Die festkörperphysikalische Grundlagenforschung bemüht sich, die Eigenschaften kristalliner Festkörper aufgrund der Kristallstruktur zu verstehen. Untersuchungsgegenstand sind daher meist Einkristalle, deren Eigenschaften in vielen Fällen richtungsabhängig (anisotrop) sind. In den technischen Werkstoffwissenschaften dagegen stehen reale Werkstoffe im Mittelpunkt, die in den meisten Fällen einen polykristallinen Aufbau besitzen, von dem jedoch vielfach abstrahiert wird. Der Werkstoff wird dann als homogenes, meist sogar isotropes Kontinuum betrachtet, dessen Eigenschaftswerte empirisch ermittelt werden. Zwischen diesen beiden Betrachtungsweisen klafft eine Lücke, die geschlossen werden muss, wenn man festkörperphysikalische Grundlagenerkenntnisse quantitativ auf reale Werkstoffe übertragen will. Dazu ist es notwendig, das polykristalline Gefüge eines Werkstoffes durch quantitative Strukturparameter zu beschreiben. Außerdem braucht man mathematische Modelle zur Berechnung der makroskopischen Werkstoffeigenschaften aufgrund dieser Strukturparameter und der Einkristalleigenschaften.



