Projekt untersucht Wege in den Arbeitsmarkt – Kulturelles Kapital in der Migration

Dieser Frage geht eine internationale Studiengruppe nach, die drei Jahre von der VolkswagenStiftung mit 650.000 Euro gefördert wurde. Ihre Ergebnisse sind im neuen Sammelband „Kulturelles Kapital in der Migration. Hochqualifizierte Einwanderinnen und Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt“ veröffentlicht. Herausgeber sind Soziologieprofessorin Anja Weiß von der Universität Duisburg-Essen (UDE), Arnd-Michael Nohl (Hamburg), Karin Schittenhelm (Siegen) und Oliver Schmidtke (Victoria, Kanada).

Für Wissensgesellschaften, die vom Aufbau und der Verwertung kulturellen Kapitals abhängen, kann die Integration von hochqualifizierten Migranten eine Chance sein. Allerdings wird diese Chance häufig und nicht nur in Deutschland durch vielfältige Hürden beeinträchtigt. Der Band befasst sich mit unterschiedlichen Gruppen in Deutschland, Kanada, der Türkei und Großbritannien.

Während sich die Politik fragt, wie man vermehrt besonders qualifizierte Arbeitnehmer anwerben kann, macht die Studie deutlich, dass viele Hochqualifizierte unabhängig von aktiver Anwerbung in die jeweiligen Länder einwandern. Es wurden 206 Interviews geführt, ergänzt durch Expertengespräche und Sekundäranalysen repräsentativer Datensätze. So können die Bildungs- und Berufserfolge der Kinder von Migranten ebenso rekonstruiert werden wie die Chancen und Risiken, mit denen Akademiker konfrontiert sind, die z.B. aufgrund von Partnerschaften, Jobangeboten oder als Flüchtlinge in ein Land kommen.

In den zwanzig Beiträgen wird deutlich: Die An- und Aberkennung von kulturellem Kapital, die Erfahrung von Diskriminierung aber auch von sozialer Unterstützung verweben sich in den Lebensgeschichten zu komplexen Verbindungen, die über eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration entscheiden.

Die komplexe Rechtslage spiegelt sich auch darin, dass Personen mit vergleichbaren Ausgangsbedingungen völlig unterschiedliche Chancen auf Arbeitsmarktintegration haben. Zum Beispiel wurde in der Studie eine Reihe von Ärzten befragt, deren Bildungsabschluss anerkannt worden ist und die langfristig in Deutschland leben. In einem Fall wird eine solche Ärztin auf Kosten des Arbeitsamtes zur Krankenschwester ausgebildet. Eine andere findet wegen rechtlicher Barrieren nur mit größter Mühe jeweils befristete Arbeitsverhältnisse. Und ein dritter Arzt konnte sich – obwohl er zunächst als Tourist eingereist war – am Ende niederlassen und erfolgreich eine Praxis betreiben.

Neues Themenheft zum Schwerpunkt

Zugleich ist Ende Oktober ein Themenheft „Arbeit und Migration“ in der Zeitschriften-Reihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ erschienen. Anja Weiß hat dafür mit Prof. Dr. Arnd-Michael Nohl von der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität einen Artikel „Jenseits der Greencard: Ungesteuerte Migration Hochqualifizierter“ verfasst. Dabei wird deutlich, wie wichtig rechtliche Reformen bei der Anerkennung von beruflichen Qualifizierungen sein können. Weitere Hürden sind die Ausländergesetzgebung sowie ein breites und teilweise institutionalisiertes Misstrauen von Behörden und Arbeitgebern gegenüber hohen ausländischen Bildungstiteln.

Arnd-Michael Nohl, Karin Schittenhelm, Oliver Schmidtke, Anja Weiß (Hrsg.): Kulturelles Kapital in der Migration: Hochqualifizierte Einwanderer und Einwanderinnen auf dem Arbeitsmarkt. VS Verlag 2009, ISBN 3531164376, 29,90 Euro

Zum Artikel: http://www.bpb.de/publikationen/ZWARF5,0,Migration_und_Arbeitsmarkt.html

Weitere Informationen: Prof. Dr. Anja Weiß, Tel. 0203/379-1988 oder 0201/9469980, anja.weiss@uni-due.de

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