Rentenmarkt: Rückzug in die Defensive

Eine offenbar wetterfeste US-Konjunktur, zunehmende Inflationsbedenken sowie nicht zuletzt die Perspektive einer hurrikanbedingt wieder deutlich steigenden Staatsverschuldung haben zuletzt insbesondere US-Anleger in die Defensive gedrängt. Wachsende Leitzinsbefürchtungen selbst in Japan und Goldnotierungen auf 16-Jahres-Hoch signalisieren aber darüber hinaus auch die Sorge, dass die Geldpolitik global nun in einen strikteren, auf die Bekämpfung der Folgen des ultrabilligen Geldes ausgerichteten Modus umschaltet. Bond-Investoren im Euroraum haben dies angesichts einer nach wie vor labilen Konjunkturperspektive bisher nur zögerlich in ihr Kalkül einbezogen. Das Resultat ist eine nochmals beschleunigte Ausweitung des Rendite-Abschlags zehnjähriger Papiere gegenüber den USA auf inzwischen 120 Basispunkte. Gegenwärtig verzinsen sich zehnjährige Bundesanleihen zu 3,28 Prozent und würden erst bei einem fortgesetzten Anstieg aus dem seit März dieses Jahres etablierten Abwärtstrend herauslaufen.

Von konjunktureller Seite wurden Anleger in letzter Zeit mit einigen besser als erwartet ausgefallenen Daten konfrontiert. Diese sprechen zum einen dafür, dass die US-Wirtschaft bei hoher Expansionsgeschwindigkeit von den Orkanfolgen getroffen wurde und die drosselnde Wirkung auf das amerikanische Wachstum wohl doch nicht so nachhaltig ausfällt, wie zunächst vermutet. Der Optimismus fußt nicht zuletzt auf positiven Unternehmenssignalen (ISM Einkaufsmanagerindex im September 59,4 nach 53,6 Punkten). Zum anderen deuten die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum und insbesondere für Deutschland darauf hin, dass die Perspektivenaufhellung nicht auf die USA beschränkt bleiben könnte. In Japan verbesserte sich die Tankan-Umfrage per Quartalsende ebenfalls. Nichtsdestotrotz sind aber auch die konjunkturdämpfenden Faktoren noch keineswegs entkräftet. Gerade zu Beginn des Winters dürften die hohen Energiepreise den Spielraum für eine Ausweitung des Konsums eng begrenzen. Und insbesondere wird in den USA im Falle steigender Zinsen mit dem Immobilienmarkt ein wichtiges Schwungrad für den Privaten Verbrauch gebremst. Im Euroraum bleibt bis auf weiteres die Frage unbeantwortet, ob die außenwirtschaftlichen Anstöße auch zu einer nachhaltigen Stärkung der Binnenkräfte führen werden.

Seit sich die hohen Ölpreise auch in massiv steigenden Teuerungsraten (US-Importpreise mit fast zweistelligem Plus im September) zeigen, stehen die konjunkturellen Aussichten aber nicht mehr allein im Fokus. Der Niedrigzinstrend der vergangenen Jahre wird umso fragiler, je stärker sich die erhöhten Rohstoffpreise auf die mittelfristigen Inflationserwartungen auswirken. Unter dem Strich ist die Liste der Risiken für die globalen Rentenmärkte ungeachtet strukturell günstiger Unterstützungsfaktoren gestiegen, und selbst von einer nachhaltigen Konsolidierung beim Öl könnten die Festverzinslichen vermutlich kaum profitieren. Angesichts der nominal geringen Mehrrendite für lange Laufzeitbindungen bieten sich unter Vorsichtsaspekten vorzugsweise Anlagen in kürzeren Titeln an.

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