Traditionelle Budgetierungsverfahren behindern Wertschöpfung.

Jahresbudgets könnten bald der Vergangenheit angehören. Unternehmen setzen zunehmend auf präzisere Finanzplanungsinstrumente, die Budgets mit der Unternehmensstrategie in Einklang bringen. Hierbei ist eine positive Korrelation zwischen geänderter Budgetpraxis und dem Aktienkurs festzustellen, so die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Accenture in Zusammenarbeit mit der Cranfield School of Management.

„Unternehmen können ihre Budgetierungszeiten um 30 bis 40 Prozent reduzieren, wenn sie den Prozess der Budgetplanung und -erstellung genauer auf die strategische Gesamtplanung zuschneiden,” so Andreas Schuler, Geschäftsführer bei Accenture. Neue Vorgehensweisen umfassen rollierende Forecasts und teilweise den ersatzlosen Verzicht auf traditionelle Budgets. Die Studie mit dem Titel Wertschöpfung durch strategische Planung und Budgetierung zeigt, dass die herkömmlichen Formen der Budgeterstellung nicht mehr zeitgemäß sind, da ein hoher Zeitaufwand für die Erstellung, geringe Voraussagekraft und politische Instrumentalisierung an der Tagesordnung sind. „Im allgemeinen sind die Budgets veraltet, wenn sie veröffentlicht werden. Es zeigt sich, dass Unternehmen ihre Budgetierungsprozesse komplett verändern und neue Instrumente einsetzen”, so Andreas Schuler.

Die Studienergebnisse belegen, dass Unternehmen zunehmend auf Jahresbudgets verzichten um Kosten zu senken, die Geschäftsprognosen zu verbessern und das Mangement der Investorenerwartungen zu optimieren. Letzteres gewinnt angesichts des Riskos von Herabstufungen im Fall verfehlter Gewinnprognosen ständig an Bedeutung. Unternehmen, die auf traditionelle Budgets verzichten, verzeichneten durchschnittlich 221 Prozent Wertzuwachs in den vergangenen fünf Jahren, verglichen mit 167 Prozent mit anderen Marktteilnehmern der jeweiligen Branche. Im Zehn-Jahres-Vergleich ist die durchschnittliche Wertsteigerung noch signifikanter: Die Aktienkurse der Budget-Agnostiker stiegen um 373 Prozent gegenüber dem Branchendurchschnitt von 280 Prozent.

Wirtschaftlicher Nutzen traditioneller Budgetplanung unklar

Unternehmen können den Zeit- und Mittelaufwand für die traditionelle Budgetplanung nicht mehr hinreichend rechtfertigen, da der wirtschaftliche Nutzen unklar ist. Beispielsweise schätzt ein großer schwedischer Autohersteller, dass 20 Prozent der gesamten Aufmerksamkeit des Managements auf Budgetierungs- und Planungsprozesse aufgewandt wurde, was das Unternehmen zu der Entscheidung bewog, Budgets abzuschaffen. Der Automobilhersteller Ford hat im Zuge des Programms F@ST (financials at the speed of thought) Systeme und fünf verschiedene Planungsmethoden der europäischen Landesgesellschaften vereinheitlicht. In der Folge sank der Aufwand für die Forecasterstellung von durchschnittlich zwei bis sieben Manntagen auf eine Mannstunde pro nationalem Markt. Gleichzeitig konnte die Qualität und Verläßlichkeit der Umsatzprognosen erheblich gesteigert werden.

Andreas Schuler: „Planung muss flexibler und zeitnäher gesteuert werden, um eine schnelle Anpassung an veränderte Marktbedingungen zu gewährleisten. Manager müssen erkennen, dass traditionelle Budgets nicht gleichzeitig als Kontroll- und Motivationsinstrument eingesetzt werden können. Zielvorgaben und damit auch die Anreizsysteme müssen auf relative Größen umgestellt werden, wie beispielsweise das Übertreffen des Branchendurchschnitts um einen definierten Prozentsatz. Unternehmen, die diese Erkenntnis in betriebliche Praxis umsetzen, verbessern ihre Glaubwürdigkeit und Leistungsfähigkeit gegenüber den Kapitalmärkten.“

Über die Studie

Das Research-Team von Accenture und der Cranfield School of Management interviewte 20 Unternehmensvetreter aus verschiedenen Branchen – darunter ABB, BP, Cisco, Credit Lyonnais, Electrolux, Ford, Shell, Skandia und Volvo. Die Interviews wurden durch Ergebnisse aus Diskussionen mit 30 Finanzanalysten von renommierten Investmentinstituten – unter anderem Deutsche Bank, Morgan Stanley Dean Witter, Merrill Lynch, Prudential Securities, William de Broë sowie Standard & Poor’s ergänzt. Inwieweit deutsche Unternehmen diese Tendenzen bereits erkannt haben und in der Planungserstellung bereits berücksichtigen, wird momentan in einer weiteren Accenture-Studie untersucht. Die Ergebnisse hieraus werden zu Beginn des kommenden Jahres veröffentlicht.

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