KfW-Investbarometer: Unternehmensinvestitionen schwächer, stützen dennoch die Konjunktur

Nachdem sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zur Jahresmitte abgeschwächt hat, lässt auch die bislang starke Dynamik der Unternehmensinvestitionen nach und schwenkt auf einen moderaten Wachstumskurs ein.

Das neue KfW-Investbarometer für das 2. Quartal zeigt ein Wachstum der Unternehmensinvestitionen um +0,8% gegenüber dem Vorquartal. Ein wesentlicher Grund für das abflachende Wachstum ist ein deutlicher Rückgang bei den Investitionen in Wirtschaftsbauten (-3,5%) nach einem außerordentlich starken Frühjahrsquartal (+8,9%).

Die für die Gesamtdynamik weit wichtigeren privaten Ausrüstungsinvestitionen – Maschinen, Geräte, Fahrzeuge usw. – weisen hingegen mit +2,6% immer noch eine sehr hohe Wachstumsrate auf, die deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (+0,5%) liegt und sind Ausdruck einer nach wie vor gesunden Investitionskonjunktur.

Die maßgeblichen Ursachen hierfür sind die weiterhin gute Auftragslage in der Exportindustrie, die sich abzeichnende Belebung des privaten Konsums und die klar überdurchschnittliche Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe. Gleichzeitig treffen die Unternehmen auf ausgesprochen günstige Finanzierungsbedingungen.

Die nominalen Kreditzinsen sind niedrig, die Realzinsen in der Nähe historischer Tiefstände. Angesichts der Schwierigkeiten in der Europeripherie sowie der abkühlenden globalen Konjunktur ist zu erwarten, dass die EZB das vorteilhafte Zinsumfeld auch noch längere Zeit beibehalten wird. Da das aktuelle Niveau der Investitionen immer noch um rd. 5% unter den Vorkrisenwerten liegt, ergeben sich zudem nach wie vor leichte Impulse in Form von Ersatz- und Nachholbedarf.

Perspektivisch dürften sich die Abkühlung der Weltkonjunktur und die in vielen Ländern notwendigen Haushaltskonsolidierungen in den kommenden Quartalen vor allem auf exportorientierte Branchen und damit auf deren Investitionstätigkeit auswirken. Deutschland dürfte diese Abschwächung jedoch zumindest teilweise durch zunehmende private Konsumausgaben kompensieren können. Die günstige Arbeitsmarktlage und höhere Lohnabschlüsse in den kommenden Monaten sollten hier konjunkturstützend wirken. Für 2011 ist ein Wachstum der Unternehmensinvestitionen von +9,0°%, für 2012 von +4,5°% zu erwarten. Die KfW-Prognose für das BIP-Wachstum liegt bei + 3,1°% in diesem und + 1,6 °% im nächsten Jahr.

Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW: „Die insgesamt positiven Aussichten für das Investitionsklima sind erheblichen Abwärtsrisiken ausgesetzt. Das Hauptrisiko besteht in einer Eskalation der Schuldenkrise in der Eurozone. Hohe Abschreibungen auf Staatspapiere im Besitz der Banken, Misstrauen auf dem Interbankenmarkt und Schwierigkeiten bei der Refinanzierung könnten zu einer zurückhaltenden Kreditvergabe führen. Zudem tragen auch die Sparanstrengungen der Politik zu der sich abschwächenden globalen Nachfrage bei. Wichtig ist, dass die Regierungen hier vorsichtig und ausgewogen vorgehen. Ein weiteres Risiko besteht im Ausbleiben der für die Prognose angenommenen Belebung des privaten Konsums, lagen doch die bisherigen Tarifabschlüsse nahezu durchgängig unter dem Verteilungsspielraum und selbst in günstigen Fällen nur geringfügig über der Inflationsrate. Sollte der private Konsum nicht hinreichend an Dynamik gewinnen, würden Wirtschaftswachstum und Investitionen schwächer ausfallen als von uns prognostiziert.“

Die ausführliche Analyse mit Datentabelle und Grafiken zum KfW-ifo-Mittelstandsbarometer ist unter www.kfw.de in der Kategorie „Research“ abrufbar.

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