Verarbeitendes Gewerbe kann 48 Milliarden Euro pro Jahr bei Materialkosten einsparen

Da die Materialkosten mit über 40 Prozent den größten Anteil an den Gesamtkosten im Verarbeitenden Gewerbe ausmachen, könnten hier durch Effizienzmaßnahmen pro Jahr aus Sicht der Betriebe etwa 48 Milliarden Euro eingespart werden.

Aufgrund steigender und schwankender Rohstoffpreise sowie der Abhängigkeit Deutschlands als rohstoffarmes Land vom Import vieler Rohstoffe werden Materialeffizienzmaßnahmen, wie der Einsatz von Recyclingmaterialien zur Produktherstellung oder die Substitution klassischer Materialien durch Werkstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe, immer wichtiger. Auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen lohnt es sich. „Wollte man die durch die Realisierung dieses Einsparpotenzials verbesserte Rendite stattdessen durch zusätzlichen Umsatz erzielen, müsste der Maschinenbau seinen Umsatz um etwa 30 Prozent, der Fahrzeugbau sogar um 75 Prozent steigern“, sagt Dr. Marcus Schröter, Projektleiter am Fraunhofer ISI.

Viele Betriebe wissen allerdings häufig wenig über das in ihrer Produktion existente Materialeinsparpotenzial und sehen somit auch keine Notwendigkeit, in diesem Bereich aktiv zu werden. Oftmals wird auch der zeitliche und organisatorische Aufwand gescheut, um sich über Konzepte zur Reduzierung des Materialverbrauchs zu informieren. Kritisch sind aus Sicht der Betriebe auch die vermuteten langen Zeiträume, die zur Amortisation der Investitionen in Maßnahmen zur Steigerung der Materialeffizienz benötigt werden.

Die Studie zeigt jedoch, dass es Ansätze gibt, diese Hemmnisse zu reduzieren. So setzen Betriebe, die bei ihren Investitionsentscheidungen die gesamten Lebenszykluskosten im Blick haben, vermehrt auf Materialeffizienz und die dafür notwendigen Konzepte. Gleiches zeigte sich auch bei Betrieben, die sich breiter über Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Produktionsprozesse informieren oder hierzu mit Kunden, Lieferanten oder Forschungseinrichtungen kooperieren.

„Insgesamt konnten wir feststellen, dass sowohl aus volkswirtschaftlicher als auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht in der Materialeffizienz noch großes Potenzial steckt, das es zu erschließen gilt“, fasst Marcus Schröter zusammen. Es gibt bereits einige Ansatzpunkte, um die Verbreitung von effizienten Konzepten zu fördern: Beispielsweise unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in seinem Förderprogramm „BMWi Innovationsgutscheine“ (go-inno) die qualifizierte, externe Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zur Steigerung ihrer Rohstoff- und Materialeffizienz über die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea) (http://www.bmwi-innovationsgutscheine.de). Die Praxis zeigt, es rechnet sich für die Unternehmen; im Durchschnitt sparen sie pro Jahr allein an Materialkosten gut 200.000 Euro.

Die vollständige Studie gibt es unter http://www.demea.de/dateien/fachartikel/2011-12-07-endbericht-materialeffizienz-in-der-produktion.pdf.

Die Basis der Ergebnisse bildeten Antworten von rund 1.500 Betrieben aus der Fraunhofer ISI-Erhebung Modernisierung der Produktion 2009. Diese wird alle drei Jahre durchgeführt. Aktuell werden wieder 16.000 zufällig ausgewählte Betriebe des Verarbeitenden Gewerbes um Unterstützung gebeten. Die Teilnehmer erhalten als Dankeschön Zugang zum Benchmarking-Angebot des Fraunhofer ISI und regelmäßig aufschlussreiche Analysen aus der aktuellen Erhebung (http://www.isi.fraunhofer.de/i/erhebung.php).

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

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