Aktienmarkt: Fehlende Initialzündung

Die seit Oktober an den internationalen Börsen vor allem von Technologie- und Finanztiteln getriebene Erholungsrallye ist kurz vor dem Jahresendspurt ins Stocken geraten.

Insbesondere die offenbar mit Hochdruck laufenden amerikanischen Vorbereitungen auf einen Irakkrieg, schwächer als erhoffte Frühindikatoren und skeptische Ausblicke von Schwergewichten wie Nokia oder AOL Time Warner sowie die Insolvenz von United Airlines haben Gewinnmitnahmen vor dem nahenden Ultimo begünstigt. Immerhin verbleiben trotz der herben Gesamtjahresverluste seit den Tiefständen vor zwei Monaten noch Terraingewinne von 17 Prozent beim Dow Jones und ca. 10 bzw. 20 Prozent bei Stoxx 50 und Dax.

Nicht zuletzt das Ende des kalifornischen Hafenstreiks hat vor allem im November zu Stimmungsaufhellungen in der weltweit den Takt vorgebenden US-Wirtschaft beigetragen (Verbrauchervertrauen +4,5 auf 84,1 Punkte, Oktober-Auftragseingänge für langlebige Güter +2,8 Prozent, Produktivität im 3. Quartal +5,1 Prozent), ohne dass jedoch bislang eine Entspannung am Arbeitsmarkt erkennbar wäre (November-Erwerbslosenquote 6,0 nach 5,7 Prozent). Bei den Firmeninvestitionen ist das ersehnte Momentum auf das kommende Jahr zu vertagen. Eine Achillesferse bleiben neben den Nahostunsicherheiten die anhaltend hohe Verschuldung des Privatsektors und das Doppeldefizit von Leistungsbilanz und Staatshaushalt (Antiterror-Ausgaben). Rückenwind für die Unternehmen sollte jedoch von den sehr niedrigen Zinsen und nach dem Wechsel in Präsident Bushs Finanz- und Wirtschaftsstab insbesondere von zusätzlichen, u.a. steuerlichen Stimulierungsmaßnahmen ausgehen.

Die jüngste EZB-Zinssenkung um 0,5 Prozentpunkte dürfte indes das Euroland-Wachstum im nächsten Jahr kaum spürbar beleben, da anders als in Amerika weniger die Konsumenten als mittelbar die Unternehmen durch die Finanzierungserleichterung entlastet werden. Die Währungshüter haben jüngst die Wachstumserwartung für Europa im nächsten Jahr sogar um einen ganzen Prozentpunkt auf im Schnitt 1,6 Prozent reduziert, erst 2004 wird eine Beschleunigung in Richtung 2,4 Prozent gesehen. Klimaindikatoren wie der Reuters Einkaufsmanagerindex (November: 49,5 nach 49,1) oder die ZEW-Umfrage von Dezember versprechen wenig Impulse. Bremsend wirkt besonders die erhöhte Anfälligkeit der deutschen Binnenkonjunktur angesichts steuer- und abgabenpolitischer Belastungen und Unsicherheiten. Unternehmerische Dynamik zur Reaktion auf neue globale Impulse könnten hierzulande dadurch erst verzögert zur Entfaltung kommen.

Per saldo ist trotz des abebbenden Bärenmarktes weiter mit periodisch aufflackernder Skepsis der Aktieninvestoren zu rechnen. Abgesehen von den Risiken externer Schocks ergeben sich auf längere Sicht insbesondere durch die aktuell vorherrschenden Kostenabbau- und Bilanzstärkungsmaßnahmen bei den Unternehmen niedrigere Gewinnschwellen. Auch mit Blick auf den historisch hohen Bestand an liquiditätsnah geparkten Mitteln und die üblicherweise starken Kursavancen zu Beginn eines Aufschwungs empfiehlt sich ein gradueller Bestandsaufbau, ohne allerdings allzu einseitig auf die zyklische Karte zu setzen.

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Hans Beth Landesbank Rheinland-Pfalz

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