours zählen zu den größten Rätseln der Teilchenphysik, ergeben sie sich doch aus der Verbindung der bekannten Elementarteilchen wie den Quarks mit dem Higgs-Teilchen. In der Forschergruppe soll nun ein wesentlicher Beitrag zum grundlegenden theoretischen Verständnis der Flavours geleistet werden. Damit wollen die Physiker und Physikerinnen die Berechenbarkeit der Teilchen des Standardmodells, und hier insbesondere der Quarks, erhöhen und damit die theoretischen Grundlagen zur Verfügung stellen, um in Experimenten den Übergang zwischen den Flavours näher bestimmen zu können.
(Sprecher: Prof. Dr. Thomas Mannel, Universität Siegen)

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:
Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2443, presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecher der eingerichteten Gruppen.

Zu DFG-Forschergruppen und Kolleg-Forschergruppen siehe auch:
www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme/index.html

Marco Finetti | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de
http://www.dfg.de/foerderung/programme/koordinierte_programme/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Lernen in virtuellen Räumen
11.06.2019 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht „digiMINT“: Digitalisierung in der Lehrerbildung
28.05.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erfolgreiche Praxiserprobung: Bidirektionale Sensorik optimiert das Laserauftragschweißen

Die Qualität generativ gefertigter Bauteile steht und fällt nicht nur mit dem Fertigungsverfahren, sondern auch mit der Inline-Prozessregelung. Die Prozessregelung sorgt für einen sicheren Beschichtungsprozess, denn Abweichungen von der Soll-Geometrie werden sofort erkannt. Wie gut das mit einer bidirektionalen Sensorik bereits beim Laserauftragschweißen im Zusammenspiel mit einer kommerziellen Optik gelingt, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT auf der LASER World of PHOTONICS 2019 auf dem Messestand A2.431.

Das Fraunhofer ILT entwickelt optische Sensorik seit rund 10 Jahren gezielt für die Fertigungsmesstechnik. Dabei hat sich insbesondere die Sensorik mit der...

Im Focus: Successfully Tested in Praxis: Bidirectional Sensor Technology Optimizes Laser Material Deposition

The quality of additively manufactured components depends not only on the manufacturing process, but also on the inline process control. The process control ensures a reliable coating process because it detects deviations from the target geometry immediately. At LASER World of PHOTONICS 2019, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be demonstrating how well bi-directional sensor technology can already be used for Laser Material Deposition (LMD) in combination with commercial optics at booth A2.431.

Fraunhofer ILT has been developing optical sensor technology specifically for production measurement technology for around 10 years. In particular, its »bd-1«...

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Rittal und Innovo Cloud sind auf Supercomputing-Konferenz in Frankfurt vertreten

18.06.2019 | Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Universität Jena mit innovativer Lasertechnik auf Photonik-Messe in München vertreten

19.06.2019 | Messenachrichten

Meilenstein für starke Zusammenarbeit: Neuer Standort für Rittal und Eplan in Italien

19.06.2019 | Unternehmensmeldung

Katalyse: Hohe Reaktionsraten auch ohne Edelmetalle

19.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics