Rentenmarkt: US-Renditen – Trendwende eingeläutet?

Bis kurz vor Monatsschluss zeigte sich der Oktober von seiner goldenen Seite. Mit Blick auf die Belastung der konjunkturellen Perspektive durch steigende Ölnotierungen und bestätigt durch eine ganze Reihe schwächer als erwartet ausgefallener Wirtschaftsdaten ermäßigten sich die Renditen über das gesamte Laufzeitenspektrum. In den letzten Oktobertagen setzte jedoch in erster Linie in den USA eine Gegenbewegung ein. Während die Verzinsung deutscher zehnjähriger Bundesanleihen auch im Zuge des festeren Euros sogar wenige Stellen auf aktuell 3,80 Prozent verlor, verzeichneten zehnjährige US-Treasuries einen Aufschlag von immerhin rund 25 Basispunkten auf aktuell 4,21 Prozent.

Zwar leidet die Perspektive der US-Wirtschaft trotz inzwischen reiferen konjunkturellen Stadiums weiter unter Unschärfe. Selbst in einer Phase mäßiger Datenveröffentlichungen (zuletzt bspw. der nationale ISM-Index) gibt es aber Signale dafür, dass die Expansionskräfte zumindest noch nicht auf breiter Front geschwächt sind. Dazu zählen die regionalen Einkaufsmanagerindizes aus Chicago und Philadelphia, das zuletzt hohe Stellenwachstum im gewichtigen Dienstleistungssektor sowie der private Konsum, der im dritten Quartal mit +3,5 Prozent gegenüber Vorjahr immerhin nahezu die Wachstumsrate des Vorquartals erreichte. Demgegenüber stellt sich das Bild hierzulande in der Summe deutlich durchwachsener dar. Schwäche bei Produktion und Ordereingang sowie ein geringer als erwarteter Exportüberschuss belegen die angesichts lethargischer Binnennachfrage hohe Anfälligkeit gegenüber belastenden Umfeldfaktoren wie Ölpreis und Wechselkurs. Vereinzelte Lichtblicke eröffnet nur ein Blick auf den Euroraum: Frankreichs Industrieproduktion sowie das Geschäftsklima stiegen im Oktober ebenso wie beispielsweise die Verbraucherstimmung in Italien.

Entsprechend kann zwar die US-Notenbank gesamtwirtschaftliche Argumente anführen, um die Leitzinsen sukzessive auf ein neutraleres Niveau zu heben. Für die EZB jedoch erweisen sich die konjunkturellen Abwärtsrisiken als Hürde. Eine klarere Entscheidungsbasis sollte sich erst im Frühjahr herausbilden. Der jüngste Anstieg der US-Kapitalmarktrenditen dürfte jedoch nicht allein auf konjunkturelle Erwägungen zurückgehen. Hinzugetreten sind vor allem Sorgen um die fiskalische Stabilitätsperspektive (Bush-Wahlversprechen, viele Steuersenkungen zu entfristen), die defizitäre Leistungsbilanz, die spürbar gestiegene Kernrate der Teuerung sowie die Erwartung geringerer Nachfrage nach US-Papieren nicht zuletzt angesichts zunehmend antizipierter Liberalisierung bei Chinas Zins- und Wechselkursbildung. Europäische Staatsanleihen dürften sich von den US-Vorgaben nicht dauerhaft abkoppeln können, so dass mit Blick auf das kommende Jahr auch hierzulande ein raueres Anlageklima einzukalkulieren ist. Vergleichsweise ruhig dürfte es auf Sicht noch in dem kaum von Zinserhöhungsdruck belasteten kurzen Laufzeitenbereich bleiben.

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Stefan Steib Landesbank Rheinland-Pfalz

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